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Pollenbach: Frühling lässt sein blaues Band… (II)

Von Tobias Knopp

pollenbach-fruehling21Pollenbach. Verehrte Leser, ist es Ihnen aufgefallen? Vor zwei Wochen war  Ostern. Und dass das Ei als Sinnbild der Fruchtbarkeit die Ostertage symbolisiert, kann kein Zufall sein. Einerseits ist ja die Fruchtbarkeit als solches im warmen Frühjahr saisonal vergleichsweise gut angesiedelt, denn: wer hat schon Lust, im Tiefschnee zu huckeln? Andererseits verleitet die ernsthafte Betrachtung dieses Ostersymbols zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den sexuellen Gepflogenheiten unserer aufgeklärten Gesellschaft. Nach unserer bereits vorangegangenen dezidierten Untersuchung des Bezirksbegatters, wenden wir uns heute dem Betriebsflansch zu.

Betriebsflansch [Be | triebs | flan | sch, der], Kunstwort, Wortzusammenschluss aus Betrieb (systemunabhängige Wirtschaftseinheit zur Fremdbedarfsdeckung) und Flansch (allgemeinen ein Ansatz an Rohren, Maschinenteilen oder Gehäusen zur Verbindung, Kupplung, Abdichtung oder zum Verschließen).
=> Subkulturelle Namensgebung für weibliches Individuum, das sein umfassendes Bildungsdefizit  und die daraus resultierende fehlende Aussicht auf einen betrieblichen Aufstieg durch karrierefördernden Geschlechtsverkehr zu kompensieren sucht.

Artverwandte Begriffe: Hobelbank, Chefentsafter, Vorzimmerpflaume, Volksmund.

Vorkommen und Häufigkeit: Der Betriebsflansch findet sich in nahezu jedem Betrieb und ist aus artenschutzrechtlicher Sicht nicht als gefährdet einzustufen. Für gewöhnlich fristet er  zunächst oft ein unscheinbares Nischendasein. Dieses Phänomen steht in engem Kausalzusammenhang zu seiner Gepflogenheit, sich mit jedem Wort, das seinen lippenstiftverschmiertes Saug-, Blas- und Sprechorgan verlässt,  als strunzdumm zu erkennen zu geben.

Dabei bemüht sich der Betriebsflansch nach Leibeskräften, seine ausufernde  Blödheit durch häufiges Lachen und unangemessene Wortäußerungen zu kaschieren. Dem Betriebsflansch ist die bewährte Lebensweisheit „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal das Maul halten“ genauso eng vertraut, wie die baustatischen Berechnungsunterlagen der Fehmarnsundbrücke. Also mit anderen Worten: gar nicht.

Äußeres Erscheinungsbild: Gerne unterstreicht der Betriebsflansch den Bände sprechenden Gesamteindruck durch augenkrebserregende Farbkombinationen seiner Oberbekleidung, brechreizverursachende Discounter-Parfüme, blond getönte,  auftoupierte oder anderweitig vergewaltigenden Manipulationen an seinem Kopfhaar, einer unter  dem viel zu kurzen T-Shirt deutlich hervorquellenden Solariumwelle und einem ausladenden, von Cellulite durchsetzten Arschgeweih. Als besondere Überraschung hält der Betriebsflansch für den zielstrebig vordringenden Genitalinteressenten ein Schamhaarstyling (z.B. Irokesenschnitt, Stoppelschnitt oder Vollrasur) und ein Intim-Piercing bereit.

Das Intim-Piercing und seine Verwendung: Dieses meist bereits grünlich patinierte Schmuckstück dient dem Betriebsflansch im Falle von Dienstreisen in erster Linie dazu, sich im Rahmen der Sicherheitskontrollen an Flughäfen verdächtig zu machen. Dabei wird das Piercing derart groß gewählt, dass der Metalldetektor des Ordnungspersonals sicher anspricht. Im Anschluss sieht der Betriebsflansch erwartungsvoll einer gründlichen Leibesvisitation entgegen.

Im Übrigen unterliegt das Intim-Piercing hauptsächlich der innerbetrieblichen Nutzung. Sein durch die Gehbewegung des Betriebsflanschs erzeugtes fröhliches Klimpern und Klingeln zielt auf die frühkindlichen Erfahrungen der männlichen Besserverdiener, die sich unterbewusst an das Läuten des Bescherungsglöckchen an Heilig Abend erinnern sollen. Dahinter steht die Absicht, bei Kollegen und Vorgesetzten eine freudige Erregung sowie den unstillbaren Wunsch zu erzeugen, die hinderliche Verpackung zu entfernen und die dargebotene Gabe baldmöglichst auszupacken.

Der Zielerreichung abträglich erscheint jedoch häufig die missbräuchliche Benutzung des Intim-Piercings als Darmwindspiel. Zwar lässt sich damit das gleiche Klingeln und Klimpern erzeugen, allerdings wirkt sich die dabei entstehende Aromaglocke oft hemmend auf das sexuelle Verlangen der kollegialen Genitalinteressenten aus.

pollenbach-frueling22Sexualpsychologische Reproduktionsmethodik am Beispiel des Arschgeweihs: Neben dem Piercing setzt der Betriebsflansch gerne das Arschgeweih als psychologisches Fortpflanzungsmittel ein. Das Arschgeweih wird gegen Entgelt auffällig im Bereich zwischen der oberen Analfalte und den mittleren Lendenwirbeln platziert. Liegt der Betriebsflansch nun in Vorbereitung seines Karrieresprungs bäuchlings und unbekleidet vor dem zur Kopulation eingeladenen Leitungsmitarbeiter, appelliert das Arschgeweih an den männlichen Urtrieb und vermittelt den optischen Reiz eines in Angriffstellung lauernden Konkurrenzbocks.

Darauf reagiert besonders der geschäftsführende Mitarbeiter mit einem  signifikanten Anstieg seines Testosteron- und Adrenalinspiegels, den er im Wege einer Übersprunghandlung in einen wütend aggressiven Kopulationsrausch umsetzt. Der Gedanke an den rechtzeitigen Einsatz von Verhütungsmitteln gerät dabei konsequent in den Hintergrund, womit dem Arschgeweih ein wichtiger arterhaltender Kontext zukommt.

Weitgehend unerforscht ist die Strategie des Betriebsflanschs, seine Kopulationschancen in der Chefetage durch den gezielten Einsatz von Pheromonen (Sexuallockstoffe) zu erhöhen. Als gesichert darf angenommen werden, dass der Betriebsflansch beim ersten geringfügigen Anstieg der Außentemperaturen einen kurzen Minirock trägt, der nur wenige Finger breit unter dem Bikinibereich endet.

Aus strategischen Gründen verzichtet er auf die Nutzung von Hygieneartikeln, Seife, Duschgel und Unterwäsche, um im Bereich der stark frequentierten Betriebsräume eine gut wahrnehmbare Lockspur zu hinterlassen. Gerne reibt sich der Betriebsflansch mit seinen mannigfaltigen Duftdrüsen an Türzargen, Sitzgruppen, Getränkeautomaten, Schreibtischen, Hosenbeinen und den Wangen seiner Vorgesetzten. Seine Spur führt meist vom Vorzimmer des Geschäftsführers über den Kopierer in die Besenkammer. Dort hält  der Betriebsflansch ein stabiles und höhenverstellbares Bügelbrett bereit, das sich in Abhängigkeit von der Körpergröße des Genitalinteressenten für den eigentlichen Bügelakt stufenlos anpassen lässt.

Soziale Bedeutung: Der Betriebsflansch genießt in seinem Betrieb mittelfristig einen hohen Bekanntheitsgrad. Dies umfasst ebenso seine Intimfrisur, das  Piercing, das Arschgeweih, die Blinddarmnarbe und die lustigen Muttermale in seiner Leistengegend.  Frei nach dem Motto „Eine für alle – alle für eine“ huckelt er sich vom Lehrling über den Abteilungsleiter, dem Betriebsrat bis in die Chefetage, wo er nach dem Geschlechtsakt oft auf Jahre reglos verharrt oder fortan seine weitere Existenz mit Mätressendiensten bestreitet.

Die aus solchen Verbindungen entstehenden Nachkömmlinge werden als „Kretin“ (französisches Fremdwort für =>Juniorchef) bezeichnet. Dem Juniorchef ist dabei gemeinhin unbekannt, dass er seine Existenz lediglich einem verhütungsmittelverhütenden Arschgeweih zu verdanken hat.

Grundsätzlich jedoch vererbt sich auf diesem Weg der väterliche Wohlstand des Geschäftsführers  und das Intelligenzpotential des Betriebsflanschs direkt auf den Juniorchef, was erklärt, warum diese Typen mit Geld um sich werfen, schnelle Autos fahren, teure Klamotten tragen, ständig die Fresse aufreißen, von nichts Ahnung haben und unterm Strich zu blöd sind, sich den eigenen Arsch abzuputzen.

Saisonale Besonderheiten: Der Betriebsflansch tummelt sich besonders gerne auf Firmenweihnachtsfeiern (Winter) und Betriebsausflügen (Sommer). Dabei tritt er zunächst zurückhaltend auf, um die noch nüchterne Zielgruppe nicht zu sehr zu ängstigen. Mit dem Fortschreiten der Veranstaltungen tanzt der Betriebsflansch nackt auf den Bierbänken und sorgt in Herrentoiletten (Winter) oder hinter Koniferenhecken (Sommer) für geistig-körperliche Zerstreuung. Er ist hinsichtlich der Abarbeitung der Genitalinteressenten zahlenmäßig nicht limitiert und stellt sich auch gerne gleichgeschlechtlich intervenierend zur Verfügung, wenn dies für sein weiteres Fortkommen erforderlich ist.

Besonders auffällig zeigt sich der Betriebsflansch während des Karnevals. Meist trägt er zu Weiberfasching eine gut erkennbare Krawatte, die vom Knoten bis zu der pfeilförmig auslaufenden Spitze mit dem Schriftzug „Dortmund“ versehen ist. Inwiefern dieses Attribut jedoch seine Chancen auf ein spontanes Angebot zur Ausübung des Oralverkehrs erhöht, ist noch weitgehend unbekannt.

Wissenschaftliche Untersuchung und empirische Feldforschung: Angesichts der noch ungesicherten Erkenntnisse zu der wirtschaftlichen Bedeutung des Betriebsflanschs und seinen Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt, führt die Universität Greifswald ein aktuelles Forschungsprojekt durch. Der Titel: „Der Betriebsflansch, sein Einfluss und seine Auswirkungen auf die innerbetriebliche Arbeitsmotivation und Gruppendynamik im Kontext zur Betriebsproduktivität.“ Wir haben uns entschlossen, dieses Projekt zu unterstützen.

Dafür benötigen wir Ihre Hilfe: Bitte nennen Sie uns Betriebe, in denen ein Ihnen bekannter und in Gebrauch befindlicher Betriebsflansch tätig ist, und senden Sie bitte den Firmen- und Mitarbeiterinnennamen an tobias.knopp@seknews.de (gerne auch ohne Wissen der Betroffenen). Wir behandeln die Informationen wahrscheinlich vertraulich und bedanken uns schon jetzt für Ihre Mitarbeit!

*Fotos: Bouloubassis / A. Bucurescu /  www.pixelio.de



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