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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 15. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Pollenbach: Frühling lässt sein blaues Band …

Von Tobias Knopp

pollenbach-fruehling1Pollenbach. Liebe Leserinnen und Leser, endlich ist es soweit: Der Frühling kommt mit großer Macht, wärmt unsere gichtgeplagten Knochen und erfreut uns mit verschwenderischer Farbenpracht. Hören Sie schon das leise Summen der Bienlein, spüren sie den milden Wind auf ihrer bleichen Haut und riechen Sie die süßen Düfte der sich öffnenden jungen Knospen? Ja, es ist so herrlich, in diesem Moment mit einem Klapprechner  im Freien zu sitzen und Ihnen diese verheißungsvollen Zeilen zu schreiben, wo doch jetzt die Sonne so schön vom Himmel brüllt (jedenfalls hier auf den Malediven)…

Doch wenden wir uns heute analytisch betrachtend  jener umtriebigen Spezies zu, die besonders im zeitigen Frühjahr ruhelos durch die noch träge pulsierenden Wolkenkratzerschluchten streift:

Der Bezirksbegatter [Be | zirks | be | gat | ter, der], Kunstwort, Wortzusammenschluss aus Bezirk [v. mittelhochdt.: zirc aus lat.: circulus Kreis] und [Begattung (Kopulation, Kopula, Paarung)]. Subkultureller Fachbegriff für anspruchs- und niveauloses Individuum, das seinen Selbstwert über die Häufigkeit seiner regional begrenzten, stets wechselnden Sexualkontakte definiert. Artverwandte Begriffe: Pimperheinzchen, Stängelheld, Rumpelstilzchen, Freizeitgynäkologe.

Der Bezirksbegatter ist überwiegend männlich, jedoch lassen sich einzelne Individuen nach eingehender Untersuchung  zweifelsfrei dem weiblichen Geschlecht, in besonderen Fällen auch der biologischen Schnittmenge zuordnen. Aus Gründen der Vereinfachung betrachten wir heute jedoch allein die männliche Form.

Alterbestimmung: Der Bezirksbegatter bildet sich typischerweise im Alter zwischen 14 und 63 Jahren zur vollen Geschlechtsreife aus. Die kurzen Wintertage verbringt das possierliche Tierchen zumeist schlafend auf der Sonnenbank, um der zu besamenden Zielgruppe vorzutäuschen, er habe genug Geld, um zwischendurch mal nach Grand Canaria zu jetten.

pollenbach-fruehling2Habitus (biologisch): Der gewöhnliche Bezirksbegatter hat zumeist kurze Beine, eine große Schnauze und einen langen Schwanz. Deshalb wird er sehr oft mit einem Krokodil, gelegentlich aber auch mit einem Italiener verwechselt. Das geschulte Auge erkennt den Bezirksbegatter jedoch sofort an dessen charakteristischen Verhalten, sich zeckengleich an allem festzubeißen, was einen Rock trägt. Damit ist zumindest die Verwechselung mit einem Krokodil weniger wahrscheinlich.

Habitus (soziologisch): Pünktlich zum Sonnenuntergang räkelt sich der Bezirksbegatter behaglich durch das Solarium, schmiert seine schleimige Haartracht mit fettglänzender Pomade ein, rasiert den Genitalbereich nach, legt seine Goldkettchen an und trollt sich ins Fitnessstudio. Dort trainiert er seinen nahtlos kunstgebräunten Leib und ist gleichsam bestrebt, des Tages erste hohle Ricke zur Strecke zu bringen. Sein Beuteschema ist dabei äußerst variabel. Grundsätzlich besteigt er alles, was bei „Drei“ nicht auf den Bäumen ist. Das macht ihn für Mensch und Tier besonders gefährlich.

Fortbewegung: Der Berzirksbegatter fährt grundsätzlich nur solche Personenkraftwagen, die er für exklusiv hält. Besonders begehrt sind bei Bezirksbegattern Cabrios und tiefer gelegte, chromblitzende Breitreifensportwagen, in der Fachsprache auch „Muschie-Magnet“ genannt.   Zur Finanzierung des Muschie-Magneten zieht der Bezirksbegatter mangels Masse üblicherweise einen Leasingvertrag mit Vollkaskoversicherung heran.

Besonders hohe Kaskobeiträge zahlt der Bezirksbegatter für die Innenausstattung des Muschie-Magneten, und hier insbesondere für die Sitzpolster, die nach dem Gebrauch in der Regel hässliche Flecken aufweisen (Anm. d. Verfassers: Jetzt ist mir echt schlecht).

Die laufenden Ausgaben zum Betrieb seines Muschie-Magneten gibt der Bezirksbegatter in der jährlichen Steuererklärung als Werbungskosten an. Schwer zu schlucken hat er im Übrigen daran, dass Samenspenden nach wie vor nicht steuerlich absetzbar sind. Seine Beute übrigens auch …

Der Bezirksbegatter liebt es, mit seinem Cabrio durch sommerlich belebte Straßen zu fahren, die Lautsprecherboxen aufzudrehen und alle Anwesenden in penetranter Lautstärke mit seinem grottenüblen Musikgeschmack zu berieseln. Beliebt ist bei der niedrigsten Unterart der Bezirksbegatter „Techno“, bei der höheren Sorte aber auch Rockmusik.

Der Begriff „Rockmusik“ erklärt sich somit von selbst. Besonders vor gut besetzten Biergärten und Eiscafes tritt der Bezirksbegatter demonstrativ auf das Gaspedal und hofft, durch das Aufheulen seines Motors geringstenfalls die geballte weibliche Aufmerksamkeit zu erheischen, bestenfalls jedoch in der Beutegruppe einen kollektiven spontanen Eisprung auslösen zu können.

Allzu oft outet er sich damit aber lediglich als umfassend geistig debil. Positiv bleibt dennoch zu bemerken, dass sich der Bezirksbegatter unablässig bemüht, sich von unten an den Intelligenzquotienten einer WC-Fliege heranzuarbeiten. Allerdings benötigt jede evolutionäre Entwicklung ihre Zeit…

Beutecharakteristika: Das äußerliche Erscheinungsbild der Beute ist nur unklar definiert. Wichtig ist in jedem Fall eine freie Schambein- und Beckenbeweglichkeit. Gerne sucht sich der Bezirksbegatter sein Objekt der Begierde auch unter den hellhaarigen, intellektuell Minderbegabten, die sich dem Vernehmen nach besonders bereitwillig  auf den eigentlichen Beuteakt einlassen.

Gesundheitsprofil: Der Bezirksbegatter verfügt allgemein über ein robustes Immunsystem, das mit dem Erregerspektrum der Syphilis und seiner Unterarten weitgehend problemlos zurecht kommt. Auch an der erfolgreichen Unterdrückung akuter HIV- und Hepatitis-C-Infektionen arbeitet der Bezirksbegatter mit Hochdruck.

Sein besonderes Interesse gilt der eigenständigen Produktion von infektionsspezifischen Antikörpern. Zur Steigerung der Erfolgsaussichten bezieht der Bezirksbegatter seine Begattungsobjekte ungefragt in die Versuchsanordnung ein und veranlasst sie, eigenständige Bemühungen zur Bildung von Antikörper aufzunehmen.

Jagdstrategie: Der Bezirksbegatter beobachtet zunächst das Beutestück und wägt das Verhältnis zwischen Jagdaufwand und zu erwartenden Nutzen sorgfältig ab. Dann schmückt er sich mit fremden Federn und pumpt seinen Hahnenkamm auf. Schließlich geht er zum Angriff über. Wehrt sich die Beute gegen seine Ambitionen, fühlt sich der Bezirksbegatter besonders aufgefordert, sein Ejakulat zeitnah einzubringen.

Verhält sich die Beute passiv, lockt der Bezirksbegatter mit besonderen Vorzügen: Er überreicht Geschenke oder verschafft dem Beutestück eine gut bezahlte berufliche Position. Ist die Beute von vornherein mit dem Begattungsakt einverstanden, rutscht der Bezirksbegatter nur mal kurz drüber und verabschiedet sich dann gleich wieder, da er großen Wert auf die sportliche Herausforderung der eigentlichen Jagd legt.

Nach dem einzeln oder seriell durchgeführten Begattungsakt setzt der Bezirksbegatter das zur Strecke gebrachte Gebrauchsstück vor die Tür, um sich der nächsten Beute zuzuwenden. Dabei darf er zuversichtlich sein, dass die Kette der hohlen Ricken nicht abreißt.

Berufsgruppen: Der Bezirksbegatter übt zur Tarnung seiner Neigungen diverse berufliche Tätigkeiten aus. Besonders beliebt sind Vorgesetztenpositionen, die den entsprechenden Handlungsspielraum bei der Jagdausübung und dem Einsatz von Lockmitteln zulassen. Auch im Versicherungsgewerbe und im Priesteramt sorgen häufige anders- und gleichgeschlechtliche Kontakte für ein weites Betätigungsfeld.

Unterm Strich stehen dem Bezirksbegatter jedoch alle Berufe offen, die sich mit einer soliden Sonderschulausbildung ergreifen lassen. Zum Beispiel Kolumnenschreiber. Da kenne ich persönlich wenigstens zwei Beispiele. Übrigens: Wenn Sie, meine Damen, jetzt mal wissen wollen, wie sich das anfühlt, die Beute eines Bezirksbegatters zu werden, schreiben Sie mir bitte: Tobias.Knopp@seknews.de. Ich kümmere mich um Sie!

**Fotos: www.pixelio.de



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