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Pollenbach: Halloween

Von Tobias Knopp

Pollenbach. Aus unserer Reihe „Klare Worte“ referiert Frau Anette Hase heute über das Thema „Halloween – ein gesellschaftlich-saisonales Ereignis im Spannungsfeld zwischen historischen Wurzeln und kommerzieller Ausbeutung, auf der Grundlage des Geschlechter- und Generationenkonflikts“. Beachten Sie bitte auch unseren Exkurs „Halloween in Deutschland“. Wir empfehlen, nicht vorzeitig einzuschlafen.

Liebe Leserinnen,

Kinder, wie Jörn-Ole Heid (14) und Finn-Malte Jäckel (15) fiebern in diesen zunehmend dunklen Tagen auf den 31. Oktober hin, denn dann ist Halloween. In jener Nacht ziehen freundlich gekleidete Kinder durch düstere Pollenbacher Gassen, um vom Geist der Nächstenliebe und der Bescheidenheit zu künden. Zu gerne öffnen wir diesen lieben Wesen unsere Türen und Herzen, um uns fragen zu lassen: „Süßes oder Saures?“ Wer geht da nicht gerne an seinen Küchenschrank und holt ein Stückchen Würfelzucker oder ein Essiggürkchen für die kleinen, unschuldigen Dinger mit ihren großen, dunklen Knopfäuglein. Die machen dann dankbar und artig einen Knicks oder eine tiefe Verbeugung und versprechen, die großzügige Spenderin in ihr Nachtgebet einzuschließen.

Dann tummeln sie sich wieder fröhlich singend und verschwinden in der Dunkelheit. Oft sammeln sie auf ihrem beschwerlichen Weg zum nächsten Haus noch Kastanien und Eicheln auf, damit die lieben Tierlein im Walde später etwas Schönes zu fressen bekommen, wenn es draußen schneit. Doch leider gibt es auch andere Kinder. Jungen, wie Jörn-Ole Heid (14) und Finn-Malte Jäckel (15), von Kritikerinnen wie mir kurz „Vollhorst & Spacken“ genannt. Junge Männer, die grässliche Kostüme tragen und ihre Umwelt in tiefste Angst und Schrecken versetzen wollen.

Solche unflätigen Missgeburten klingeln an den Türen friedlicher Leute und brüllen mit hasserfüllter Miene „Süßes her oder ich steche Dich ab, Du Sau!“, während sie quasi zur Überbrückung des Zeitraumes bis zur Beuteübergabe rohe Eier an frisch verputzte Hauswände brettern.

Aber haben wir uns eigentlich schon einmal gefragt, warum diese elenden, verkommenen Miststücke so sind, wie sie sind? Ich habe mich lange mit dieser Frage auseinandergesetzt und bin dabei auf überaus überraschende Erkenntnisse gestoßen. Liebe Leserinnen, wenn Sie jetzt von mir erwarten, dass ich die Hauptursache für solch ein aggressiv-asoziales Verhalten in der Existenz des männlichen Geschlecht sehe, dürfen Sie ganz sicher sein, dass wir uns gut verstehen. Aber machen wir es uns doch heute mal nicht ganz so einfach und betrachten die Hintergründe aus den Augen der Frau.

Wir Frauen haben es ja von Kindesbeinen an eher schwer. Wir werden ausgebeutet, als Gebärmaschinen und Hausdiener missbraucht und leben karg und entrechtet in schlecht beheizten Bretterverschlägen, die uns eine allzu kurze Lebenserwartung bescheren. Haben Sie überhaupt gewusst, dass wir Frauen immer früher sterben? Ein Blick ist die Statistik lehrt Sie das fürchten, liebe Leserinnen. In Hessen starben beispielsweise im Jahr 2007 pro 100.000 Einwohner 291 Frauen an einer Herzerkrankung. Und nur 250 Bastarde des anderen, minderwertigen Geschlechts haben aus dem gleichen Grund ins Gras gebissen. Ist das etwa gerecht?

Was führt wohl zu dieser Entwicklung? Einerseits ist da die jahrelange Vitamin- und Mangelernährung, die uns umbringt. Im Zusammenspiel mit dem ranzigen Wurstfett, das gerade in unserer ländlichen Region die Nahrungsgrundlage der geknechteten weiblichen Bevölkerung darstellt, führt dies unweigerlich zu einer Verengung der koronaren Herzkranzgefäße. Andererseits ist es die Aufregung, die uns umbringt. Nagende Fragen, wie „was koche ich heute Mittag?“, „welches Kleid ziehe ich bloß an?“ oder „wo ist meine Body-Milk gerade im Angebot?“ sind es, die uns unter permanenten Hochstress setzen und uns frühzeitig an den Rand des plötzlichen Herztodes rücken.

Und das nutzen die Mistkerle, mit denen Sie, liebe Leserinnen, verheiratet sind, gnadenlos aus. Denn sie wissen: die kleinste Aufregung kann uns das Leben kosten! Es ist so einfach, die eigene Frau umzubringen, ohne die geringsten Spuren der Gewalt zu hinterlassen. Denken Sie doch nur mal an das Halloween der vergangenen Jahre:

Ihr Mann saß in seinem feingerippten Schmuddelunterhemd mit den Schweißrändern unter den Achseln vor dem Fernseher, um die Sportschau zu sehen. Seine löchrigen Socken versprühten das alpine Aroma einer Graubündener Almsennerei. Nervös spielte er mit seiner Dose Maternus Edelpils, kraulte seinen fetten Schmierbauch, furzte hin und wieder aufgeregt und schaute ständig auf die Uhr. Er wusste bereits: Gleich würde es klingeln.

Als es schließlich schellte sind SIE, liebe Leserinnen, aufgestanden und haben die Tür geöffnet, nur um in das grauenhafte Antlitz von Jäckel und Heid, dieser beiden Halloween-Schweinsköpfe, zu sehen. Ja, die Schrecksekunde hat Sie einen kurzen Moment gelähmt. Aber einmal mehr haben diese widerlichen Schaben es nicht vermocht, Sie in tödliche Angst zu versetzen. Ist Ihnen eigentlich die Enttäuschung auf dem Gesicht Ihres Gatten aufgefallen? Schon hatte er fest damit gerechnet, Sie würden in der Türzarge zusammenbrechen und leise wimmernd vor Ihren Schöpfer zu treten …

Liebe Leserinnen, in Kürze ist wieder Halloween. Seien Sie gewappnet! Gehen Sie niemals an die Wohnungstüre, wenn es an diesem Abend klingelt. Töten Sie lieber Ihren Gatten, bevor er es mit Ihnen tut. Und den Frauen unter uns, die wie ich aus Passion auf Scheißkerle verzichten, rate ich: Legen Sie sich einen Rottweiler zu! Der ist immer als erster an der Tür, kennt keine Widerworte, hält Sie nachts warm und erfüllt auch sonst alle Ihre Bedürfnisse.

Und bitte vergessen Sie nicht: Halloween ist frauenfeindlich!

Mit schwesterlichem Gruß,

Anette Hase

Anette Hase ist Diplom-Oecotrophologin, 42 Jahre alt, ledig und kinderlos. Sie engagiert sich seit 1984  im Umweltschutz, unter anderem als Vorsitzende der Pollenbacher Arbeitsgemeinschaft „Die Grünen Hummeln“. Frau Hase arbeitet darüber hinaus als freie Redakteuse der Zeitschrift „Omma“ und betätigt sich als ehrenamtliche Frauenbeauftragte der Gemeindeverwaltung. Weiter coached sie Landfrauen im Bereich Konfliktbewältigung und Familienmediation.

Exkurs: Halloween in Deutschland

Liebe Leser,

lieben Sie Halloween? Mögen Sie es, wenn erleuchtete Kürbisse in der Nacht zu Allerheiligen die Fenster und Türen schmücken? Haben Sie Spaß an gruseliger Verkleidung? Dann ist Halloween am Abend des 31. Oktober die Gelegenheit, Ihrer Freude freien Lauf zu lassen. Was aber ist, wenn faule Eier an Ihrer Hauswand zerbersten, Feuer in Ihrem Briefkasten gelegt wird und Ego-Shooter-süchtige Kinder Ihre Katze waidmännisch aus der Decke schlagen, und das nur, weil Ihnen der ganze Zauber mächtig auf die Klöten geht?

Möchten Sie einmal von Herzen „Danke“ sagen, dafür, dass Ihr Eigentum beschädigt wurde und die Täter weder strafrechtlich belangt, noch schadensersatzpflichtig gemacht werden können? Dann wenden Sie sich doch bitte vertrauensvoll an Herrn Dieter Tschorn vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie. Herr Tschorn beansprucht namentlich für sich, Halloween nach Deutschland gebracht zu haben. Nach eigenen Angaben habe er bereits 1994 begonnen, das Thema gezielt in den Medien zu platzieren.

Und darauf ist er mächtig stolz. 24 Millionen Euro habe man allein im Jahr 2007 mit Halloween umgesetzt. Immer beliebter werde auch das so genannte „Trick or Treat“, bei dem verkleidete Kinder von Haustür zu Hautür ziehen und Süßigkeiten fordern, andernfalls mit üblen Streichen drohen (Quelle: Augsburger Allgemeine). Nutzen Sie bitte die Gelegenheit, von Herzen Danke zu sagen, denn herzliche Dankbarkeit kommt viel zu kurz in unseren Tagen! Herr Tschorn hört Ihnen verständnisvoll zu und freut sich über jede konstruktive Kritik …

(Foto 1: Kolling/Wikipedia)



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