Startseite


Ihre Werbung hier!

Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Gudensberger Aktenbuch nach 150 Jahren zurück aus den USA

Gudensberg. Minuziös die Zeichnungen, verwittert und brüchig das Papier: Tausende von Reisekilometern hat ein historisches Buch, das Gudensbergs altes Hospital betrifft, in den vergangenen 150 Jahren zurückgelegt. Vor kurzem kehrte es mit seiner Besitzerin Nancy Ide aus dem Westen der USA, dem Bundesstaat Oregon, in seine alte Heimat, den Chattengau, zurück.

Nun hält Heinrich Schmeißing, Vorsitzender der Gudensberger Heimatfreunde, das Dokument in den Händen und will es im Auftrag archivieren. „Der Kontakt kam über die Standesbeamtin der Stadt Gudensberg, Petra Umbach, sowie Carola und Liselotte Habenicht vom Geschichtsverein zustande“, freut sich der Hobbyhistoriker. Sie haben im Vorfeld den Schriftverkehr abgewickelt und den Übergabetermin organisiert.

Bei dem alten Aktenwerk handelt es sich um einen Auszug der Grundstücke der Hospitalsstiftung Gudensberg aus dem Grundbuch zur Bemessung der Grundsteuer, dem so genannten „Lager-, Stück- und Steuerbuch“ von 1775. „Daraus geht hervor, dass das Hospital enorm viel Land besaß, das über Jahrhunderte von Gudensberger Bürgern um ihr Seelenheil willen gestiftet wurde“, erklärt Schmeißing.

Anlass das Schriftstück anzufertigen, war die Neuverpachtung des Hospital-Ackerlandes zum 12. Oktober 1794 zu gleichen Teilen in Form von Erbleihbriefen an sechs Gudensberger Bürger und Ackerleute. Das Los bestimmte dabei über die Aufteilung. „Insgesamt ging es um 111 Acker und zehn Wiesen in Teilstücken. Als Flächenmaß galt damals der Casseler Acker. Er entsprach rund 2400 Quadratmetern“, berichtet Schmeißing. Verzeichnet ist das Land im Gudensberger, Madener, Obervorschützer und Dorlaer Feld. In genauer Lage, mit Stücknummer, Flächengröße und Bodenqualität sind die Teilstücke aufgelistet, als Winter-, Sommerfeld oder Brache gekennzeichnet.

Das im Jahre 1365 gegründete Hospital zum Heiligen Geist ist ein wichtiges Gudensberger Denkmal. Die Mitglieder der Geschichtsgruppe sind deshalb vom Aktenbuch aus den USA begeistert. Die Familie Ide hatte sich im September mittels E-Mail an die Stadt Gudensberg gewandt und das Dokument angeboten. Ihr Vorfahr Heinrich Reinemund wanderte um das Jahr 1860 als Nachkomme einer Gudensberger Familie von Melsungen nach Amerika aus, um als Missionar in Ohio eine Gemeinde zu gründen. In seinem Gepäck reiste die Gudensberger Akte vor 150 Jahren über den großen Teich. „Wie Reinemund ans Buch kam, können wir uns allerdings nicht erklären“, sagt Schmeißing.

Glücklicherweise wurde das Dokument aufbewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben. Geld wollten Ides für die historische Akte nicht haben. Den Aufenthalt in Gudensberg verband Nancy Ide mit einem Besuch bei ihrer Tochter in Melsungen. Die Rückreise trat sie mit einem druckfrischen Bildband über Gudensberg an, neu erschienen im Wartberg Verlag.

Foto: Heinrich Schmeißing, Vorsitzender der Geschichtsgruppe des Gudensberger Heimatvereins, mit dem historischen Aktenbuch vor dem Hospital.




Ähnliche Beiträge

Bisher keine Kommentare


Einen Kommentar schreiben

© 2006-2017 SEK-News • Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt MediendesignBeiträge (RSS) und Kommentare (RSS)Impressum + DatenschutzAGB





Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com