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Niederlage nach schwacher Angriffsleistung

Lübbecke/Melsungen. Die MT Melsungen bleibt ihrem Ruf als „launische Diva“ treu. Beim bisherigen Tabellenschlusslicht TuS N-Lübbecke setzte es eine 33:38 (14:18)-Niederlage. Auch wenn das Ergebnis nach den gezeigten Leistungen in Ordnung geht, war doch wesentlich mehr drin am Wiehengebirge. Aber eine schwache Angriffsleistung und eklatante Mängel im Überzahlspiel machten einen Erfolg unmöglich.

Knappe vier Minuten war für die MT Melsungen und ihre zahlreich mitgereisten Fans die Welt noch in Ordnung. Obwohl beide Mannschaften in gleichem Maße übernervös begannen, fanden die Nordhessen schneller den Weg zum Tor. Savas Karipidis eröffnete ausgerechnet mit einem blitzsauberen Heber über seinen 2,10m großen Ex-Kollegen Dennis Klockmann den Torreigen.

War Vladica Stojanovic anfangs noch durch Tim Remer kurz gedeckt, nutzte er den ersten Moment, da die Übergabe von Petr Hazl auf Remer nicht klappte, sofort zum 2:0. Alles schien in Ordnung, die Weichen gestellt. Nicht lange allerdings, denn ausgerechnet der sonst so zielsichere Daniel Valo hatte heute gründlich „verwachst“.

Schon in den ersten fünf Minuten leistete er sich zwei Fahrkarten und zwei Fehlpässe. Das konnte hinten auch Mario Kelentric mit seinen Paraden gegen Michal Jurecki und Tim Remer nicht wieder ausbügeln. Jurecki und Christian Hildebrand per Tempogegenstoß glichen aus. Savas Karipidis scheiterte gleich mit seinem ersten Siebenmeter an Dennis Klockmann, Petr Hazl machte es auf der anderen Seite besser und traf vom Punkt zur ersten Führung der Hausherren.

Lübbecke legte seine Nervosität langsam ab, die MT steigerte sich in ihre erst richtig hinein. Michal Jurecki mußte für zwei Minuten vom Feld. Doch nicht Rot-Weiß baute ruhig auf und versuchte die Überzahlsituation zu nutzen, sondern erneut Christian Hildebrand erhöhte per Konter auf 4:2. Diese Situation war bezeichnend für das Spiel der Melsunger. Immer dann, wenn Gelegenheit gewesen wäre, die individuellen Stärken auszuspielen, führten Nachlässigkeiten zu Ballverlusten und Gegentoren. Auch der nächste Treffer der Hausherren durch Michele Skatar fiel noch in die MT-Überzahl. Kaum war Nettelstedt wieder komplett, schon klappte auch das Gästespiel wieder besser. Savas Karipidis und Grigorios Sanikis aus ungewohnter Position vom Kreis gleichen noch einmal aus. Doch das war es dann mit Melsungen an diesem Nachmittag. Ab der zwölften Minute liefen die Bartenwetzer nur noch Rückständen hinterher.

Andrej Kurtchev war schon früh für Daniel Valo gekommen, doch auch er ließ jede Bindung zum Spiel vermissen. Kein Druck von halbrechts, und nur wenig mehr von halblinks. Das Umschalten von Abwehr auf Angriff klappte noch zumindest ansatzweise. Doch spätestens wenn der schnelle Gegenstoß abgebrochen werden mußte oder von den schnell zurück spurtenden Gastgebern unterbunden wurde, war jeder Drang zum Tor zunächst gestoppt.

Das Positionsspiel klappte überhaupt nicht, die Außen bekamen zu selten verwertbare Bälle. Sanikis, Stojanovic und Kurtchev schaufelten sich die Bälle über die Mitte zu, kreuzten, standen sich teilweise gegenseitig im Weg. Versuchte tatsächlich mal jemand einen Paß an den Kreis in Richtung Thomas Klitgaard, blieb das Leder bis auf ganz wenige Ausnahmen in der Deckung hängen, was mehrfach zum Ballverlust führte. So fiel es den Ostwestfalen nicht eben schwer, ihren zuerst nur knappen Vorsprung bis zur Pause sukzessive auszubauen.

Allein Vladica Stojanovic sorgte vorn mit seinen ansatzlosen Unterarmwürfen durch die Deckung dafür, dass der Rückstand nicht wesentlich höher ausfiel. Hinten stemmte sich Mario Kelentric tapfer gegen die immer wieder frei vor ihm auftauchenden Roten, aber seine acht Paraden allein bis zur Pause waren längst nicht genug, der Favoritenstellung beim Tabellenletzten gerecht zu werden. Von den vierzehn Melsunger Toren bis zum Pausenpfiff erzielte Stojanovic allein sechs, Karipidis kam au vier.

Die zweite Hälfte begann wie die erste: nervös auf beiden Seiten. Statt die neuerliche Überzahl zu nutzen, Jakub Szymanski mußte kurz vor dem Wechsel auf die Strafbank, kassierte die MT per Siebenmeter von Petr Hazl den nächsten Treffer.

Die nächste Parallele zum Spielbeginn: Ballverlust Valo vorn, Tempogegenstoß Remer, Tor Lübbecke. Nur 30 Sekunden später das gleiche Spiel, nur diesmal mit Christian Hildebrand als Nutznießer. Die Gastgeber zogen fast mühelos auf 21:15 weg (34.). Einzig Savas Karipidis stemmte sich in dieser Phase ernsthaft gegen die drohende Schlappe. Er traf zuerst per Siebenmeter, dann nach wirklich sehenswertem Zusammenspiel mit Daniel Tellander. Der Schwede hätte den Tempogegenstoß auch selbst abschließen können, passte aber im letzten Moment am verdutzten Gudmundsson, der Klockmann abgelöst hatte, vorbei auf den mitgelaufenen Karipidis, der das leere Tor nicht mehr verfehlen konnte.

Diese zwei Tore gaben sichtbar Auftrieb, und die Chance zum Comeback sollte noch größer werden. Christian Hildebrand bekam zwei Minuten aufgebrummt, Melsungen also wieder in Überzahl. Wer aber geglaubt hatte, dass dieser Vorteil genutzt würde, der sah sich schnell getäuscht. Zuerst ein völlig unnötiger Ballverlust vorn, dann endloses Spiel der Gastgeber vor der Melsunger Abwehr. Die Hände der insgesamt gut leitenden Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ulrich waren längst oben, doch Hazl, Jurecki und Co. ließen sich geschickt mehrfach fest machen und spielten die Uhr fast provokant nach unten. Die erste echte Chance zum Wurf quasi mit Ansage nutzte Tim Remer tatsächlich zum 22:17 (36.).

Es folgte der erste und auch gleichzeitig einzige Einbruch des TuS und Melsungen war nach gut vierzig Minuten wieder dran. Beim Stand von 25:24 schien sich sogar die ersehnte Möglichkeit zum Ausgleich zu bieten. Mario Kelentric parierte einen Wurf von Petr Hazl, doch niemand seiner Vorderleute schaltete schnell genug, sich den Abpraller zu sichern. Stattdessen packte Branko Kokir entschlossen zu und netzte doch noch ein. Bis zum 27:25 setzte sich dieses Spiel fort, dann folgte die Entscheidung.

Wie anders als „clever“ soll man es bezeichnen, wenn Sergo Datukashvili sich nach einer dreiviertel Stunde mannschaftsdienlich zeigte und per Trikotgrabscher kurzerhand eine Strafzeit erbettelte. Es kam prompt, was eigentlich schon gar keiner mehr anders erwartete: Melsungen in Überzahl bekam mehr als nur Probleme. Ein technischer Fehler, ein Fehlpaß auf Thomas Klitgaard am Kreis, ein gehaltener Ball vom mittlerweile zurückgekehrten Klockmann. Auf der Gegenseite ein verwandelter Gegenstoß von Hildebrand, ein vergebener Siebenmeter von Hazl und direkt nach Rückkehr von Datukashvili das nächste Tor von Branko Kokir. Das war der Punkt, an dem der Melsunger Wille zur Gegenwehr endgültig zusammenbrach.

Symptomatisch der verzweifelte und von vornherein aussichtslose Wurfversuch von Nenad Vuckovic. Seinen Kullerball packte sich Klockmann, passte blitzschnell nach vorn zum enteilten Remer, und der vollstreckte zum 30:25. Die Auszeit von Robert Hedin fruchtete nicht mehr, Lübbecke hatte den greifbaren Sieg längst verinnerlicht. Die letzten zehn Minuten waren ein lockerer Schlagabtausch mit viel Tempo und vielen sehenswerten Toren für die Zuschauer.

Am Abstand änderte sich auch nichts mehr. Als Trainer Zlatko Feric 15 Sekunden vor Schluß noch eine Auszeit nahm, tat er das in freudigem Übermut und mit dem Ziel, seinen Spielern die Möglichkeit zum Bad im Jubel der Zuschauer zu geben. Gar nicht zum jubeln zumute war den knapp 100 mitgereisten MT-Fans. Sie hatten ihr Team sehr lange trotz schlechtem Spiel und ständigem Rückstand nach Kräften angefeuert und unterstützt, mußten zum Ende hin aber die Überlegenheit des Gegners an diesem Nachmittag eingestehen.

Stimmen zum Spiel
Robert Hedin: Gratulation an Zlatko Feric und den TuS Nettelstedt. Sie haben das spiel völlig verdient gewonnen. Man kann ein Spiel nicht gewinnen, wenn man zwölf technische Fehler macht und vorn 30 Bälle verschießt. Wir haben im Angriff unglaublich schlecht gespielt. Bei 38 Gegentoren kann man meinen, dass die Abwehr das Problem war. Aber heute haben wir das Spiel eindeutig vorn verloren! Unsere beiden Linkshänder hatten einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Zlatko Feric: Ob das heute ein Befreiungsschlag war bleibt abzuwarten. Das war heute kein Maßstab, weil wir bestimmt nicht oft 18 Tore in der ersten und 20 Tore in der zweiten Halbzeit machen. Wir haben mutig und entschlossen gespielt, während Melsungen einen schlechten Tag im Angriff hatte. Aber da muß ich für meine Mannschaft sagen, dass man immer nur so gut spielt, wie es der Gegner, also heute wir, zuläßt. Ich wünsche mir jetzt eine vergleichbare Spielweise meiner Mannschaft nächste Woche in Essen.

Statistik
TuS Nettelstedt:
Klockmann (1.-24., 45.-60. 10 P.), Gudmundsson (24.-45. 5 P.); Szymanski, Cale, Greiner, Siodmiak, Kokir 3, Tomic, Schibschid, Hildebrand 9, Jurecki 7/1, Datukashvili 2, Hazl 5/3, Tesch 4, Skatar 2, Remer 6

MT Melsungen: Kelentric (16 P.), Musil (bei 1 7m); Brouko 1, Kurtchev 1, Kraus (n.e.), Klitgaard 1, Valo 1, Tellander 3, Hruby 3, Stojanovic 9, Sanikis 4, Karipidis 8/3, Vuckovic 2, Balomenos (n.e.)

SR: Frank Lemme (Magdeburg) / Bernd Ullrich (Magdeburg)

Zeitstrafen: 12 – 4 (Jurecki 7:45 53:42, Szymanski 29:26, Hildebrand 35:00, Tomic 38:59, Datukashvili 46:13 – Brouko 25:46, Kurtchev 56:06)

Strafwürfe: 5/4 – 5/3: Karipidis scheitert an Klockmann (05:23), Karipidis scheitert an Gudmundsson (29:26), Hazl wirft an die Latte (47:16)

Zuschauer: 2.000 in der Kreissporthalle, Lübbecke




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Ein Kommentar zu “Niederlage nach schwacher Angriffsleistung”

  1. Alwin J. Wagner

    Wenn man diesen Bericht liest, muss man als unbeteiligter Dritter annehmen, dass nicht Nettelstedt am Tabellenende steht, sondern die Melsunger, die immer noch Ambitionen für den Europapokal haben. Immer wieder liest man, dass die Spieler gegen die schwächeren Mannschaften weit unter Wert spielen und immer wieder enttäuschen. Warum spielen wir gegen die „Großen“ so gut und enttäuschen gegen Mannschaften wie Nettelstedt, Minden, Essen, Berlin, Balingen und Wetzlar? Liegt es an der Einstellung der Spieler? Haben sie gegen die vermeintlich schwächeren Mannschaften bereits „vorher“ gewonnen und das Spiel im Geiste schon abgehakt?
    Wo würde Melsungen stehen, wenn wir gegen diese Mannschaften die Punkte geholt hätten?


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