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Aktuelle Lage besser als die Zukunftsprojektion

IHK-Konjunkturumfrage: Schlechte Stimmungslage der nordhessischen Wirtschaft

Nordhessen. Die letzten beiden Konjunkturberichte (Frühsommer 2008, Herbst 2008) zeigten bereits, dass mit starken Verwerfungen hinsichtlich der Stimmungslage in der nordhessischen Wirtschaft zu rechnen sei. Das nun aktuell vorliegende Ergebnis bestätigt sämtliche Befürchtungen. Der IHK-Klimaindex (gewichteter Faktor aus gegenwärtiger Lage und zukünftiger Entwicklung) fällt auf historisch niedrige 67,8 Punkte (Vorbericht 91,9 Punkte, Vorjahr 120,8 Punkte) über alle nordhessischen Branchen hinweg. Der aktuelle Bericht zeigt aber deutlich, dass die gegenwärtige Lage nicht schlecht ist. Der Verfall des IHK-Klimaindex beruht ganz wesentlich auf Zukunftsannahmen.

Die derzeitige Geschäftslage über alle nordhessischen Branchen hinweg wird derzeit wie folgt beschrieben: 19,1 % (Vorbericht 28,0 %, Vorjahr 44,2 %) beschreiben ihre derzeitige Lage als gut. 57,4 % (Vorbericht 55,3 %, Vorjahr 45,3 %) gehen von einer befriedigenden aktuellen Geschäftslage aus. 23,5 % (Vorbericht 16,7 %, Vorjahr 10,5 %) stufen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht ein. Die Zahlen verdeutlichen, dass über alle Branchen hinweg ein Wechsel von den Optimisten zu den Pessimisten stattgefunden hat. Gleichwohl muss man festhalten, dass hinsichtlich der aktuellen Lage noch keine Depression zu verzeichnen ist.

Interessant ist wie immer ein Blick in die einzelnen Branchen. Sehr schlechte Zahlen liefert die nordhessische Bauindustrie. Hier liegt der Klimaindex nur noch bei 55,2 Punkten (Vorbericht 98,9 Punkte, Vorjahr 114,7 Punkte). Neben den allgemeinen Rahmen­bedingungen scheint hier der Winter seine typischen Spuren zu hinterlassen. Die Bauindustrie beschreibt ihre derzeitige Geschäftslage, wie folgt: 6,3 % (Vorbericht 40,0 %, Vorjahr 29,4 %) sehen eine aktuell gute Geschäftslage. 68,8 % (Vorbericht 53,3 %, Vorjahr 52,9 %) schätzen ihre aktuelle Geschäftslage als befriedigend ein. 25,0 % (Vorbericht 6,7 %, Vorjahr 17,6 %) stufen ihre aktuelle Lage als schlecht ein.

Einbrüche verzeichnen auch die Investitionsgüterproduzenten. Diese Branche, die in den vergangenen Jahren als zuverlässiger konjunktureller Frühindikator fungierte, meldet einen Klimaindex von 58,4 Punkten (Vorbericht 109,5 Punkte, Vorjahr 141,7 Punkte). Hier sehen immer noch 32,6 % (Vorquartal 51,1 %, Vorbericht 73,7 %) eine aktuell gute Geschäftslage. 39,5 % (Vorbericht 46,8 %, Vorjahr 18,4 %) beschreiben ihre derzeitige Lage als befriedigend. 27,9 % (Vorbericht 2,1 %, Vorjahr 7,9 %) gehen von einer schlechten aktuellen Geschäftslage aus.

Das gesamte produzierende Gewerbe meldet einen Klimaindex von 62 Punkten (Vorbericht 99,4 Punkte, Vorjahr 130,5 Punkte).

Der Einzelhandel meldet trotz des gerade zurückliegenden Weihnachtsgeschäfts nur 69,0 Klimaindexpunkte (Vorbericht 79,5 Punkte, Vorjahr 92,8 Punkte). Die gegenwärtige Lage im nordhessischen Einzelhandel wird wie folgt beschrieben: 9,5 % (Vorbericht 15,8 %, Vorjahr 25,0 %) beschreiben die derzeitige aktuelle Lage als gut. 81,0 % (Vorbericht 68,4 %, Vorjahr 54,2 %) gehen von einer aktuell befriedigenden Geschäftslage aus. 9,5 % (Vorbericht 15,8 %, Vorjahr 20,8) der nordhessischen Einzelhändler gehen von einer schlechten aktuellen Geschäftslage aus. Dieses Ergebnis zeigt, dass im Handel ein starker Wechsel hin zu den Indifferenten stattgefunden hat. Hier lässt sich eindeutig das signifikante Sinken des Klimaindex mit den Projektionen für die Zukunft begründen.

Ein ähnliches Bild meldet der ebenfalls konsumabhängige Sektor der Gastronomie/Hotellerie. Auch hier sind die aktuellen Ergebnisse besser, als die Zukunftsprojektionen. 25 % (Vorbericht 0,0 %, Vorjahr 17,6 %) der nordhessischen Gastronomen beurteilen die gegenwärtige Lage als gut. 62,5 % (Vorbericht 71,4 %, Vorjahr 52,9 %) stufen die gegenwärtige Lage als befriedigend ein. 12,5 % (Vorbericht 28,6 %, Vorjahr 29,4 %) stufen die aktuelle Lage als schlecht ein.

„Das Glas ist immer noch halb voll“ bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern. Hier ist die aktuelle Lage durchaus als gut einzustufen. 37,5 % (Vorbericht 30,0 %, Vorjahr
61,5 %) beschreiben ihre derzeitige Lage als positiv. 54,2 % (Vorbericht 70,0 %, Vorjahr 38,5 %) beurteilen ihre Lage als befriedigend. „Nur“ 8,3 % (Vorbericht 0,0 %, Vorjahr 0,0 %) der Dienstleister stufen ihre aktuelle Lage als schlecht ein.

Zukünftige Lage
Wie bereits erwähnt sind die Zukunftsprojektionen der nordhessischen Wirtschaft deutlich schwächer, als die aktuelle Lage. Über alle Branchen hinweg zeigt sich folgende Zukunftseinschätzung: 4,8 % gehen von einer eher günstigen zukünftigen Geschäftslage aus. 38,5 % rechnen mit einer gleichbleibenden konjunkturellen Entwicklung und 56,7 % gehen von einer eher ungünstigen zukünftigen Geschäftslage aus.

In der Bauindustrie geht niemand von einer eher günstigen Geschäftslage aus. Hier glauben 37,5 %, dass die Entwicklung gleich bleibt, und 62,5 % gehen von einer rückläufigen Entwicklung aus.

Ähnlich düster sind die Prognosen der Investitionsgüterproduzenten. Auch hier geht kein Betrieb von einer anziehenden konjunkturellen Entwicklung aus. 32,6 % sehen eine gleichbleibende Geschäftslage und 67,4 % gehen von einer eher ungünstigen zukünftigen Lage aus.

Die Aufzählung ließe sich fortführen. Derzeit findet sich keine Branche, die positiv die zukünftige Lage antizipiert.

Geplante Investitionen
14,6 % (Vorbericht 21,5 %, Vorjahr 30,7 %) aller nordhessischen Unternehmer gehen von einer zunehmenden Investitionstätigkeit aus. 47,1 % (Vorbericht 52,2 %, Vorjahr 48,5 %) gehen von einem gleichbleibendem Investitionsniveau aus. 38,3 % (Vorbericht 26,3 %, Vorjahr 20,8 %) gehen von einer abnehmenden Investitionstätigkeit aus.

Beschäftigte
Der positive Trend am Arbeitsmarkt hat seinen Höhepunkt überschritten. Nur noch 7,8 % (Vorbericht 12,6 %, Vorjahr 21,1 %) gehen von einem ansteigenden Beschäftigungsniveau aus. 67,8 % (Vorbericht 72,8 %, Vorjahr 70,0 %) gehen von einem gleichbleibenden Beschäftigungsniveau aus. 24,5 % (Vorbericht 14,6 %, Vorjahr, 8,9 %) gehen von einem sinkenden Beschäftigungsniveau aus.

Exportvolumen
Deutliche Aussagen finden sich bei der Frage nach dem Exportvolumen. Konnten in den vergangenen Jahren kontinuierliche Steigerungsraten im Exportgeschäft verzeichnet, so ist nun ein starker Rückgang im Auslandsgeschäft zu verzeichnen. 12,1 % (Vorbericht 25,4 %, Vorjahr 50,9 %) aller nordhessischen Unternehmen gehen von einem steigenden Exportvolumen aus. 52,3 % (Vorbericht 69,3 %, Vorjahr 40,6 %) gehen von einem gleichbleibenden Exportvolumen aus. Sage und schreibe 35,5 % (Vorbericht 5,3%, Vorjahr 8,5 %) gehen von einem fallenden Exportvolumen aus.

Fazit:
Es gibt nichts zu beschönigen. Die Konjunktur befindet sich in einer schwierigen Phase. Der Exportweltmeister Deutschland leidet unter fehlender Nachfrage aus dem Ausland. Die USA stehen vor einer Neuausrichtung ihrer Wirtschaft. Die BRIC (Brasilien, Russland, Indien und China)-Staaten und die sog. Emerging-Markets haben ihr Wachstumstempo deutlich reduziert. Wesentliche exogene Nachfrageimpulse bleiben aus. Mit der Finanzkrise einher ging aber eine überfällige Korrektur an den Rohstoffmärkten. Die Rohölpreise sind auf ein akzeptables Niveau gesunken und bieten somit zumindest eine kleine Kompensation der aktuellen Lage. Hiervon kann maßgeblich der private Konsum partizipieren.

Derzeit übertreffen sich Wirtschaftsinstitute mit Horrorszenarien. Die IHK Kassel hat bereits am 22. Mai 2008 (HNA) vor einer Eintrübung der Konjunktur gewarnt. Zum selben Zeitpunkt meldeten in der gleichen Zeitung das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) und das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) weitere positive Konjunkturaussichten für 2008/2009. Die gleichen Institute malen nun Szenarien an die Wand, die nicht hilfreich sind. Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und ist gut aufgestellt. Wichtig ist, dass das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft nicht bewusst oder unbewusst durch den Wettbewerb negativer Prognosen erschüttert wird.

Alle Maßnahmen, die bisher von Notenbanken bzw. Regierungen getroffen wurden, wirken mit einer Zeitverzögerung. So machen sich Zinssenkungen i. d. R. erst mit einer Verzögerung von ca. ½ Jahr bemerkbar. Ebenfalls die Maßnahmen der Konjunkturpakete 1 und 2 der Bundesregierung bedürfen einer Anlaufphase. Gerade Investitionen in Infrastrukturprojekte sind aufgrund bedauernswerter bürokratischer Hemmnisse kein Instrument, mit denen eine Sofortwirkung erzielt werden kann. Auf ein schnell wirkendes Instrumentarium, nämlich einer zeitlich befristeten deutlichen Senkung der Mehrwertsteuer, ist leider verzichtet worden.



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