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Erfolgreich Laufen ist der beste Beweis

Robel Mesgena (16) aus Eritrea gilt als großes Talent

Schwalmstadt-Treysa. Manche Menschen denken mit Grausen an die Bundesjugendspiele in der Schulzeit zurück. Für Robel Mesgena waren sie der Start in ein neues Leben. 1.000 Meter in 3:45 Minuten, das lief Robel Mesgena mit 14 Jahren bei den Bundesjugendspielen. Sein Sportlehrer erkannte sein Talent, schickte ihn in einen Sportverein. Nach mehreren Stationen landete der 16-Jährige nun beim PSV Grün-Weiß Kassel. Dort trainiert er seit einigen Wochen mit Winfried Aufenanger, dem ehemaligen Bundestrainer der deutschen Marathon-Läufer.

Hessenweit gibt es in Mesgenas Alter keinen, der auf 3.000, 5.000 und 10.000 Metern schneller ist. Deutschlandweit wird er mit einer Zeit von 8:50 Minuten auf 3.000 Metern als Viertschnellster geführt. Und das, obwohl Robel erst seit einem Jahr ernsthaft trainiert. Seit 2008 gehört der 16-Jährige dem Hessenkader des Leichtathletikverbandes an, nimmt auch an den Ausscheidungskämpfen für die Europameisterschaften teil.

Und jetzt kommt der Haken: Die sechs Besten aus den Ausscheidungskämpfen fahren zur Europameisterschaft. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird Robel zu ihnen gehören und trotzdem nicht fahren. Er hat  nämlich keinen deutschen Pass.

„Wenn er Fußball spielen würde, würde die Einbürgerung vermutlich keine Probleme machen“, sagt Henning Wienefeld, Leiter der Jugendhilfe-Wohngruppen Hephatas in der Kasseler Gießbergstraße 30. In der Gießbergstraße leben 34 ausländische Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, die ohne Begleitung nach Deutschland einreisten, in drei Wohngruppen zusammen. Oft aus West-Afrika, dem Irak und Afghanistan, aber auch aus Eritrea und Äthiopien.

Robel Mesgena ist einer von ihnen. Er stammt aus der eritreischen Provinzstadt Senafe an der Grenze zu Äthiopien. In Eritrea herrscht durch Bürgerkriege, Grenzkonflikte mit Äthiopien und eine Dürreperiode  Ausnahmezustand. Robels Mutter floh deswegen mit seinen beiden jüngeren Geschwistern nach Äthiopien. Er blieb beim Vater, der ein paar Monate später verhaftet wurde. „Ich weiß nicht, warum. Ich war noch so klein.“

Robel hat seine Familie nie wieder gesehen. Ein Freund seines Vaters schleuste ihn schließlich über den Sudan außer Landes. Am 13. Februar 2004 landete Robel in Frankfurt am Main. Deutsch sprach er kein Wort. Nach knapp drei Monaten in einer Clearing-Stelle kam er in die Hephata-Wohngruppe in Kassel und stellte sich seinem neuen Leben.

Der 16-Jährige schaffte den Realschulabschluss, bekam eine Ausbildungsstelle zum Einzelhandelskaufmann in einem Kasseler Sportgeschäft. Er spricht gut Deutsch, hat viele Freunde und auch eine deutsche Freundin. „Es ist gut, zur Sicherheit eine Ausbildung zu machen. Mein Traum ist es aber, mit dem Laufen etwas zu erreichen.“ Er sieht seine Zukunft hier. Sicher ist die aber nicht.

„Robel hat eine Duldung. Eine Aufenthaltserlaubnis  könnte er erst bekommen, wenn er sich nach seiner Ausbildung selber finanzieren könnte.“ Das heißt, Robel muss nach der Lehre einen Job finden. Sollte dies nicht gelingen, würde er vermutlich nicht nach Eritrea abgeschoben, weil er dort mit Folter rechnen müsste. Eine Sportlerkarriere ohne deutschen Pass wäre jedoch schwierig. „Ich laufe nicht nur, damit ich bleiben kann. Trotzdem stehe ich bei Wettkämpfen unter mehr Druck als meine Konkurrenten, weil ich eben mehr beweisen muss.“ (me)



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