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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 13. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Kriegsende 1945: Gemeinschaftsprojekt von EKS und THS

Homberg. Am 8. Mai 1945, also vor 70 Jahren, endete der Zweite Weltkrieg offiziell. Diesen Jahrestag nehmen Ulf-Dieter Fink und Gunnar Krosky mit ihren Schülern der Erich Kästner-Schule und die AG „Schule ohne Rassismus“ des Bundespräsident-Theodor-Heuss-Gymnasiums unter der Leitung von Thomas Schattner zum Anlass, gemeinschaftlich an damalige Ereignisse zu erinnern. An zirka 20 Tischen werden die Schüler beider Schulen den Besuchern der Veranstaltung auf dem Freigelände der EKS einzelne Aspekte des Kriegsendes vorstellen. Beginn ist um 17 Uhr, enden wird die Veranstaltung um 20 Uhr. Welchen Tisch Interessierte besuchen und in welcher Reihenfolge, ist jedem Besucher selbst überlassen. Anschließend werden hoffentlich intensive und spannende Gesprächsrunden stattfinden. Für einen kleinen Imbiss mit Getränken ist gesorgt.

Am 30. März 1945 oder kurz darauf endete für die Zeitgenossen hier in Nordhessen das 1.000-jährige Reich des NS-Regimes nach zwölf unbeschreiblichen Jahren. Mit diesem Ende begann ein neues „Zeitalter“, allerdings unter ganz neuen und anderen Vorzeichen. Nichts mehr war wie zuvor: Eine deutsche Zentralregierung bestand nicht mehr, stattdessen herrschten nun Besatzungsmächte in Besatzungszonen. Die Wirtschaft und Infrastruktur des Landes war total zerstört. Zwei Drittel der Menschen damals waren obdachlos, ausgebombt, evakuiert und verschickt. In der Gesellschaft herrschte Frauenüberschuss, da Millionen von Männern gefallen waren oder sich in Kriegsgefangenschaft befanden. Millionen Menschen aus den deutschen und ehemals deutschen Ostgebieten waren auf der Flucht. Hinzu kamen Millionen von Heimatvertriebenen, die sich ebenfalls auf der Flucht befanden. Es herrschte ein unvorstellbares Chaos. Werte und Normen der Vorkriegsgesellschaft bestanden nicht mehr, Konfessionen mischten sich. Alte handwerkliche Traditionen wurden verpflanzt. Kurzum, die Gesellschaft war in einem totalen Wandel begriffen. Mittendrin unsere nordhessische Region als ehemalige Hochburg der Nationalsozialisten. Für viele Zeitgenossen ging eine Welt unter, eine andere begann für den anderen Teil der deutschen Gesellschaft.

Der Übergang des Wandels war mitunter sehr unterschiedlich, einige Städte und Dörfer ergaben sich, andere entgingen nur unter glücklichen Umständen einem schlimmeren Schicksal, und um wiederum andere Städte und Dörfer wurde gekämpft.

Genau diese Bandbreite findet sich auch im Raum Homberg-Wabern-Fritzlar wieder, die an diesem Nachmittag bzw. Abend auf dem Freigelände der EKS  dargestellt werden soll. Zentral sind dabei originale Textdokumente aus dieser Zeit, allen voran die unglaublich ausführlichen und informativen Tagebuchblätter von Heinrich Ruppel, Homberg betreffend, welche den größten Raum einnehmen werden. Weiterhin werden neben der heutigen Kreisstadt die Ereignisse in Niedermöllrich und Fritzlar (in Filmform) detailliert dargestellt. Dazu kommen Ereignisse des Jahres 1944 und Ereignisse nach dem 30. März 1945, die eng im Kontext des Kriegsendes stehen. So wird zum Beispiel der Homberger Volkssturm im November 1944 und das im Februar 1945 gegründete Lazarett in der August-Vilmar-Schule (heute THS) thematisiert. Aber auch an die Heimatvertriebenen und die Villa in Lembach wird erinnert, dort wurden deutsche Soldaten, die aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück kamen auf die Rückkehr in ihre Familien vorbereitet. Aber auch eine Wabernerin wird Thema sein, denn sie bekam als kleines Mädchen ihre erste Puppe von einem farbigen GI geschenkt. Des Weiteren werden erstmals US-amerikanische Quellen vorgestellt, die u.a. von einem Häuserkampf in Malsfeld und der Todesangst eines US-Soldaten südlich von Kassel berichten.

Diese Zeitreise vom November 1944 bis in das Jahr 1947 versucht die Zäsur des 8. Mais zu umschiffen. Dieses Datum hatte für die Zeitgenossen kaum Relevanz, es sei denn, dass man nun wieder weitgehend ruhig schlafen konnte. Sozialgeschichtlich gehören die Jahre 1943 bis 1948 zu einer Einheit, die mit den ersten Zweifeln am Regime nach der Niederlage bei Stalingrad im Januar 1943 begann (dem psychologischen Wendepunkt des Krieges, militärisch war es erst die große Panzerschlacht im Sommer am Kursker Bogen) und erst mit der erfolgreichen Durchführung der Währungsreform im Juni 1948 ihr Ende fanden. (red)



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