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Schlappe zum Jahresausklang

Der Jahresausklang geriet für die MT Melsungen in Hamburg zum Debakel. Beim HSV Handball unterlagen die Nordhessen vor 12.693 Besuchern in der ausverkauften Color Line Arena am Ende auch in dieser Höhe verdient mit 25:38 (10:23).

Hamburg/Melsungen. Die Kulisse war imposant im weiten Rund der Arena, die Stimmung von Beginn an locker und angenehm. Ganz anders dagegen das, was sich in den ersten Minuten auf dem Parkett abspielte. Beide Trainer hatten eine sehr offensive Deckungsvariante gewählt, was der spielerischen Komponente nicht gerade zuträglich war. Der HSV begann mit einem 3:2:1-Verbund, der oft auf 3:3 aufgelöst wurde. Die MT operierte mit doppelter Manndeckung von Beginn an. Savas Karipidis wich Pascal Hens nicht von den Fußspitzen, Daniel Tellander nahm Regisseur Guillaume Gille völlig aus dem Spiel. Beide Maßnahmen führten zu Fehlabspielen am laufenden Band auf beiden Seiten. Lediglich Torsten „Toto“ Jansen konnte einen Ballgewinn zum schnellen Konter und der Führung für die Hanseaten verwerten. Am Kreis war zwangsläufig jeweils viel Platz, den aber weder Thomas Klitgaard, noch Bertrand Gille nutzen konnte.

Zum Hamburger kamen die Bälle anfangs erst gar nicht durch, der Däne in Melsunger Farben bekam mächtig „auf die Socken“. Schon nach knapp drei Minuten musste Klitgaard auf Weisung der Schiedsrichter vom Spielfeld, um sein völlig zerfetztes Trikot einer Behelfsreparatur zu unterziehen. Petr Hruby kam, erhielt den Ball, und wurde von Bertrand Gille als Willkommensgruß gleich erst einmal parterre geschickt. Den fälligen ersten Siebenmeter setzte Savas Karipidis
an die Unterkante der Latte.

Der Kampf setzte sich fort, jedoch stellte sich der HSV schneller auf die Gegebenheiten ein. Auch ohne Gille und Hens steht immerhin noch ein Ausnahmekönner wie Kyung-Shin Yoon im Rückraum. Außerdem zeigte die kurze Deckung gegen Guillaume Gille eine unangenehme Begleiterscheinung für die Gäste: der Hamburger zog sich bis an die Mittellinie zurück und unterband damit gleich auch wirkungsvoll mögliche schnelle Konter der Bartenwetzer. Auf der Gegenseite nutzte Hans Lindberg zwei Ballgewinne seiner Abwehrkollegen zu erfolgreichen Tempogegenstößen. Yoon steuerte einen Treffer bei, nachdem er sich mit einer Einzelleistung per kurzen Körpertäuschung bis zum Kreis durcharbeiten konnte. 4:0 nach immerhin schon achteinhalb Minuten und Zeit für die frühe Grüne Karte von Robert Hedin.

Die MT fand langsam ebenfalls in die Begegnung und konnte Boden gut machen. Johannes Bitter im Tor der Hanseaten sorgte aber mit Paraden gegen Grigorios Sanikis, Daniel Valo und Vladiva Stojanovic dafür, dass der Vorsprung weiter Bestand hatte. Er hatte es allerdings auch ungleich leichter mit den erzwungenen Würfen aus teilweise 10 Metern als sein Pendant Mario Kelentric. Der sah sich oft genug in 1:1-Situationen gegen Yoon oder andere allein auf ihn zulaufende Hamburger bei Gegenstößen. Es dauerte bis zur sechzehnten Spielminute, da hatte der Kroate endlich seinen allerersten Ball gehalten. Bitter kam bis dahin immerhin schon auf sechs Paraden. Damit war das Zwischenergebnis von 8:4 auch schon hinreichend relativiert.

Melsungen nahm den Kampf an und hielt im Rahmen seiner Möglichkeiten dagegen. Den Unterschied machten die individuellen Stärken der Spieler. Pascal Hens war auch mit Manndeckung nie ganz auszuschalten, und ein Yoon, der die für ihn eher ungewohnten Freiräume weidlich ausnutzte, konnten allein vom Kampfeswillen der Bartenwetzer nicht gestoppt werden.

Bis zum 10:7 nach zwanzig Minuten war die HSV-Überlegenheit nicht zu übersehen, doch hielt der Underdog aus Hessen die Partie trotzdem offen. Was dann folgte, ist jedoch kaum noch zu erklären. Die verbleibenden zehn Minuten bis zum Pausenpfiff gerieten zum wohl Schlimmsten, was die ca. 70 mitgereisten rot-weißen Anhänger in zweieinhalb Jahren Bundesliga ansehen mussten. Hamburger Angriffe rollten im Halbminutentakt auf das Gehäuse von Kelentric und des nach 26 Minuten eingewechselten Radek Musil.

Thomas Klitgaard hatte beim 11:7 durch Yoon zusätzlich eine Bankstrafe kassiert, und diese 120 Sekunden nutzte der HSV durch die Gille-Brüder und Toto Jansen eiskalt, um auf 14:7 zu erhöhen. Warum Vladica Stojanovic gerade als der Däne zurückkam einen unvorbereiteten Wurf nahm, wußte wohl nur er selbst. Bitter hielt mühelos, und Jansen erhöhte per Tempogegenstoß auf 15:7. In nur knapp zweieinhalb Minuten vergeigte die MT das komplette Spiel mit unglaublichen fünf Gegentreffern. Und als ob das noch nicht genügt hätte, verfiel der Angriff der Bartenwetzer wie auf Kommando in kollektiven Tiefschlaf. Einzig Grigorios Sanikis setzte sich vor dem Wechsel noch zweimal mit Einzelleistungen gegen die Hamburger Deckung durch. Savas Karipidis vergab seinen zweiten Siebenmeter der Tages, netzte aber wenigstens das zurückprallende Leder im Nachwurf ein.

Ansonsten hatte Johannes Bitter bei den vielen halbherzig geworfenen Bällen der Nordhessen kaum Mühe, seine Quote auszubauen. Bis zum Pausenpfiff hatte der Keeper bei zehn erhaltenen Toren vierzehn Paraden auf dem Konto – eine wahrhaft weltmeisterliche Quote von knapp 60%. Nicht der Rede wert dagegen seine Kollegen auf Melsunger Seite. Während Kelentric auf 3 Paraden bei 17 erhaltenen Toren (Quote 15%) kam, berührte Musil das Spielgerät ausschließlich, um es nach HSV-Erfolgen aus dem Kasten zu holen – Quote 0%, bei sechs Gegentoren. Und trotzdem wäre es völlig falsch, nur den Torhütern die Schuld an der Blamage zu geben. Unglaublich, wie oft die Hanseaten allein vor dem MT-Gehäuse auftauchten.

Von 23 Toren vor dem Wechsel entsprangen etwa fünfzehn aus direkten Gegenstößen und einer unwiderstehlichen ersten Welle. Dazu noch zwei 7 m von Yoon gerechnet, und man hat einen Eindruck, wie allein gelassen sich die Torhüter fühlen mussten. Martin Schwalb auf Hamburger Seite begann schon früh, auch seiner „zweiten Garnitur“ Spielanteile zu geben. Zu deutlich war die Überlegenheit seiner Mannschaft. Die Nordhessen gaben sich angesichts des aussichtslosen Rückstandes auf und wechselten ebenfalls kräftig durch. So ergab sich nach der Pause ein munteres, aber immerhin relativ ausgeglichenes Spiel.

Hamburg tat genau so viel, um den Vorsprung nicht allzu sehr zusammenschmelzen zu lassen. Bis zur 38. Minute wurde noch ergebnisorientiert gespielt (28:13), danach überwog beim HSV der Spaß-, und bei der MT der Frustfaktor. Kyung-Shin Yoon genoss weiter die große Freiheit im rechten Rückraum und wurde phasenweise zum Alleinunterhalter für die sehr zufriedenen HSV-Fans. Sieben vor der Pause, sieben danach; der kräftige Südkoreaner avancierte auch zum effektivsten Spieler an diesem Nachmittag. Er benötigte als eifrigster Werfer seines Teams nur elf Versuche, um neun Feldtreffer zu markieren.

Ganz anders dagegen der Melsunger mit den meisten Versuchen, Vladica Stojanovic. Der Serbe stand über das gesamte Spiel praktisch neben sich und machte aus zehn Würfen gerade zwei Tore. Bei der MT vermochte am ehesten Daniel Tellander zu überzeugen. Hinten wie schon gegen Kiel eine fast fehlerfreie Partie und als „Wachhund“ von Guillaume Gille äußerst effektiv. Der Franzose erzielte nur ein einziges Tor selbst und konnte mangels Ballkontakten auch nicht als Vorbereiter glänzen. Dazu nach dem Wechsel vier blitzsaubere Tore des Schweden, hinter dem leistungsmäßig dann lange Zeit niemand nachfolgte. Grigorios Sanikis war immer bemüht und war auch der einzige Melsunger, der sich in einigen Szenen im Angriff Mann gegen Mann durchsetzen konnte. Aber er brauchte insgesamt zu viele Versuche für seine sieben Tore, mit denen er sich zum erfolgreichsten MT-Schützen machte. Mit sehr viel Pech spielte hingegen Savas Karipidis. Seine Aufgabe als Manndecker gegen Pascal Hens erledigte er recht passabel, auch wenn der Weltklasserückraumspieler nie ganz auszuschalten war (vier Tore, einige schöne Anspiele). Aber nur vier Feldtore bei doppelt so vielen Versuchen und insgesamt drei vergebene Strafwürfen zeigen den Verschleiß der letzten Wochen auf. Wie gut für die MT, dass jetzt die EM-Pause kommt.

Stimmen zum Spiel
Robert Hedin: Gratulation für zwei völlig verdiente Punkte an den HSV. Wir haben trotzdem zu Beginn ein gutes Spiel gemacht. Bis zum 10:7 war es von unserer Seite noch in Ordnung, danach ging alles voll in die Hose. Die danach folgenden zehn Minuten haben wir mit 3:13 abgegeben. In der zweiten Hälfte haben wir dann praktisch nur noch sehnlichst auf das Schlusssignal gewartet.
Martin Schwalb: Die doppelte Manndeckung zu Beginn hat uns doch irritiert. Es ist schon frech, so gegen uns zu beginnen, und dabei ausgerechnet einen Mann wie Yoon frei laufen zu lassen. Damit war „Nick“ umso mehr gefordert, und zu unserem Glück hat er die Aufgabe angenommen und ausgefüllt. Wir hatten es darauf angelegt, 1:1-Situationen zu provozieren und zu gewinnen, was gut gelungen ist. Unseren großen Vorsprung haben wir nicht im Angriff, sondern in der Abwehr geholt und über viele schnelle Gegenstöße herausgeworfen. Ich glaube, damit haben wir fast 13.000 Zuschauern ein gutes Spektakel geboten.

Statistik
HSV Handball – MT Melsungen 38:25 (23:10)
HSV Handball:
Bitter (1.-40., 16 P.), Sandström (41.-60., 7 P.); Schröder, Jansen 9, Ursic 2, Flohr, Jurecki 1, Torgovanov 1, B.Gille 2, G.Gille 1, Lindberg 3, Lijewski 1, Hens 4, Yoon 14/5
MT Melsungen: Kelentric (1.-26., 31.-35., 40.-60. 8 P.), Musil (27.-30., 36.-39., 0 P.); Brouko, Jacobson 1, Kurtchev 1, Klitgaard, Hazl, Valo 1, Tellander 4, Hruby 3, Stojanovic 2, Sanikis 7, Karipidis 6/2, Blank (n.e.), Balomenos (n.e.)
SR: Lars Geipel (Steuden) / Marcus Helbig (Landsberg); Zuschauer: 12.693 in der Color Line Arena, Hamburg
Zeitstrafen: 4 – 2 (B. Gille 10:38, Torgovanov 51:08 – Klitgaard 19:40)
Strafwürfe: 5/5 – 6/2; Karipidis wirft an die Latte (03:33), Karipidis scheitert an Bitter (24:20), Karipidis scheitert an Sandström (45:56), Kurchev scheitert an Sandström (51:12)

Foto: Heinz Hartung 




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