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Fuchsbandwurm: Seif mahnt zur Vorsicht

Hessen. Staatssekretär Karl-Winfried Seif vom Hessischen Verbraucherschutzministerium weist darauf hin, dass der Verzehr von rohen und ungewaschenen Pilzen und bodennah wachsenden Waldbeeren nicht ungefährlich ist: „Beim Sammeln von wild wachsendem Früchten und Kräutern ist Vorsicht geboten. An den Blättern können die Eier des Kleinen Fuchsbandwurmes haften bleiben. Die Eier des Kleinen Fuchsbandwurmes sind nicht mit dem bloßen Auge erkennbar. Der Fuchsbandwurm ist ein zwei bis drei Millimeter großer Parasit, der sich seit den neunziger Jahren vermehrt ausbreitet und mittlerweile überall in Deutschland über den Kot von Füchsen übertragen wird.“

Um das Infektionsrisiko zu verringern, sollten Kräuter, aber auch bodennah wachsende Waldfrüchte wie Beeren sowie Pilze immer unter fließendem Wasser gründlich gewaschen werden. Da Füchse immer mehr in den Siedlungsbereich des Menschen vordringen, gilt Gleiches auch bei der Ernte von Erzeugnissen aus Gärten in wald- und feldnaher Lage sowie für Gemüse aus Freilandkulturen und Fallobst.

In Hessen sind regional durchschnittlich um 30 – 40 Prozent der Füchse infiziert, regional unterschiedlich verteilt. Dies belegen Untersuchungen des Landesbetriebs Hessisches Landeslabor aus dem Jahre 2007. In Bayern sind es zum Vergleich zwischen 40 und 50 Prozent der Füchse und auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg über 70 Prozent.

Darüber hinaus haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass das Halten von Hunden und Katzen, die wild lebende Mäuse fangen und auch fressen, ebenfalls ein erhebliches Risiko darstellen, dass sogar noch wesentlich höher bewertet werden muss, als das Sammeln und Verzehren von Wildbeeren und Kräutern. Denn Mäuse können als Zwischenwirte

des Kleinen Fuchsbandwurms in hohem Maße infektionstüchtige Larven tragen und damit Hunde und Katzen infizieren.

Hintergrund:
Beim Menschen ist ein Befall durch den Kleinen Fuchsbandwurm sehr selten, in einem solchen Fall aber lebensgefährlich. Das Verhältnis von Infizierung und tatsächlicher Erkrankung liegt beim Menschen etwa bei zehn zu eins. Die Infektion verläuft beim Menschen zunächst schmerz- und beschwerdefrei. Der Erreger befällt unbemerkt die Leber, in der sich die Larven des Bandwurms entwickeln. Manchmal werden auch die Lunge oder das Gehirn befallen. Die Larven wachsen sehr langsam und zerstören tumorartig das Organ. Zwischen Infektion und den ersten Symptomen können mehr als zehn Jahre liegen.

Das gründliche Waschen kann nach derzeitigem Kenntnisstand das Infektionsrisiko verringern. Am sichersten ist es, die Lebensmittel über 80 Grad zu erhitzen, also kochen, braten oder backen. Tieffrieren, Desinfektion oder das Einlegen in Alkohol töten den Erreger nicht ab. Erst bei einer Temperatur von -80°C wird er unschädlich gemacht.

Auch hygienischer Umgang mit Haustieren ist besonders wichtig, wenn Hund und Katze gerne streunen, Mäuse jagen und fressen. Nach jedem Streicheln gründlich Hände waschen und die Hunde und Katzen regelmäßig vom Tierarzt entwurmen lassen.

Eine in mindestens vierwöchigen Abständen durchgeführte Entwurmung ist bei solchen Tieren unbedingt angezeigt. Der nach der Behandlung abgesetzte Kot könnte infektiösen Bandwurmteile enthalten und sollte durch Verbrennen oder anderweitigem Erhitzen desinfiziert, mindestens aber tief vergraben werden. Nach Möglichkeit ist ein unbeaufsichtigtes Umherstreunen dieser Tiere zu unterbinden.



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2 Kommentare zu “Fuchsbandwurm: Seif mahnt zur Vorsicht”

  1. Ralf Kochenrath

    Wie kommt es das die Ansichten so unterschiedlich sind?

    Dem Fachblatt „Münchner Medizinische Wochenschrift“ (2007, Nr. 29–30, S. 18) sagte Peter Kern, Infektionsmediziner am Uniklinikum Ulm: „Es gibt keinen Beleg dafür, dass beim Verzehr von Waldbeeren ein Risiko besteht, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren.“

    In Ulm dokumentiert man alle gesicherten Fälle von Erkrankungen des Menschen durch den Fuchsbandwurm (Echinokokkus multilocularis), die von den Ärzten gemeldet werden. Hier befindet sich der deutsche Stützpunkt des Europäischen Echinokokkose-Registers.

    Nur 13 bis 23 Neuerkrankungen pro Jahr

    Solche Register sind sehr nützlich, weil die Forscher damit Fragen wie diese klären können: In welchen Regionen häufen sich bestimmte Krankheiten? Was kann die Ursache sein? Welche Behandlung hat sich am besten bewährt? Besonders wichtig ist diese zentrale Registrierung bei seltenen Leiden wie der Fuchsbandwurmkrankheit des Menschen. Ans Robert-Koch-Institut (RKI) werden pro Jahr nur 13 bis 23 Neuerkrankungen gemeldet (es besteht Meldepflicht ohne Namensnennung). Und Kern spricht von 20 bis 25 neuen Fällen jährlich.

    Der Arzt gibt bei der Registrierung auf dem Erhebungsbogen Auskunft über die Diagnostik der nicht leicht zu erkennenden Krankheit, über die befallenen Organe (meist die Leber und benachbartes Gewebe) sowie die Behandlung. Die Patienten werden dabei nach ihren bisherigen Wohnorten, beruflicher Tätigkeit und Haustieren gefragt.

    Es zeigte sich, dass die meisten Echinokokkosefälle in den seit langem dafür bekannten Gebieten vorkommen: der Schwäbischen Alb, der Alb-Donau-Region, in Oberschwaben und dem Allgäu. Reisen dorthin gelten aber nicht als riskant, weil man die Wurmeier wahrscheinlich immer wieder aufnehmen muss, ehe es zur Erkrankung kommt.

    Im übrigen Deutschland, auch in Berlin, „inden sich bis jetzt nur Einzelfälle im Abstand von mehreren Jahren“, heißt es im „Epidemiologischen Bulletin“ Nr. 15/2006 des RKI.

    Dort werden auch die Ergebnisse einer RKI-Studie mit 40 Patienten und 120 vergleichbaren Kontrollpersonen mitgeteilt. Das Risiko, sich die Fuchsbandwurmkrankheit zu holen, ist demnach „deutlich höher bei Personen, die in der Landwirtschaft tätig sind oder Umgang mit Hunden haben“. Ein Zusammenhang mit dem Sammeln und Essen von Wildbeeren oder -pilzen ergab sich nicht.

    Heidelbeeren sammeln wie als Kind

    Eine gute Nachricht. Man darf wieder Heidelbeeren sammeln wie als Kind. Richtige Blaubeeren, die Zähne und Zunge färben und nach Wald schmecken, anders als die großen Kulturheidelbeeren, die nur von außen blau sind. Die einzigen Risiken und Nebenwirkungen sind Mückenstiche.

    Die schlechte Nachricht: Zu inniger Kontakt von Kind und Hund oder Katze kann riskant sein. Das müsste die erfahrene Beerensammlerin der jungen Mutter heute sagen. Denn, so der Ulmer Spezialist Peter Kern: „Der Hund ist ein guter Wirt für den Fuchsbandwurm, deshalb müssen Hunde alle drei Monate entwurmt werden.“ Und vor dem Essen die Hände waschen, falls doch Wurmeier dran kleben.

    In Berlin sieht man die Lage genauso wie in Ulm, sagte dem Tagesspiegel Klaus Stark, im RKI Fachgebietsleiter für Zoonosen – das sind Tierkrankheiten, die auch auf den Menschen übertragbar sind. „Null Risiko“ gebe es zwar nie, aber die Wahrscheinlichkeit, sich durch Waldbeeren zu infizieren, sei äußerst gering. Worauf aber stützen sich die nun überholten Warnungen? Nur auf eine „theoretische Vermutung“, sagt Stark. Die Entwarnung dagegen ist durch Register und Studie wissenschaftlich begründet (evidenzbasiert).

    Selbst medizinische Wörterbücher weisen immer nur auf Hunde, nie auf Beeren als Infektionsquelle hin. Warum hält sich die Angst vor dem Ungeheuer vom Sommerloch, dem weniger als drei Millimeter kleinen Fuchsbandwurm, so hartnäckig? „Die Warnungen sind schnell raus, die Entwarnungen kommen nicht recht an“, sagte Angelika Michel-Drees vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kürzlich bei einer Tagung des Bundesinstituts für Risikobewertung.

    Dessen Präsident Andreas Hensel meinte selbstkritisch: „Wir haben eine Risiko-Industrie, und daran sind nicht nur die Medien, sondern auch die Verbraucherzentralen und die Wissenschaft beteiligt.“ Die Furcht vor dem Fuchsbandwurm war offenbar ein besonders erfolgreiches Produkt dieser „Industrie“.

  2. Ralf Kochenrath

    Quelle des Kommentars:
    http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Fuchsbandwurm;art304,2345770


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