Startseite


Ihre Werbung hier!

Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Ganz Hessen ist (noch) Kuckucksland

Hessen. Der Kuckuck ist einer der bekanntesten Frühlingsboten. Er wird vermutlich aber auch einer der Vögel sein, die am meisten unter dem Klimawandel leiden. Denn im immer zeitiger beginnenden Frühling läuft der traditionell spät eintreffende Zugvogel Gefahr, seine Wirtsvögel zu „verpassen“. Aus diesem Grund hatte der NABU Hessen dazu aufgerufen, die Ankunft des Jahresvogels 2008 zu melden. Die Resonanz war hoch: Fast 700 rufende Kuckucke wurden von Naturfreunden gemeldet.

„Die eingegangenen Daten liefern ein genaues Bild von der Rufaktivität des Kuckucks vom März bis Juni 2008 in Hessen“, so NABU-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai, „und zeigen, dass Hessen flächendeckend Kuckucksland ist.“ Der NABU will die Aktion in einigen Jahren wiederholen. Der Vergleich mit den jetzigen Daten wird dann zeigen, ob dem Kuckuck eine Anpassung an den Klimawandel gelingt.

Hintergrund der Aktion: Der NABU möchte herausfinden, welche konkreten Folgen der Klimawandel für den Kuckuck haben kann. Auf Grund der Klimaerwärmung können viele Frühlingsboten wie Weißstorch oder Rauch­schwalbe immer zeitiger bei uns beobachtet werden. Für den Kuckuck aber ist seit jeher eine präzise Abstimmung auf das Brutgeschehen seiner Wirtsvögel unabdingbar, um sich erfolgreich fortzupflanzen. Dieses sensible Gefüge könnte mit einer zunehmenden Klimaerwärmung durcheinander geraten – er läuft Gefahr, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, um potenziellen „Zieheltern“ seine Kuckuckseier unterzuschieben.

Um herauszufinden, wann der Kuckuck genau in Hessen eintrifft und ob er nicht vielleicht doch auf die veränderten Bedingungen in seinem Brutgebiet reagiert, hat der NABU Hessen in diesem Frühjahr dazu aufgerufen, die Ankunft des ersten Kuckucks zu melden. Die Resonanz darauf war überwältigend: Hunderte von Naturfreunden haben sich an der Aktion beteiligt und insgesamt 686 Kuckucke gemeldet. Der NABU dankt allen sehr herzlich, die mitgemacht haben.

Das wichtigste Ergebnis der Aktion Kuckucksrufe ist, dass Hessen offensichtlich noch flächendeckend Kuckucksland ist. Schwerpunkte zeichnen sich entlang der größeren Auengebiete – vor allem an Rhein, Main und Lahn – und Feuchtgebiete ab. Dass in einigen Bereichen im Westen und ganz im Norden die Nachweise etwas dünner gesät sind, liegt vermutlich eher an Beobachtungslücken und einer geringeren Zahl von Beobachtern.

Die Auswertung der Datumsangaben zeigte, dass mehrfach eine außergewöhnlich frühe Ankunft des Kuckucks gemeldet wurde. Mitunter lag diese mehrere Tage vor dem bisher bekannten Ankunftstermin. In der Gesamtheit aller Meldungen handelt es sich hierbei noch um Einzelfälle. Diese zeigen, dass zumindest einzelne Tiere in der Lage sind, ihre Ankunft im Brutgebiet etwas nach vorne zu verlagern. Ob dies tatsächlich ein erstes Anzeichen für eine Anpassung des Kuckucks an den Klimawandel ist und aus den einzelnen Frühankömmlingen ein Trend wird, der alle Kuckucke erfasst, muss allerdings in den nächsten Jahren erst noch beobachtet werden.

Der NABU Hessen will die Kuckucks-Studie deshalb in einigen Jahren wiederholen. „Die zahlreichen Meldungen der Naturfreunde aus der Bevölkerung haben uns geholfen, eine wichtige Datengrundlage zu schaffen“, erläutert Sibylle Winkel, Biologin beim NABU Hessen. „Bisher gab es sehr wenige Informationen zum Kuckuck. Nun kennen wir seine aktuelle Verbreitung und den Zeitpunkt seiner Frühjahrsankunft gut. Eine Wiederholung der Aktion in einigen Jahren wird zeigen, ob der Kuckuck – als Langstreckenzugvogel – sich an den Klimawandel anpassen kann oder nicht – und seine Bestände schrumpfen.“

Noch in Arbeit ist beim NABU Hessen derzeit der zweite Teil der diesjährigen Erhebung: Eine Detailkartierung soll in ausgewählten Gebieten feststellen, wie gut der „Bruterfolg“ – oder besser gesagt, der „Fortpflanzungserfolg“ – der hessischen Kuckucke ist. Eine besonders schwierige Aufgabe: Da der Kuckuck kein eigenes Nest baut, sondern in aller Heimlichkeit seine Eier anderen unterschiebt, ist der Vorgang naturgemäß schwer zu verfolgen. Geübte Vogelkundler aus der NABU-Landesarbeitsgruppe Ornithologie und Vogelschutz haben sich diesen Teil der Kuckucks-Untersuchung vorgenommen, deren Ergebnisse im Herbst vorliegen werden.

Alle Informationen über die landesweite NABU-Kuckucks-Kartierung sind nachzulesen im Internet unter www.NABU-Hessen.de.

Foto: Wikipedia, GabrielBuissart



Tags:


Ähnliche Beiträge

Bisher keine Kommentare


Einen Kommentar schreiben

© 2006-2017 SEK-News • Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt MediendesignBeiträge (RSS) und Kommentare (RSS)Impressum + DatenschutzAGB





Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com