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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 13. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Typisierungsaktion kann Laras Leben retten

Tübingen/Lauterbach. Die sechsjährige Lara aus Großenlüder ist an Leukämie erkrankt. Um ihr und anderen Patienten zu helfen, veranstaltet die örtliche Initiativgruppe „Hilfe für Lara und andere“ zusammen mit der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH am 19. April 2008 eine Typisierungsaktion. Als Schirmherren haben sofort Bürgermeisterin Silvia Hillenbrand (Großenlüder) und Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller (Lauterbach) zugesagt. Darüber hinaus wird die Aktion ebenfalls durch die Highlander Lauterbach, die schon mit dem großen Oster-Benefizspiel Flagge zeigten, unterstützt.

Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch neu an Leukämie. Darunter sind auch viele Kinder und Jugendliche. Für viele von ihnen ist, wie für Lara, die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance.

Für eine erfolgreiche Transplantation müssen die Gewebemerkmale des Stammzellspenders nahezu vollständig mit denen des Patienten übereinstimmen. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Übereinstimmung liegt zwischen 1:20.000 und 1: mehreren Millionen. Obwohl in der DKMS als weltweit größte Datei mehr als 1,6 Millionen Menschen als potenzielle Stammzellspender registriert sind, konnte für Lara bislang kein „genetischer Zwilling“ gefunden werden. Deshalb wendet sich ihre Familie gemeinsam mit der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft an die Bevölkerung von Lauterbach und Umgebung mit der Bitte um Hilfe und Unterstützung. Jeder, der sich typisieren lässt, ist eine Chance für die Patienten weltweit und kann vielleicht schon morgen zum Lebensspender werden. Jeder Einzelne zählt!

Termin:
Samstag, 19. April 2008
von 10 bis 16 Uhr
in der Vogelsbergschule
Lindenstraße 115
36341 Lauterbach

Mitmachen kann jeder zwischen 18 und 55 Jahren, der in guter gesundheitlicher Verfassung ist. Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender fünf Milliliter Blut abgenommen, welches dann auf seine Gewebemerkmale untersucht wird. Spender, die sich bereits in der Vergangenheit bei einer Aktion typisieren ließen, brauchen nicht erneut an der Registrierung teilnehmen. Ihre Daten stehen weiter für alle Patienten zur Verfügung.

Ohne finanzielle Unterstützung ist keine Hilfe möglich!
Die Registrierung und Typisierung eines Spenders kostet die DKMS 50 Euro. Als gemeinnützige Gesellschaft ist die DKMS bei der Spenderneugewinnung allein auf Geldspenden angewiesen. Um die geplante Aktion überhaupt durchführen zu können, benötigt die Organisation finanzielle Unterstützung. Jeder Euro zählt!

Spendenkonto:
Spendenkonto 27 03 69 37
bei der Sparkasse Oberhessen,
BLZ 518 500 79

Weitere Infos: www.dkms.de

Der aktuelle Stand des DKMS-Aktionskonto beträgt heute (17.04.08)

20.362,82 Euro, d.h. 407 Spender sind bereits finanziert (50 € pro Typisierung),
aber man benötigt noch wesentlich mehr Spender!

Interview mit Sandra Brunnengräber, Aktionsbetreuerin bei der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei g GmbH

Wer kommt als Spender in Frage, wer nicht?
Sandra Brunnengräber: Jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren, der mindestens 50 kg wiegt, kann spenden. Ausschlussgründe sind beispielsweise schwere Erkrankungen des Herzens oder der Lunge, Diabetes, Krebserkrankungen, Hepatitis B, C oder D. Für Detailfragen steht am Aktionstag ein DKMS- Betreuer zur Verfügung.

Wie läuft die Registrierung am Aktionstag ab?
Sandra Brunnengräber: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender fünf Milliliter Blut aus der Armvene entnommen. Für den Spender ist das eine Sache von 5-10 Minuten und ein kleiner Pieks. Für den Patienten kann es neues Leben bedeuten.

Die Registrierung kostet 50 Euro. Wofür wird das Geld benötigt?
Sandra Brunnengräber: Nachdem die Anfangsförderung durch die Deutsche Krebshilfe und das Bundesministerium für Gesundheit Ende 1994 auslief, ist die DKMS für den Ausbau der Datei finanziell auf sich gestellt.

Zwar übernehmen die Krankenkassen alle Kosten für die eigentliche Stammzellspende und die Datenpflege, können aber aus rechtlichen Gründen die Kosten für den weiteren Ausbau der Datei nicht tragen. Die Registrierung jedes neuen potenziellen Lebensspenders kostet die DKMS 50,- Euro, die häufig von den Spendern selbst getragen werden. Mit einer Geldspende kann jeder helfen, da es nicht allen Spendern möglich ist, diese 50,- Euro zu übernehmen!

Wonach wird die Blutprobe untersucht?
Sandra Brunnengräber: Das Blut wird im Labor nicht auf die Blutgruppe, sondern auf seine Gewebemerkmale, so genannte HLA-Merkmale, untersucht. Die Typisierungsergebnisse des Blutes, die sogenannten Befunde, werden anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender Register (ZKRD) in Ulm weitergeleitet, wo sie für Patientenanfragen aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen.

Wann kommt man als Stammzellenspender in Frage?
Sandra Brunnengräber: Die weitgehende Übereinstimmung der Gewebemerkmale von Patient und Spender ist die Grundvoraussetzung für die Durchführung und den Erfolg einer Stammzelltransplantation. Anders als bei den verschiedenen Blutgruppen, ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale zweier Menschen allerdings äußerst selten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass so viele Menschen wie möglich als Stammzellspender registriert sind.

Wie groß ist die Chance, einen passenden Spender zu finden?
Sandra Brunnengräber: Einen passenden Spender zu finden ist generell unglaublich schwierig, da die Gewebemerkmale von Patient und Spender nahezu vollständig übereinstimmen müssen. Aufgrund der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der Gewebemerkmale liegt die Wahrscheinlichkeit in der Regel zwischen 1:20.000 und 1 zu mehreren Millionen. Wir suchen demnach sprichwörtlich nach der „Nadel im Heuhaufen“!

Was geschieht mit den Blutproben, die abgegeben werden?
Sandra Brunnengräber: Alle Blutproben der Aktion werden sofort nach der Aktion ins Labor gebracht und untersucht!

Gesetzt den Fall, die HLA-Merkmale eines Spenders stimmen überein. Was geschieht danach?
Sandra Brunnengräber: Stimmen die ersten 4 Gewebemerkmale mit denen eines Patienten überein, werden im zweiten Untersuchungsschritt die letzten 2 Gewebemerkmale typisiert. Sind auch diese Merkmale stimmig, kommt es zu einer Bestätigungstypisierung. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich der potenzielle Spender endgültig entscheiden muss, ob er für den Patienten zur Verfügung stehen will. Wenn er „ja“ sagt, wird bei ihm ein gründlicher Gesundheits- Check-up durchgeführt.

Die bloße Registrierung in die DKMS beinhaltet zunächst nicht die bindende Verpflichtung zu einer tatsächlichen Stammzellspende. Denn je nachdem kommt es erst nach Jahren zu einer Anfrage nach Stammzellspende und in dieser Zeit können im Leben eines Spenders Umstände (z.B. Krankheiten) eingetreten sein, die eine Stammzellspende unmöglich machen.

Wie lange dauert es, bis es zu einer Stammzellspende kommen kann?
Sandra Brunnengräber: Die einzelnen Untersuchungsschritte bis zur eindeutigen Klärung der Übereinstimmung der Gewebemerkmale zwischen Patient und Spender können zeitlich nicht einheitlich benannt werden. Für eine erfolgreiche Transplantation ist es jedoch unerlässlich, dass die beschriebenen Voruntersuchungen eingehalten werden.

Was passiert bei einer Knochenmark- oder Stammzellentnahme?
Sandra Brunnengräber: Es gibt zwei verschiedene Entnahmeverfahren:
1. Die Knochenmarkentnahme: Zur Knochenmarkentnahme verbleibt der Spender für 2-3 Tage im Krankenhaus. Unter Vollnarkose werden ihm aus dem Beckenknochen ca. 1 Liter Knochenmark (nicht Rückenmark!) entnommen und dem Patienten übertragen. Beim Spender bildet sich das Knochenmark innerhalb von 2 Wochen nach.

2. Die periphere Stammzellentnahme: Dem Spender wird über mehrere Tage ein körpereigener, hormonähnlicher Stoff (Wachstumsfaktor) verabreicht. Dieses Medikament regt die Produktion der Stammzellen an und bewirkt deren Ausschwemmung in das periphere Blut. Mit einem Zellseparator werden die Stammzellen, ähnlich einem Dialyseverfahren, aus dem Blut gesammelt.

Muss sich der Spender auf einen längeren Krankenhausaufenthalt gefasst machen?
Sandra Brunnengräber: Nur bei der Knochenmarkentnahme ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, der etwa 2-3 Tage dauert.

Was sind die Anzeichen für einen Erfolg einer Stammzelltransplantation?
Sandra Brunnengräber: Nach etwa zwei bis vier Wochen gibt der Anstieg der weißen Blutkörperchen erste Anhaltspunkte dafür, ob die neuen Stammzellen ihre Aufgabe erfüllen und gesunde Blutzellen bilden.
Die Überprüfung erfolgt anhand der Veränderung der Anzahl der sich im Blut befindenden weißen Blutkörperchen. Wenn ein stetiger Anstieg weißer Blutkörperchen nachweisbar ist, steigt auch die Chance auf ein zweites Leben für den Patienten.

Welche Risiken gibt es bei der Stammzellentnahme?
Sandra Brunnengräber: Bei der Knochenmarkentnahme besteht für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz.
Das Risiko beschränkt sich bei dieser Methode auf das übliche Narkoserisiko!
Das Verfahren der peripheren Stammzellentnahme wird bei DKMS-Spendern seit 1996 angewandt. Das Risiko der Langzeitnebenwirkungen wird als gering eingeschätzt, allerdings ist aufgrund der kurzen Beobachtungsdauer noch kein abschließendes Urteil möglich.
Während der Einnahme des Medikamentes können grippeähnliche Symptome auftreten.

Welches Krankenhaus entnimmt dem Spender Stammzellen?
Sandra Brunnengräber: Die DKMS arbeitet mit ausgesuchten und routinierten Kliniken zusammen. Im Falle einer Stammzellspende wird der Spender in einer wohnortnahen Klinik untergebracht. Auch wenn der Patient aus dem Ausland ist, muss der Spender zur Entnahme nicht in das jeweilige Land reisen. Die Stammzellen werden in diesem Fall von Kurieren in die Klinik des Patienten gebracht.




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