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Psychiatrie und Lebensqualität: Erster Psychiatrietrag

Schwalm-Eder. Am 27. September veranstaltet der Kreisausschuss, vertreten durch den Beirat für Psychiatrie, im Hardehäuser Hof in Fritzlar den ersten Psychiatrietag im Schwalm-Eder-Kreis. Die Schirmherrschaft hat Erster Kreisbeigeordneter Winfried Becker übernommen. Das Motto der Veranstaltung lautet „Psychiatrie und Lebensqualität“. Seit seiner Konstituierung berät der Beirat für Psychiatrie den Kreisausschuss des Schwalm-Eder-Kreises in allen Problembereichen der psychiatrischen Versorgung, das heißt sowohl im ambulanten komplementären, aber auch im stationären Bereich.

Der Beirat für Psychiatrie setzt sich einerseits aus sogenannten sachkundigen Bürgern/innen (d.h. Fachleuten der unterschiedlichsten Anbieter von Dienstleistungen aus dem Bereich der Psychiatrie) und andererseits aus gewählten Mitgliedern der im Kreistag vertretenen Parteien zusammen.

Bereits in der Vergangenheit kamen aus der Mitte des Beirates für Psychiatrie zahlreiche Anregungen für Verbesserungen der Versorgungsstruktur für psychisch Kranke hier im Schwalm-Eder-Kreis. Exemplarisch sei hier der Aufbau und die Verbesserung der Gemeindepsychiatrie genannt.

Unter dem Begriff Gemeindepsychiatrie versteht man grundsätzlich die Hilfe für psychisch Behinderte beziehungsweise Patienten oder Klienten, die nicht nur vorübergehend krank sind. Allerdings wird diese Hilfe vor Ort beziehungsweise direkt in der Gemeinde und somit außerhalb der großen Anstalten und der Praxen der niedergelassenen Psychiater angeboten. Sie ist als Alternative zu den großen Anstalten und als Reaktion auf die Zustände in diesen entstanden.

Zur Gemeindepsychiatrie gehören unter anderem:
-psychiatrische Stationen an allgemeinen Krankenhäusern
-der Sozialpsychiatrische Dienst
-ambulante psychiatrische Pflege (APP)
-Tagesstätten
-evtl. Arbeitsangebote wie z.B. eine Werkstatt für behinderte Menschen
-evtl. ein Verein, der sich im Betreuten Wohnen betätigt
-evtl. eine Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)
-Angebote wie Ergotherapie, Musiktherapie, Gespräche

Im vergangenen Jahr fasste man im Beirat für Psychiatrie den Entschluss, mit einem ersten Psychiatrietag eine noch breitere Öffentlichkeit hinsichtlich psychiatrischer Themen zu erreichen. Vor dem Hintergrund der enormen Zunahme psychischer Erkrankungen ergeben sich notwendigerweise auch herausragende gesundheitspolitische und volkswirtschaftliche Aspekte.

Nach einer Studie der WHO leidet weltweit jeder vierte Arztbesucher an einer psychischen Störung. Deutsche Studien sprechen von rund acht Millionen Deutschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen. Die meisten würden jedoch nach einiger Zeit abklingen.

Psychische Störungen gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in allgemeinmedizinischen Praxen und sind derzeit die vierthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen im Rahmen der GKV. Seit 1991 stieg die Zahl der Krankheitstage durch psychische Störungen um etwa 33 Prozent. Dieser ansteigende Trend zu psychischen Erkrankungen ist in der Arbeitsunfähigkeitsstatistik seit deren Einführung im Jahre 1976 zu beobachten (Stand: 2006). Das spiegelt sich auch im stationären Bereich wider: Seit 1986 stieg die Zahl der Krankenhausfälle von 3,8 Fällen je 1000 GKV-Versicherte auf 9,3 Fälle im Jahr 2005, was dem 2,5-fachen entspricht.

Dennoch liegt das Problem psychisch Kranker in der fehlenden gesellschaftlichen Integration. Hieraus folgt oft ein Rückzug aus dem sozialen Umfeld, der weitere negative Folgen für die Entwicklung der Krankheit hat.

Im Vordergrund der Aktivitäten des Beirates für Psychiatrie steht daher, das Thema „Psychische Erkrankung“ einer breiteren Öffentlichkeit überhaupt erst einmal näher zu bringen und diesbezügliche (Berührungs-)Ängste und Barrieren abzubauen.

Aus dem jetzigen Motto unseres 1. Psychiatrietages „Psychiatrie und Lebensqualität“ ergibt sich, dass sich eine psychische Erkrankung nicht zwingend auf die Lebensqualität auswirken muss, sondern mit geeigneten Hilfemaßnahmen der psychisch Kranke eine durchaus angemessene Lebensqualität auch weiterhin leben und haben kann.

Es ist besonders erfreulich, dass sich alle in der psychiatrischen Versorgung im Schwalm-Eder-Kreis tätigen Gruppen, Einrichtungen zusammengefunden haben, um diesen Tag gemeinsam zu gestalten und auszurichten.

Am Psychiatrietag stehen Informationen für Betroffene, für Angehörige, aber auch für nicht Betroffene, die Informationen über die verschiedenen Erkrankungen und deren Besonderheiten haben möchten, im Vordergrund.

Für den einleitenden Hauptvortrag konnte der Ärztliche Direktor der KPP Merxhausen, Herr Priv.-Doz. Dr. Franz gewonnen werden. Dieser widmet sich dem Motto des Tages und dem Thema „Psychiatrie und Lebensqualität“.

In den sich anschließenden Arbeitsgruppen besteht für alle Interessierten die Möglichkeit, sich einzubringen, Fragen zu stellen, um so mehr Informationen über die Verschiedenartigkeit von psychiatrischen Erkrankungen und die bestehenden Hilfemöglichkeiten zu erhalten. Insgesamt werden acht verschiedene Arbeitsgruppen angeboten, so dass den Interessierten zahlreiche Möglichkeiten zur weitergehenden Information gegeben werden.

Im Einzelnen sind folgende Arbeitsgruppen vorgesehen:
– Lebensqualität – Leben in der Gemeinde
– Arbeit und Beschäftigung
– Ängste bei Kindern und Jugendlichen
– Trialog Psychose-Erfahrene, Angehörige und Profis an einem Tisch
– „Immer wenn er Pillen nahm“ – Leben mit Psychopharmaka
– Borderline-Störungen
– Öffentliche Sprechstunde
– Depressionen am Arbeitsplatz

In einem Markt der psychiatrischen Möglichkeiten stellen sich darüber hinaus alle Leistungsanbieter, welche im Schwalm-Eder-Kreis an der psychosozialen Versorgung beteiligt sind, vor. Auch hier ist die Möglichkeit einer sachkundigen individuellen Beratung gegeben.

Zum Ausklang des 1. Psychiatrietages im Schwalm-Eder-Kreis findet ein Benefizkonzert in der Evangelischen Stadtkirche in Fritzlar ab 16.30 Uhr statt. Mitwirkend sind hier Niu Quaia, Die Klosterspatzen und der Chor der Rehawerkstatt Fritzlar, an der Orgel Reiner Volgmann.

Eine Kinderbetreuung während der Veranstaltung wird angeboten, die Möglichkeit einer Verpflegung ist gegeben.

Als Anlage zu dieser Presseinformation ist ein Flyer zum 1. Psychiatrietag beigefügt, der bereits der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Es bleibt zu hoffen, dass viele Menschen am 27. September den Weg in den Hardehäuser Hof nach Fritzlar finden, um sich zu informieren und eventuelle Vorurteile im Hinblick auf psychische Erkrankungen abzubauen.



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