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Pollenbach: Weltspartag

Von Tobias Knopp

weltspartagPollenbach. Haben Sie es bemerkt? Es war mal wieder Weltspartag. Jenes Datum der flächendeckend organisierten Exekution einer zunehmend seltener werdenden Spezies: der „Taler-Sau“ (porca extexo). Was viele nicht wissen, ist, dass der Weltspartag eigentlich am 31. Oktober jeden Jahres begangen wird. Und da frage ich mich immer wieder, ob das was mit der Nacht vor Allerheiligen zu tun hat? In dieser Nacht sollen ja die verstorbenen Ahnen nach althergebrachtem heidnischen Glauben durch die Welt der Lebenden wandeln. Und ich sage Ihnen was: Das stimmt!

Gut, ich kann mich auch täuschen, aber ich bin mir fast sicher, dass mir letztes Jahr am 31. Oktober auf dem Friedhof Robert Lembke begegnet ist. Eigentlich ist das unmöglich, zumal allgemein bekannt ist, dass die Asche von „Wutzel-Robert“ in ein Sparschwein geschaufelt wurde und seitdem im Archiv der ARD vor sich hin staubt. Aber man hat ja schon Pferde vor der Apotheke k***** sehen.

Apropos „K*****“: Der Weltspartag lädt insgesamt auch immer dazu ein, darüber nachzudenken, was man sich noch so alles sparen kann. Zum Beispiel den Friedensnobelpreis für einen amerikanischen Präsidenten, der die Berichte über die durch seine Streitkräfte ausgeübten Folterverbrechen lieber verheimlicht, als sie zu veröffentlichen.

Oder eine Grippeschutzimpfung. Stellen Sie sich das doch mal vor: Da wird monatelang eine öffentliche Hysterie geschürt, mit Abermilliarden Euro Steuergeldern werden Impfstoffe produziert und am Ende stellt sich heraus, das niemand das Zeug haben will. Ja woran liegt es denn jetzt? Ist das Virus nicht wirklich gefährlich oder sind die Leute nicht doof genug? Keine Ahnung.

Gut, ich weiß was mir die ängstlichen Naturen an dieser Stelle entgegen halten: „Obacht! Schon sind auch in Deutschland die ersten Toten zu verzeichnen!“ Klar, keine Frage. Aber selbst bei der lange heraufbeschworenen Top-Katastrophe der späten 70er Jahre (der Absturz des „Skylab“) wurde damals gemutmaßt, der Erdboden sei anschließend meterhoch mit verstrahlten Opfern übersäht (die älteren Leser erinnern sich)!

Die wenigen Opfer, die es dann wirklich gab, hatten sich Aluminiumfolie ummantelte Frühwarnhelme andrehen lassen und fristen seitdem ihr Leben in der Klapsmühle. Zugegeben,  schick sahen die Foliendinger damals ja aus. Mussten sie aber auch, beim dem Preis …

Andererseits: Wenn wir uns jetzt nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen, müssen wir uns nicht wundern, wenn bei der nächsten Pandemie kein Impfstoff mehr  produziert wird. Herrschaften, es wird gegessen, was auf den Tisch kommt! Meine Mutter hat früher auch immer gesagt: „Junge, wenn Du die Kartoffeln nicht isst, kriegst Du hinterher keinen Nachtisch!“ Aber unter uns: Sie ist trotzdem auf den Kartoffeln sitzen geblieben …

Was können wir uns sonst noch sparen? Zum Beispiel weiter im Quellekatalog zu blättern. Oder am Wochenende den Hausarzt anzurufen. Der ist sowieso nicht erreichbar. Und wozu auch kleckern statt klotzen, wenn man nur die „112“ wählen muss und der Notarzt wenige Augenblicke später mit großem Aufgebot vorfährt? Der bringt dann gleich noch zwei Sanikumpels mit, die einen auf sanften Armen in die medizinische Fürsorge tragen.

So, und jetzt rechnen wir mal wieder: In meinem Fall kostet eine sonntägliche Taxifahrt zur Ärztlichen-Bereitschaftsdienst-Zentrale satte 12,49 Euro. Für den Transport mit einem Krankenwagen muss ich aber nur 10 Euro zuzahlen und das ohne zweistündige Wartezeit in einem viruskontaminierten Wartezimmer. Reingewinn: 2,49 Euro  und 120 Minuten. Heißa! Da wird aber jeder Tag zum Weltspartag!

Nebenbei, liebe Geschlechtsgenossen: Haben Sie sich schon mal gefragt, welcher Trottel die Zeitungen im Wartezimmer so aussucht? Ich meine, da schleppt man sich als gestandener Mann unter Aufwendung der letzten Lebenskraft zu seinem Arzt, lässt sich unter den wissenden Blicken der Mitleidenden mit einem Herz zerreißenden Schrei auf einen Stuhl niedersinken, ringt begleitet von hektischen Atemzügen mit dem Tod und soll dann sein kümmerliches Leben zu den schwuchteligen Zeilen von „Brigitte“ und der „Frau im Spiegel“ aushauchen? Ja, Herrschaften, wo sind wir denn hier?

Liebe Ärzte: Ich bin Privatpatient (was bedeutet, ich gehe nicht gewerblich zum Arzt)! So, und das nächste Mal will ich in Eurer Wartebude die neuste Ausgabe des „Playboy“ lesen. Wenn Ihr da nicht rankommt, tut es auch das „Deutsche Waffenjournal“. Und die ganzen Pharmaprospekte über Scheidenpilze und Blasenschwäche könnt Ihr Euch dahin stecken, wo es gerade am meisten juckt! Ich hoffe, dass das jetzt klar ist. Gut.

Ach so, noch ne Frage: Welches infektiöse Ferkel leckt eigentlich beim Umblättern der Seiten immer die rechte untere Ecke an? Ich meine, beim „Playboy“ könnte ich es ja noch verstehen. Aber warum dann die rechte Ecke? Ob das wohl Absicht ist?  Vorstellen könnte ich mir allerdings schon, dass der Herr Doktor ausgewählte Patienten fragt:

„Haben Sie eine hoch ansteckende Erkrankung? Ja? Gut, dann gehen Sie mal raus ins Wartezimmer und lecken Sie die Ecken der Apothekenumschau an.“ Ich meine, die Ärzte verdienen zu wenig, und man muss ja sehen, wo man bleibt. Da sollte doch wenigstens der Patientennachschub gesichert sein.

Ja, Herrschaften, wo man auch hinsieht, wird gespart. Der „Geist der Schwaben“ hängt wie ein undurchdringlicher Nebel über den Köpfen der krisengebeutelten Pfennigfuchser und tanzt zu den kargen Klängen einer schottischen Melodei. Und neben meinem Klapprechner, in den ich diese Zeilen hämmere, steht ein großes Porzellanschwein auf dem Schreibtisch und grinst mich frech an – wohlwissend, dass ich mir seine Schlachtung ob seiner gähnenden inneren Leere gänzlich sparen kann.

Wie lange ist es wohl her, dass Oma und Opa dort fünf Mark reingeworfen haben und ich in Erwartung opulenter Geschenke dem Bankschalter entgegen hastete? Weltspartag! Da wurde der Schalterraum meiner Sparkasse zur „Neverland-Ranch“ der Kleinstkapitalisten.

Auch heute noch denke ich, da muss man einfach mitmachen, selbst wenn das eigene Sparschwein leer ist. Wäre es eigentlich moralisch verwerflich, vorzeitig vom Generationenvertrag Gebrauch zu machen? Ich glaube, nein. Gut. Wo ist eigentlich das Sparschwein meiner Tochter…?

*Foto: Hofschaeger / pixelio.de



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