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Von Auschwitz zur Zwangsarbeit nach Nordhessen

Zeitzeugin in der Drei-Burgen-Schule

3bs-blanka-pudlerFelsberg. Als 15-jähriges Mädchen musste die Jüdin Blanka Pudler, die heute in Budapest lebt, schwere und gefährliche Arbeit in der Sprengstofffabrik im nahegelegenen Hessisch Lichtenau leisten.  Aus dem Vernichtungslager Auschwitz war sie als Zwangsarbeiterin dort hin transportiert worden. In der vergangenen Woche kehrte sie anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 nach Deutschland zurück, um vor Schülern an Schulen in Nordhessen über ihr Schicksal zu berichten. Dabei war sie auch zu Gast an der Drei-Burgen-Schule in Felsberg.

Mucksmäuschen still ist es, als Blanka Pudler vor den rund 100 Schülern des 10. Jahrganges über ihr Schicksal spricht. Durch ihren Besuch im Konzentrationslager Buchenwald und die Bearbeitung der Thematik im Unterricht waren die Schüler bereits sensibilisiert und informiert. Was Blanka Pudler erzählt lässt den Atem stocken und macht Betroffenheit bei den Jugendlichen deutlich. Wenn sie aus ihrem Leben berichtet durchlebt sie jedes Mal wieder, was damals mit ihr passierte. Das merken die Schüler. Sie sind ergriffen und – wie sich in der an den Vortag anschließenden Fragerunde zeigt – sprachlos über das was Blanka Pudler vorträgt.

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde sie 1944 gemeinsam mit vielen Tausend anderen ungarischer Juden nach Auschwitz verschleppt. Drei Tage dauerte die Fahrt in Viehwaggons. Es gab nicht genug Wasser und Luft, einige starben bereits auf dem Transport. In Auschwitz wurde Blanka von ihren Eltern getrennt, die sie nie wieder sah. Ihre Mutter wurde kurz nach der Ankunft in Auschwitz in der Gaskammer ermordet, ihren Vater verschleppte man nach Dachau, wo er an den Folgen von Zwangsarbeit und Entbehrungen starb. Die 15jährige Blanka wurde nach sieben schrecklichen Wochen in Auschwitz gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Aranka und 1000 anderen Jüdinnen nach Hessisch Lichtenau gebracht. Dort mussten sie schwere und gefährliche Arbeit in einer Rüstungsfabrik verrichten. Vor allem das Füllen von Bomben und Granaten mit dem heißen und flüssigen Sprengstoff TNT war ihre Aufgabe. Im Lager kamen weitere Entbehrungen und Misshandlungen durch die SS-Wachmannschaft hinzu.

Ende März 1945 wurde das Lager evakuiert. Völlig erschöpft und gezeichnet befreiten amerikanische Truppen Blanka Pudler gemeinsam mit ihrer Schwester am 25. April 1945 in der Nähe von Leipzig. Seit dieser Zeit lebt sie in Budapest. „Es hat jahrelang gedauert, bis wir uns mit der Ermordung unserer Eltern, dem Zerfall unseres Zuhauses abfinden, und bis wir uns ein neues Heim erschaffen konnten. Es quälen mich noch oft Alpträume von unserer gemeinsamen, grausamen Vergangenheit,“ erzählt Blanka Pudler.

Sie ist nicht gekommen, um anzuklagen, das macht sie im Gespräch mit den jungen Leuten deutlich. Ob sie keinen Hass gegen die Deutschen hege, will ein Schüler wissen. „ Hass habe ich nur gegen die, die mir das damals angetan haben. Die heutige Generation in Deutschland ist nicht verantwortlich dafür,“ gibt sie zur Antwort. Die fast 80jährige sagt möchte Brücken bauen, und sich für Verständigung zwischen Völkern und Nationen einsetzen. Sie fühle sich verpflichtet über ihr Schicksal zu sprechen, auch wenn man ihr anmerkt, dass es ihr schwer fällt.

Foto 1: Blanka Pudler (Mitte) mit Schülern der 10. Klassen der Felsberg Drei-Burgen-Schule

Foto 2: Blanka Pudler bei ihrem Vortag in der Drei-Burgen-Schule



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