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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Das Leben hat viele Seiten

Inge Schmidt-Nolte bewahrt Biographien von Bewohnern

Schwalmstadt-Treysa. Das Leben hat viele Seiten. Inge Schmidt-Nolte bewahrt sie. Gemeinsam mit Bewohnern Hephatas bringt sie deren Lebensbeschreibungen und damit auch die Geschichte Hephatas zu Papier. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges spielt dabei eine zentrale Rolle. Aber nicht die einzige. „Ich will einen Lebensbogen spannen. Es ist mir wichtig, dass man nicht an einer Stelle hängen bleibt, sondern auch Perspektiven zeigt.“

Wie war es damals? Aber auch: Wie geht es für mich weiter? Sind die Eckpunkte der Biographien, zwischen denen sich Bewohner und Inge Schmidt-Nolte (58), ehemalige Wohnbereichsleiterin in der Behindertenhilfe Hephata, bewegen. In Schritten von jeweils zehn Jahren erinnern sie sich in Einzelgesprächen mit Hilfe von Fotos, Filmen, Büchern und dem Internet an ihr Leben.

Wenn die Bewohner es möchten, blicken sie zusammen mit der Biographin auch in ihre Akten. Immer seien sie dabei auf der Suche nach Antworten: Warum sind die Frauen und Männer hierher gekommen? Wie haben sie ihren ersten Tag in Hephata erfahren? Welche Entwicklungen hat es gegeben? Aber auch: Was sind meine Träume? Wie will ich mein Leben leben?

Inge Schmidt-Nolte kommt dabei zu Gute, dass sie nicht erst Vertrauen aufbauen musste: „Die meisten, die ich befragt habe, kenne ich seit 20 Jahren.“

Dies wird auch in der Beteiligung an dem Projekt deutlich: 30 Frauen und Männer meldeten sich auf den Aufruf der Erzieherin und Diakonin. Mit 15 von ihnen sprach sie bereits, zehn davon verewigten sich in der ersten Ausgabe der Biographien, allesamt Frauen und Männer, die zwischen 1939 und 1949 nach Hephata kamen.

Eine von ihnen ist Hilde Jurk (83). Sie wohnt seit 69 Jahren hier. „Mir war es wichtig, dass die Leute erfahren, wie es damals gewesen ist“, sagt sie. Beispielsweise, dass die Bewohner früher den Mitarbeitenden bei der Bewältigung des Alltags sehr viel helfen mussten. „Ich habe mich morgens fertig gemacht, dann habe ich den anderen Kindern ge­holfen.“ Beim Waschen und Essen. Abends das gleiche. Dazwischen lagen Schule, Arbeitplatz und Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft.

Zeit lassen
Auch wenn die Erlebnisse sehr individuell sind, geht es Inge Schmidt-Nolte vordergründig nicht um die Bewältigung der eigenen Biographie, sondern um das Leben in Hephata, aus Sicht der Bewohner. „Ich will erhalten, was die alten Menschen wissen.“

Und trotz dieser Zielsetzung gehen den Bewohnern ihre Selbstreflexionen manchmal so nahe, dass die 58-Jährige sich und ihnen dann eine Auszeit vom Schreiben gönnen muss. „Wenn ich merke, dass jemand seine Zeit dafür braucht, habe ich sie zum Glück auch.“

Das Interesse an den Ergebnissen der Biographiearbeit ist groß. Mehrmals bereits präsentierte Inge Schmidt-Nolte sie in Auszügen. Außerdem konnte sich jeder Wohnbereich den Bildband „Willkommen in He­phata – Eine Zeit-Geschichte in He­phata“ für die Gruppenarbeit bestellen, kaufen kann man ihn vorerst nicht. Jeder Interviewte bekam davon eine Ausgabe, außerdem auch seine eigene Biographie in Schriftform.

Inge Schmidt-Nolte begann das Projekt im letzten Jahr der aktiven Phase ihrer Altersteilzeit, im Juni 2007. Seit Ende der Arbeitsphase im März 2008 führt sie es auf Stundenbasis weiter.

Schmidt-Noltes Ziel ist nun die Fortführung des Projektes. Weitere Bewohner will sie befragen, in einem zweiten Schritt auch ehemalige Mitarbeitende. So soll bis 2010 ein gesammeltes Werk aus Bildern und Texten entstehen. Material hat sie genug: „Die Bewohner beschäftigten sich immer weiter damit. Es fällt ihnen immer wieder etwas Neues ein. Oft werde ich beim Mittagessen angesprochen und denke dann: Du hättest einen Block mitnehmen sollen.“ (me)

Im Bild: Im Gespräch: Hilde Jurk (rechts) berichtet Inge Schmidt-Nolte auch an Hand von Fotos über ihre Zeit in Hephata. (Foto: me)



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