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HSG mit weißer Weste ins neue Jahr

Gensungen. In der letzten Begegnung des Jahres 2008 trifft die HSG am 20. Dezember, 19.30 Uhr, auf die Vereinigte Turnerschaft Zweibrücken (VTZ Saarpfalz). Die Gäste rangieren mit 9:17 Punkten lediglich auf Rang 14 und haben ihre Punkte bisher ausschließlich gegen Teams der unteren Tabellenhälfte geholt. Die Ergebnisse waren dabei meist knapp. Gegen die Top-Mannschaften der Liga hagelte es dagegen teils vernichtende Niederlagen. So fanden sich die Zweibrücker nach den ersten drei Spieltagen ohne Punktgewinn und mit der rekordverdächtigen Differenz von -32 Toren ganz am Ende wieder, bevor gegen Offenbach der erste Sieg erkämpft wurde.

Geschuldet war dieser katastrophale Auftakt allerdings auch einer wenig optimalen Vorbereitung auf die Saison. Mit Linksaußen Dominik Rauch (Sehnenabriss im Ellenbogen beim Beachvolleyball) und David Leffer (Innenbandabriss im Knie beim Fussball) fielen beide Linksaußen langfristig aus, Torhüter Stephan Heinrich musste sich einer Meniskusoperation unterziehen. Mit den Nachwirkungen von OPs quälten sich Thorsten Müller (Schulter), Marek Galla (Schulter) und Sören Schwab (Hüftgelenk) durch die Testphase, in der eigentlich die Grundlage für eine solide Saison gelegt werden sollte. Teilweise stand dem damaligen Trainer Jürgen Bachmeyer jedoch gerade einmal der halbe etatmäßige Kader für Testspiele zur Verfügung. Eine gute Vorbereitungsphase sieht anders aus.

Es folgte fast zwangsläufig der angesprochene katastrophale Saisonauftakt mit 104 Gegentoren in drei Spielen, von Ex-Trainer Bachmeyer mit dem Kommentar „unter aller Kanone“ noch milde beschrieben. Die Presse wurde deutlicher, titelte von „peinlichen“ Auftritten der VTZ. Und das, obwohl der Vorjahres-Sechste keine Abgänge zu verzeichnen hatte und somit hätte eingespielt sein müssen. Grund genug für einen frühen internen Krisengipfel, dem immerhin der erste Erfolg gegen den TVO folgte. Damit kehrte aber längst keine Ruhe ein. Rückraumspieler Andreas Rokay bat um Vertragsauflösung wegen unüberbrückbarer Differenzen mit Bachmeyer. Erste deutliche Risse zeigten sich zwischen Mannschaft und Trainer. Da verwunderte die nächste 13-Tore-Klatsche in Groß-Umstadt niemanden mehr.

Die Zweibrücker starteten jedoch mit dem Unentschieden gegen Hassloch in eine Phase der Rehabilitierung. Immer noch – oder schon wieder – gebeutelt von unzähligen Verletzungen erwies sich die VTZ mehr und mehr als ernst zu nehmender Gegner. Gegen die HSG Mühlheim/K./B. fehlte aber die Kraft, einen Vorsprung über die Zeit zu retten. Beim TV Hochdorf dagegen haderte man mit den Schiedsrichtern, die Becker, Wiese und Co. nach deren Sicht in den letzten drei Minuten um einen möglichen Erfolg brachten. Die Fahrt nach Budenheim trat schließlich ein halbes Lazarett an, nachdem sich Philip Wiese auch noch verletzt hatte. Doch Zweibrückens Scharfschütze biss auf die Zähne und avancierte in Abwesenheit von Schmidt, Galla, Rauch und Leffer mit neun Toren zum Matchwinner.

Der zweite Sieg war unter Dach und Fach, aber erneut gab es Ärger abseits des Spielfeldes. Nach einem Gespräch des Vorstandes mit Jürgen Bachmeyer legte der Handballehrer sein Traineramt mit sofortiger Wirkung nieder. Was lange gebrodelt hatte, sich mit der „Flucht“ von Rokay angedeutet und bei einer blamablen Pokalniederlage bei der fünftklassigen Reserve der HG Saarlouis fortgesetzt hatte, kochte endgültig über. „Ich erreiche die Mannschaft nicht mehr und sehe keine Perspektive“, zog der 55-Jährige eine bittere Bilanz seiner Arbeit. Als Nachfolger übernahmen Kapitän Manuel Schmidt und Jugendcoach Andreas Grub das Zepter.

Gegen Gelnhausen blieb der Erfolg zwar noch aus, doch der Wille war erkennbar. „Die Kraft fehlte und wir wollten zu viel“, nannte Schmidt die Hauptgründe, warum es (noch) nicht klappte mit dem dritten Sieg. Der kam aber dafür mit einer Woche Verspätung gegen Pohlheim. Wenn auch mit Glück, denn nach klarer Pausenführung rettete die VTZ einen hauchdünnen Sieg gerade noch so ins Ziel. Wieder fehlte die Luft für volle 60 Minuten, was fast den verdienten Lohn für aufopferungsvollen Kampf gekostet hätte.

Es scheint also, als hätte die VTZ den Hebel endlich umgelegt. Die deutliche Schlappe beim SVH Kassel täuschte darüber hinweg, dass die Zweibrücker nach total verschlafener Anfangsphase eine Aufholjagd starteten und Mitte der zweiten Hälfte sogar auf ein Unentschieden spekulieren durften, bis in den letzten Minuten die spielerische Linie völlig verloren ging und Kassel fast ohne Gegenwehr Angriff um Angriff erfolgreich lief. Auch der klare Erfolg gegen Bad Blankenburg am vergangenen Wochenende zeugt davon, dass sich die Mannschaft um Kapitän und Spielertrainer Manuel Schmidt inzwischen gefangen hat. Der Anschluss an das Mittelfeld ist endgültig hergestellt und die VTZ Saarpfalz befindet sich ohne Zweifel auf dem Weg nach oben.

Will die HSG nicht „Opfer“ des neu gefundenen Selbstbewusstseins der Saarländer werden, müssen die Männer des Trainergespanns Kleinmann/Negovan ganz besonders auf den wurfgewaltigen Rückraum der Gäste achten. Mit Philip Wiese und Kai Schumann rangieren gleich zwei Spieler der VTZ ganz weit vorn in der Regionalliga-Torschützenliste. Und auch Torhüter Thomas Becker gehört neben Michael Stahl zu den besten Keepern der Liga. Das sieht also nicht nach bequemem Zurücklegen aus, sondern verspricht für Stahl, Eidam und Co. kurz vor Weihnachten noch einmal ein hartes Stück Arbeit zu werden.