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Pollenbach: Hände hoch!

Von Tobias Knopp

Pollenbach. Aus unserer beliebten Reihe „Klare Worte“ kommentiert heute Hilfspolizeibeamter z.A. Heribert Stutzke die neusten Änderungen des Bundeswaffengesetzes.

Bürgerinnen und Bürger!

Der Herr Bundesminister des Inneren hat das Waffengesetzt geändert. Was bedeutet das für Sie, liebe Pollenbacher? Grundsätzlich ändert sich zunächst gar nichts, denn ich habe bereits dafür gesorgt, dass niemand außer mir in unserer kleinen Gemeinde über Waffen verfügt. Bestimmt erinnern Sie sich noch lebhaft an meine Aktion „Sicheres Pollenbach 2007“, in deren Rahmen ich sämtliche Küchenmesser, Nagelfeilen und Zahnstocher unserer friedliebenden Einwohner konfisziert habe.

Ja, zunächst gab es Widerstand aus der Bevölkerung. Unterm Strich aber fühlte ich eine latente Begeisterung für meine Idee einer waffenfreien Heimat, unserem geliebten Pollenbach. Nun ist mir der Herr Bundesinnenminister nachgeeilt und hat das Führen von Taschenmessern, besonders der so genannten Einhandmesser, verboten. Eine ausgezeichnete Idee! Vergessen Sie bitte nicht: Einhandmesser sind erst dann ungefährlich, wenn ihre Nutzer unwiederbringlich der Gruppe der Null-Armbesitzer angehören. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Doch Herr Bundesinnenminister ist noch viel weiter gegangen: Ab sofort wird der Vererbung von Schusswaffen ein nachhaltiger Riegel vorgeschoben. Phantastisch! Denken Sie doch nur: Niemals wieder bis an die Zähne bewaffnete Erben, die vor Bankschaltern herumlungern! Auch verschwinden nun die dreijährigen Halbwaisen mit ihren Maschinenpistolen von unseren Straßen. Ich bin zutiefst beruhigt und fühle mich jetzt viel sicherer, liebe Pollenbacher.

Aber mit der rasanten Zunahme der öffentlichen Tagesbetreuungsangebote für Kinder konzentrierte sich die Personengruppe der Kleinwaffenträger ohnehin mehr auf die Spielplätze der Kindergärten, wo sie mit Handys, Ecstasy und Anscheinswaffen handelte. Und das unter den Augen des überqualifizierten Fachpersonals. Pfui! Leider dürfen dem Mob ja seit dem Mittelalter die Hände nicht mehr abgehackt werden, aber glauben Sie mir: wenn ich könnte wie ich wollte… Anderseits gäbe das aber auch eine Menge Sauerei.

Wie dem auch sei: „Keine Waffen ins Volk“ lautet die Devise der Stunde. Rechtschaffende und gesetzestreue Bürger sind ein Risikofaktor für die öffentliche Sicherheit. Denken Sie bitte daran: In der Bundesrepublik Deutschland gibt es nach offiziellen Schätzungen der Gewerkschaft der Polizei (GdP) rund 20 Millionen illegale Schusswaffen. Dazu kommt noch eine erstaunlich hohe Dunkelziffer von Dienstwaffenmissbräuchen durch Angehörige von Sicherheitsunternehmen, Soldaten, Polizisten und sonstigen öffentlich bestellten Waffenträgern, derer man nicht habhaft wird. Da herrscht doch Verständnis allenthalben, das die Politik dann wenigstens Angst vor dem eigenen Volk haben darf.

Und wenn man sich schon nicht effektiv um Straftäter und ihre illegalen Waffen kümmern kann, dann ist es doch völlig legitim, denen fester auf die Finger zu klopfen, die sich an Recht und Ordnung halten. Irgendwie müssen unsere Verwaltungsbeamten und Waffenrechtsexperten der Fraktionen doch ihre Arbeitszeit herum kriegen. Und so eine Anwartschaft auf die Pension kommt ja auch nicht von alleine.

Bürgerinnen und Bürgen: Was wir brauchen ist eine friedfertige Streitkultur, die jenseits einer waffenstarrenden Gesellschaft auf ein liebvolles Miteinander zielt. Was ich damit sagen will ist, wenn ich zukünftig auch nur einen von Ihnen mit einem Knüppel erwische, dem schlage ich die Birne zu Brei! Herrschaften, wenn es nach mir ginge, würde ich Frauen die Fingernägel ausreißen und Männern die Zähne einschlagen. Erst dann kann ich davon ausgehen, dass sie wirklich unbewaffnet und damit ungefährlich sind!

Ja, wer wirklich Frieden will, muss zu Einschränkungen seiner Grundrechte bereit sein. Seien Sie jedenfalls versichert, dass ich zukünftig ganz genau darauf achte, was Sie unter Ihrer Bettdecke so treiben. Auch bei diesen, unseren Mitbürgern, die dem Irrglauben unterliegen, ein echter Ritter kämpfe nur mit blankem Schwert, packe ich das Übel an der Wurzel. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort.

Ihr

Heribert Stutzke
Hilfswachtmeister z.A.

Heribert Stutzke ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 36 und 40 Jahren. Herr Stutzke ist gelernter Metzger und seit seinem 22. Lebensjahr frühberentet.

Foto (TK): Schusswaffen sind gefährlich. „Wie denn ohne Arme…?“



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