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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Miriam Pressler weckt schlafende Hunde

Felsberg. Im Rahmen der Ausstellung ‚Legalisierter Raub’, die in der Drei-Burgen-Schule zu sehen ist und die die Enteignung jüdischer Familien zwischen 1933 und 1945 thematisiert, war Miriam Pressler eine der wichtigsten und bekanntesten deutschen Autorinnen von Kinder- und Jugendbüchern in der letzten Woche in Felsberg zu Gast. Sie las vormittags in der Jahrgangsstufe 10 und abends in einer öffentlichen Autorenlesung aus ihrem Buch „Die Zeit der schlafenden Hunde“.

Miriam Pressler hat mehr als 30 Bücher geschrieben und über 200 aus unterschiedlichen Sprachen – Niederländisch, Flämisch, Hebräisch, Englisch, Afrikaans – übersetzt. Ihre Bücher wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet, für ihre „Verdienste an der deutschen Sprache“ wurde sie mit der Carl Zuckmeyer Medaille geehrt, zweimal erhielt sie den deutschen Jugendliteraturpreis, Deutscher Bücherpreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für ihr Lebenswerk.

Pressler schreibt seit den 70er Jahren Texte für Jugendliche, aber auch für Erwachsene über verlassene und vernachlässigte Kinder, Außenseiter aus schwierigen sozialen Verhältnissen, über Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Bücher von ihr gehören heute zu Standardwerken in der Schule, wie etwa ihr meist verkauftes Buch Bitterschokolade. Sie hat auch historisch-politischen Themen wie das Dritte Reich und den Holocaust bearbeitet. Sie übersetzte viel Werke internationaler Autoren, übertrug auch das Tagebuch der Anne Frank aus dem Niederländischen

Das Buch „Die Zeit der schlafenden Hunde“ von Miriam Pressler stellt für die Ausstellung geradezu einen Glücksfall dar, verdeutlicht es doch in literarischer Fiktion punktgenau den inhaltlichen Schwerpunkt der Ausstellung. Johanna – die Hauptperson in dem Roman – stößt als Schülerin bei ihren Geschichtsrecherchen kurz vor ihrem Abitur auf Informationen, die den Wohlstand ihrer Familie – sie besitzt das eleganteste Modehaus am Ort – für sie in kritischem Licht erscheinen lässt, da ihr Großvater ganz offensichtlich seinen Reichtum nicht nur – wie immer behauptet – durch seiner Hände Arbeit, sondern durch die Übernahme jüdischen Besitzes ‚erworben’ hat. Da Johanna mutig nach der Wahrheit fragt, wird der Familienfrieden in eine Krise gestürzt. Anstatt weiterhin den Mantel des Schweigens über die damaligen Ereignisse zu hüllen, stellt sie konsequent unangenehme Fragen und deckt das Geflecht der schwierigen Familiengeschichte Schritt für Schritt auf.

Sowohl die Schülerinnen und Schüler am Vormittag wie auch hoch interessierte rund 40-köpfige Publikum der Abendveranstaltung machten in den anschließenden Gesprächen mit der Schriftstellerin die Notwendigkeit der ehrlichen, offenen Wahrheitssuche – mittlerweile über Generationen hinweg – deutlich. Die Zeit sei reif, so taten die Zuhörer ihre Meinung kund, uns unserer eigenen Geschichte auch bei diesem Thema zu stellen. Einigkeit herrschte in der Einschätzung, dass es ein mutiger Schritt des Schulleiters Dr. Dieter Vaupel war, diese Ausstellung und damit diese Thematik in die Felsberger Drei-Burgen-Schule zu holen.

Eckhard Huneck, Fachleiter Deutsch

 

Foto:  Miriam Pressler mit Schülerinnen der Jahrgangsstufe 10 im Anschluss an ihre Lesung in der Drei-Burgen-Schule.




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