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Torhungrige MT besiegt Dormagen

Kassel/Melsungen. Eine neue Saisonbestmarke in der Rubrik „erzielte Tore“ verhalf Handball-Bundesligist MT Melsungen am Samstagabend vor 1.756 Besuchern in der Kasseler Rothenbach-Halle zu einem ungefährdeten 36:31 (16:12)-Erfolg gegen den TSV Dormagen. Kurioser kann ein Handballspiel eigentlich gar nicht beginnen. Dormagen hatte von den ersten fünfeinhalb Minuten geschätzte fünf den Ball. Endlose Angriffsstafetten fanden jedoch nicht die kleinste Lücke im dichten Abwehrgeflecht der Hausherren, die sich zudem auf Mario Kelentric verlassen konnten. Der Kroate holte sich die zwei Bälle, die mehr schlecht als recht den Weg bis zu seinem Kasten schafften, die anderen drei fing schon die Abwehr vor ihm ab.

Dann ging alles sehr schnell: zwei, maximal drei Spielstationen bis zum gegnerischen Kreis, Wurf, Tor. Entweder mit etwas Glück, wie beim 1:0, als Nenad Vuckovic nach einem Missverständnis zwischen Vladica Stojanovic und Alexandros Vasilakis schneller zupackte als die Gästeabwehr und sofort durch die Deckung und die Beine von Jens Vortmann einnetzte. Oder mit Einsatz von Ivan Brovka, der das Leder nach einem zu weiten Abwurf von Mario Kelentric auf Vuckovic mit einem beherzten Hechtsprung sicherte und noch im Liegen blitzschnell den von der Bank kommenden Stojanovic zum 3:0 bediente. Oder auch mit Kraft und Entschlossenheit, die Vasilakis beim fünften Treffer in schöner Einzelleistung demonstrierte. Die MT war kaum einmal länger als fünf Sekunden in Ballbesitz und trotzdem mit 5:0 in Führung. Eine Effektivität, die wohl kaum zu übertreffen ist. Klar, dass Gästetrainer Kai Wandschneider schon ganz früh die Notbremse in Form der grünen Karte zur Auszeit ziehen musste. Der nächste Versuch des TSV schloss sich an. Jetzt mit Florian Wisotzki für Nils Meyer als Spielmacher und dem Ex-Melsunger Spyros Balomenos auf Halblinks. Jedoch zunächst nicht besser als zuvor. Zwischen 5:18 Min., dem Ende der Auszeit, bis 6:43 Min. waren ausschließlich Dormagener Hände am Leder. Dann der Ballverlust, ein schneller Pass nach vorn, drei Schritte Anlauf von Savas Karipidis und 6:0 – einfacher kann Handball nicht sein.

Vielleicht war es aber zu einfach, denn die Konzentration ließ sichtbar nach. Jens Vortmann im Gästetor hatte endlich Gelegenheit sich auszuzeichnen, parierte gegen den völlig frei am Kreis aufgetauchten Nenad Vuckovic sowie einen Vasilakis-Kracher hervorragend. Dazu strich ein Wurf von Vladica Stojanovic knapp übers Lattenkreuz und zielte Nenad Vuckovic um Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Eine Einladung an die Dormagener, die vor allem in Person von Spyros Balomenos dankend annahmen. Dreimal traf der Mann, der regelmäßig gegen seinen Ex-Verein groß auftrumpft. Und weil plötzlich auch seine Nebenleute neuen Mut fassten schmolz der Melsunger Vorsprung langsam. Besonders der junge Bobby Schagen, erst durch den verletzungsbedingten Ausfall von Tobas Plaz in die Startformation gerückt, kam wesentlich besser ins Spiel. Nach 18 Minuten war der TSV plötzlich wieder auf 10:8 heran, Mario Kelentric machte entnervt für Robert Lechte Platz.

Es blieb vom Ergebnis weiter relativ eng, doch im Spiel änderte sich wenig. Die Gäste mussten immer noch mehr für ihre Tore arbeiten, hatten weiter ungleich länger den Ball in ihren Reihen. Melsungen spielte wesentlich ökonomischer und setzte sich durch zwei feine Treffer vom eingewechselten Jens Schöngarth wieder ab. Nur kurz allerdings, denn Florian Wisotzki und Maciej Dmytruszynski verkürzten. Die Abstimmung fehlte plötzlich in der rot-weißen Hintermannschaft. Jeder machte sein Ding, gesprochen wurde wenig. So wie eben beim 14:12 (26.), als Savas Karipidis einen Schritt nach außen machte und sich Jens Schöngarth gleichzeitig nach innen orientierte. Der überraschte Dmytruszynski nutzte die sich plötzlich ergebende Lücke. Doch was die Melsunger an diesem Abend auszeichnete war das Erkennen kritischer Situationen und das Finden der richtigen Maßnahmen dagegen. So diente eine Bankstrafe gegen Thomas Klitgaard eher der Rückkehr zum konzentrierten Mannschaftsspiel, als dass sie eine Schwächung gewesen wäre. Alexandros Vasilakis und Savas Karipidis per Siebenmeter sorgten für eine komfortable Halbzeitführung.

Auch die zweite Hälfte brachte keine neuen Erkenntnisse: Dormagen spielte und spielte und spielte, Melsungen konterte und traf. Glatte 95 Sekunden hatte das unparteiische Bruderpaar Andreas und Marcus Pritschow dem TSV zugestanden – ohne zählbaren Erfolg. Allerdings verloren die Bartenwetzer das Leder im ersten Versuch des schnellen Spiels nach vorn gleich wieder. Die nächsten 65 Sekunden planloses Ballgeschiebe schlossen sich an bis zum zweiten Melsunger Gegenstoß, den Thomas Klitgaard diesmal verwertete. Und wieder viel Geduld der Referees bis Sebastian Linder endlich, nach dreidreiviertel absolvierten Minuten, das Spielgerät im Tor unterbrachte. Geschlagene 228 Sekunden Spielzeit, in denen die MT bestenfalls 10 in Ballbesitz war. Kein Wunder, dass das Publikum mit Pfiffen reagierte. Kurzzeitig brandete auch wieder Jubel auf, als Alexandros Vasilakis zum 18:13 Savas Karipidis bediente. Doch die Pfiffe kamen umso lauter wieder, als das Schiedsrichterpaar in den Folgeminuten den Faden zu verlieren schien.

Den Anfang dieser hektischen und wenig ansehenswerten Phase machte die zweite Hinausstellung für Thomas Klitgaard (37.). Zwar rauften sich die Bartenwetzer in Unterzahl wie schon Ende der ersten Hälfte zusammen und trafen durch Alex Vasilakis sowie Nenad Vuckovic, doch zweimal Bobby Schagen und einmal Kristian Nippes nutzten die Verunsicherung in der Melsunger Mannschaft, die plötzlich jeden Vorteil abgepfiffen bekam. Die Tore fielen auf beiden Seiten in schneller Folge, sehenswerte Spielzüge gab es nicht. Und so kam es, dass Maciej Dmytruszynski den durchgebrochenen Grigorios Sanikis in der Wurfbewegung am Wurfarm nach unten riss. Eine Aktion, die aus Dormagener Sicht mit zwei Minuten angemessen bestraft gewesen wäre. Die dem Polen aber den roten Karton einbrachte und damit zu lauten, heftigen Protesten führte. Was wiederum die Unparteiischen veranlasste, direkt im nächsten Angriff Thomas Klitgaard zum dritten Mal auf die Strafbank zu schicken. Florian Wisotzki war vor der Abwehr ins Straucheln gekommen und in zwei Melsunger hineingestolpert. Einer davon war der Däne, der prompt zielsicher als Übeltäter ausgemacht, und damit ebenfalls disqualifiziert wurde (42.). Einen Siebenmeter gab es noch obendrauf.

Vielleicht wäre das Spiel angesichts dieser Geschehnisse doch noch gekippt, wenn nicht Robert Lechte den fälligen Strafwurf von Michiel Lochtenbergh gehalten hätte. Und wenn die folgende Maßnahme von Kai Wandschneider nachhaltig Erfolg gehabt hätte. Der ließ seine Abwehr nämlich plötzlich schon bei neun Metern auf die Melsunger Angreifer warten. Was denen überhaupt nicht schmeckte und zu Ballverlusten führte. Bobby Schagen und Sebastian Linder verkürzten auf 24:21, Dormagen wäre fast wieder im Geschäft gewesen. Wenn nicht Alexandros Vasilakis und Daniel Tellander mit einem Doppelschlag innerhalb 15 Sekunden wieder auf 26:21 (45.) erhöht hätten. Was wiederum Kai Wandschneider umgehend zum Nehmen einer Auszeit veranlasste. Zugegeben, es waren viele „wenn“ dabei. Aber in diesen Minuten entschied sich eine Partie, der durch einige wenige kritische Entscheidungen auf beiden Seiten fast jede Linie abhanden gekommen wäre. Ohne die Leistung der Gäste schmälern zu wollen muss man die geschlossene Melsunger Mannschaftsleistung herausheben, die sich nicht in dieser künstlich geschaffenen Hektik verlor, sondern immer zur rechten Zeit das Heft wieder fest in die Hand nahm.

Die Schlussviertelstunde brachte im Prinzip die Rückkehr zur Anfangsphase. Mit dem Unterschied, dass nun auch die Gäste regelmäßig trafen. Ansonsten blieb die Rollenverteilung wie gehabt: Dormagen mit viel Anlauf und endloser Geduld der Referees, Melsungen zumeist kurz und knackig. So viele Tore aus Gegenstößen sowie erster und zweiter Welle wie an diesem Abend gab es in der gesamten Saison noch nicht von den Nordhessen. Und weil Robert Lechte im Tor an seine vorzügliche Leistung gegen Hannover-Burgdorf vor zwei Wochen anknüpfte, fielen auch die Stockfehler in seiner äußerst braven Hintermannschaft kaum auf. Vorn gab es jedenfalls genug Grund zu jubeln, auch weil immer wieder Sahnestücke eingestreut wurden wie der Traumpass von Grigorios Sanikis zum an den Kreis vorgestoßenen Nenad Vuckovic zum 29:23 oder die feine Vorarbeit von Alexandros Vasilakis zum 35:29 durch Felix Danner. Und so standen am Ende folgerichtig eine neue Bestmarke auf der Anzeigetafel, denn 36 Tore in einem Spiel gab es für die MT in dieser Bundesliga-Saison bislang noch nicht.

Stimmen zum Spiel:
Kai Wandschneider:
Wir haben in den ersten fünf Minuten hier voll gepennt und standen gar nicht auf der Platte. Es stand nach fünfeinhalb Minuten 0:5, und wenn man so will sind es am Ende auch diese fünf Tore Unterschied geblieben. Wir haben nicht ins Spiel gefunden, uns dann aber reingekämpft. Das fand ich richtig klasse von meiner Mannschaft. Sie hat den Kampf angenommen und wir sind rangekommen bis auf 12:14. Dann hatten wir kurz vor der Halbzeit Überzahl und haben in dieser Phase vier Bälle verworfen. Ich glaube, sonst hätte es ein etwas knapperes Halbzeitergebnis geben können. Ein Satz sei mir noch gestattet: Ich fand, das war ein richtig gutes Bundesligaspiel von zwei Mannschaften, die leidenschaftlich gekämpft haben. Aber beide Mannschaften haben unter einer ausgesprochen schlechten Schiedsrichterleistung gelitten.

Ryan Zinglersen: Ich bin natürlich ganz froh über das Ergebnis. Wir haben das Spiel im Griff gehabt, meiner Meinung nach über die gesamte Spielzeit. Wir haben sehr, sehr gut angefangen mit viel Feuer. Das hat mir sehr gut gefallen. Unsere Gegenstöße, diese schnellen, einfachen Tore. Das war noch nicht oft so in dieser Saison, aber heute eben. Unsere Abwehr mussten wir ein bisschen umbauen wegen der Verletzung von Franck Junillon, aber Thomas Klitgaard und Felix Danner haben alles gegeben und gekämpft. Auch Savas Karipidis hat mir gut gefallen nach seiner langen Verletzungspause. Und alle Spieler die aufs Feld geschickt wurden haben getroffen. Das spricht für unsere Breite im Kader. In der Schlussphase haben wir zu hektisch gespielt. Aber man muss natürlich auch sehen, dass Dormagen wirklich bis zum Schluss gekämpft hat. (Bernd Kaiser)

Statistik:

MT Melsungen – TSV Dormagen 36:31 (16:12)

Melsungen: Kelentric, Lechte – Brovka 2, Schöngarth 2, Klitgaard 1, Tellander 2, Tzimourtos, Vasilakis 7, Stojanovic 4, Treutler (n.e.), Danner 3, Sanikis 2, Karipidis 8/3, Vuckovic 5/1.

Dormagen: Vortmann, Feshchanka – Wisotzki 5, Holst 2, Schagen 6, Balomenos 5, Meyer, Linder 3, Dmytruszynski 1, Wittig, Mahé 1/1, Nippes 7, Lochtenbergh 1/1.

Zeistrafen: 3/3 (Klitgaard / Balomenos, Nippes, Dmytruszynski).

Siebenmeter: 4/5 – 2/4 (Vuckovic scheitert an Vortmann – Lochtenberg scheitert an Lechte, Holst unterläuft techn. Fehler).

Schiedsrichter: Pritschow/Pritschow (Leinfelden-Echterdingen/ Stuttgart).

Zuschauer: 1.756, Rothenbach-Halle Kassel.

Spielfilm: 2:0 (3.), 5:0 (6.), 7:3 (9.), 9:4 (12.), 9:6 (15.), 10:8 (18.), 12:9 (21.), 14:10 (24.), 14:12 (27.), 16:12 (HZ), 17:12 (33.), 19:13 (36.), 22:17 (39.), 24:19 (42.), 26:21 (45.), 28:22 (48.), 30:24 (51.), 31:25 (54.), 31:27 (57.), 36:31 (EN)



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