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Gerechtes Remis im Hessenderby

Kassel/Melsungen. Das war kein Spiel für schwache Nerven in der Kasseler Rothenbach-Halle. Wieder fast 4.000 Zuschauer, unter ihnen Hessens Innen- und Sportminister Volker Bouffier und Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, sahen ein bis zur letzten Sekunde spannendes Hessenderby, in dem sich die MT Melsungen und die HSG Wetzlar schließlich vollkommen leistungsgerecht 28:28 (13:15) trennten.

Den besseren Start in die Partie erwischten die Gäste, die nach Melsungens erstem Treffer durch Grigorios Sanikis schnell den Spieß umdrehten und ihrerseits durch Avishay Smoler und Sebastian Weber in Führung gingen. Einer jedoch schien zu Beginn etwas übermotiviert bei den Grün-Weißen: Giorgios Chalkidis. Der Grieche, noch bis letzte Saison in nordhessischen Diensten, sah gleich in seiner ersten Aktion den gelben Karton, um nur eine Minute später nach Foul an Sanikis die erste Bankstrafe zu kassieren. Daniel Tellander und Vladica Stojanovic nutzten den Freiraum zum 3:2.

Überhaupt erwies sich wieder einmal Stojanovic als Kopf der Bartenwetzer, und das praktisch aus dem Krankenlager heraus. Drei Tage hatte der Serbe krank pausieren müssen, war aber pünktlich zum Anpfiff wieder hellwach und lenkte das MT-Angriffsspiel vorzüglich. Immer besser wird auch das Verständnis mit seinem Landsmann und Neuzugang Nenad Vuckovic. Die erste Welle zum zwischenzeitlichen 5:3 war ein Beleg für die fortschreitende Integration von Vuckovic, als der aus vollem Lauf mustergültig Stojanovic in Szene setzte.

Insgesamt lief das Spiel der Hausherren bis zum 6:3 nach erneut glänzendem langem Pass von Vuckovic auf Daniel Tellander absolut rund. Die Abwehr stand hervorragend, Mario Kelentric dahinter kam mühelos in die Partie und wehrte gleich in der Anfangsphase einige schwierige Bälle ab. Warum nach zehn Minuten plötzlich kaum noch etwas ging, konnte sich niemand wirklich erklären. Doch nicht nur Melsungen hatte Probleme, zum vorbereiteten Abschluss zu kommen.

Auch bei Wetzlar ließ die Zielgenauigkeit zu wünschen übrig. Was Vladica Stojanovic und Savas Karipidis auf der einen Seite verschossen, vergaben gegenüber Michael Allendorf und Alois Mraz. Der jedoch bewies immerhin noch gutes Auge mit schönen Kreisanspielen auf Sebastian Weber, der in der ersten Hälfte vom MT-Innenblock Vuckovic/Klitgaard nie in den Griff zu bekommen war. Folgerichtig schloss der Gast durch Smoler und Weber wieder auf, und hätte bei besserer Chancenverwertung sogar in Front gehen können. Doch neben einigen technischen Fehlern blieben Smoler und Salzer nur zweite Sieger gegen den immer stärker werdenden Mario Kelentric.

Es war dennoch nicht zu übersehen, dass die Chance der Bartenwetzer auf frühzeitige Schaffung klarer Verhältnisse verpasst war. Zwar konnte Daniel Valo per Gewaltwurf in den Winkel noch einmal auf 7:5 stellen, doch mit dem Wechsel von Kreso Ivanovic für den etwas überfordert wirkenden Timo Salzer auf der Spielmacherposition bewies Gästetrainer Volker Mudrow ein glückliches Händchen zum richtigen Zeitpunkt. Weber und Allendorf per Siebenmeter glichen schnell aus.

Trotz stärker werdendem Gast blieb Melsungen zunächst noch bestimmend. Savas Karipidis erzielte gegen seine alten Kameraden nach zwanzig Minuten sein erstes Tor, und als Mario Kelentric einen von nur insgesamt zwei Bällen im ersten Durchgang gegen Sebastian Weber hielt und blitzschnell den enteilten Daniel Tellander zentiemetergenau zum 9:7 bediente, schien alles wieder im Lot.

Nach 22 gspielten Minuten, beim 12:10, folgte allerdings die Wende. Angeführt vom clever Regie führenden Kreso Ivankovic glich Wetzlar durch Giorgios Chalkidis und Sebastian Weber zunächst aus, und legte durch Alois Mraz und Michael Allendorf per Tempogegenstoß gleich noch zwei nach. Robert Hedin hatte zwischenzeitlich reagiert und umgestellt. Andrej Kurtchev für den weitgehend harmlosen Daniel Valo halbrechts, Nenad Vuckovic für den nur in den Anfangsminuten präsenten Grigorios Sanikis halblinks. Dazu Ivan Brouko auf Außen für Daniel Tellander, der ebenfalls bis auf zwei Gegenstöße seine sonstige Klasse vermissen ließ. Es nutzte nicht viel. Außer einer Einzelleistung von Vladica Stojanovic zum 13:14 blieb der Erfolg bis zur Pause aus. Wetzlar setzte sogar per Allendorf-Strafwurf noch zum 13:15 nach.

In der zweite Hälfte dauerte es viereinhalb Minuten, ehe das erste Tor fiel. Tore von Ivankovic und Thomas Klitgaard folgten, bevor die Melsunger die nächste Chance bekamen, das Spiel wieder zu ihren Gunsten zu drehen. Beim Torerfolg des Dänen wurde der mehr als hart bedrängt von Gregor Werum, was dem Wetzlarer prompt eine Bankstrafe einbrachte. Doch wieder waren die Bartenwetzer nicht in der Lage, diesen Vorteil zu nutzen. Alois Mraz und Volker Michel erzielten zwei blitzsaubere Unterzahltore, während Stojanovic mit seinen beiden Treffern nur jeweils den Anschluss wieder herstellen konnte, statt sein Team zum Ausgleich zu werfen.

Das Spiel verflachte etwas. Tore wurden wechselseitig erzielt, ohne dass sich am Gesamtbild etwas änderte. Bei der HSG sah alles etwas lockerer aus, die MT zeigte immerhin unbedingten Willen zum Kampf. So kam es nach 41 Minuten beim Stand von 20:21 zur nächsten Möglichkeit der Hausherren, in Überzahl auszugleichen. Doch es sollte einfach nicht sein an diesem Nachmittag. Der Ball wurde vertändelt, Wetzlar nutzte geschickt alle Möglichkeiten, die Strafzeit herunter laufen zu lassen. Kurz bevor Timo Salzer zurück aufs Feld durfte machte Volker Michel seinen zweiten Shorthander des Tages.

Auch von diesem Rückschlag ließ sich die MT Melsungen nicht erschüttern. Zwar machten es sich Stojanovic und Co. selbst schwer, aber sie gaben alles. Das führte nach 46 Minuten schließlich doch verdientermaßen zum 23:23-Ausgleich, den Savas Karipidis per schnellem Konter erzielte. Zwar konnte Kreso Ivankovic noch ein letztes Mal seine Farben in Führung werfen, doch Rot-Weiß war wieder voll im Spiel. Zu verdanken war das in erster Linie Vladica Stojanovic, der aber zu diesem Zeitpunkt sprichwörtlich bereits fast auf dem Zahnfleisch lief. Die Krankheit der letzten Tage hatte deutliche Spuren hinterlassen, von Kraft und Kondition war beim Serben schon lange keine Rede mehr – nur vom eisernen Willen. Und auch Daniel Valo schlug noch einmal zu, obwohl auch er alles andere als einen guten Tag hatte. Bezeichnend für die hervorragende Einstellung der Hedin-Truppe an diesem Nachmittag der Treffer von Savas Karipidis zum 25:24. Trotz härtester Bedrängnis und unfairem Eingreifen von Ivankovic, was diesem sofort zwei Minuten Abkühlung einbrachte, netzte der Grieche aus unmöglichem Winkel ein.

Eine als Stürmerfoul von Andrej Kurtchev abgepfiffene Aktion brachte Wetzlar gut 45 Sekunden vor Schluss in Ballbesitz. Clever und routiniert spielte die HSG die Uhr herunter, bis ausgerechnet dem erfahrensten Akteur, Ex-Nationalspieler Volker Michel, der Ball von Vladica Stojanovic und Ivan Brouko in Gemeinschaftsarbeit abgeluchst wurde. Michel blockierte den Ball, was ihm fünf Sekunden vor Schluss noch eine Strafe einbrachte und die Uhr zum Glück für Melsungen stoppte. Robert Hedin nahm noch eine Auszeit, um die Aktion zu koordinieren. Doch am Ende war es ausgerechnet wieder Andrej Kurtchev, der sich den Wurf entgegen der Absprache nahm und knapp verzog.

So blieb es beim am Ende für beide Seiten hochverdienten Punktgewinn. Einen Sieg hätten beide ganz sicher verdient gehabt, eine Niederlage aber keiner. Insofern war das 28:28 nach den gezeigten Leistungen das perfekte Ergebnis, auch wenn Melsungen vor eigenem Publikum natürlich gern Revanche für die Hinspielniederlage genommen hätte.

Stimmen zum Spiel
Volker Mudrow:
Wenn man das Spiel noch einmal vor Augen hat, dann war es insgesamt wirklich ein hochklassiges Spiel auf sehr hohem Niveau. Beide Mannschaften haben sich nichts geschenkt, es war sehr intensiv. Wir haben der individuellen Klasse von Melsungen viel Leidenschaft und Engagement entgegen gesetzt. Nimmt man beide Halbzeiten, war es ein gerechtes Unentschieden. Es muss sich keiner als Verlierer fühlen – ganz im Gegenteil.

Robert Hedin: Nach den ersten Minuten habe ich gedacht, dass wir das hinkriegen heute. Aber als wir bei 6:3 nach acht, neun Minuten die Chance hatten wegzuziehen, machten wir plötzlich zu viele technische Fehler im Angriff. Da war mir dann klar, dass das heute ein ganz enges Spiel wird. Wir hatten ein paar Probleme mit der Wetzlarer Deckung, haben aber nie aufgegeben. Kompliment an Vladica Stojanovic. Er hat drei Tage nur gelegen und konnte sich kaum bewegen, hat aber heute ein sehr gutes Spiel gemacht.

Statistik
MT Melsungen:
Kelentric (1.-45., 54.-60., 14 P.), Musil (45.-54., 0 P.); Brouko 1, Kurtchev 1, Kraus (n.e.), Klitgaard 1, Valo 3, Tellander 3, Hruby, Stojanovic 7, Sanikis 2, Karipidis 10/5, Vuckovic, Balomenos

HSG Wetzlar:
N. Weber (1.-10.,48.-60., 5 P.), Djordjic (10.-48., 12 P.); Smoler 2, Salzer, Allendorf 4/3, Ivankovic 2, Mitkov, Mraz 6, Michel 4, Chalkidis 1, Werum, S. Weber 9

SR: Uwe Prang (Bergheim) / Uwe Reichl (Köln);

Zeitstrafen: 6 – 12 (Valo 30:24, Vuckovic 48:23, Brouko 52:02 – Chalkidis 02:49, S.Weber 20:16, Werum 35:39, Salzer 41:05, Ivankovic 48:04, Michel 59:55);

Strafwürfe: 6/5 – 3/3: Karipidis scheitert an Djordjic (27:51)

Zuschauer: 3.940 in der Rothenbach-Halle, Kassel




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