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Familie in Zeiten der Krise

Filmprojekt mit Jugendlichen der Hephata-Wohngruppe Kassel

Kassel.
In zwei Wochen ist Siham Nurhussen zum Kaffeekränzchen eingeladen. Siham ist 16, sie floh vor einem Jahr vor Krieg und Verfolgung aus Eritrea, lebt jetzt in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge der Hephata-Jugendhilfe in Kassel. Ihre Gastgeberin ist 80, sie erlitt auch Gewalt, Hunger und Verlust – im Zweiten Weltkrieg. Die Frauen merkten bei einem Filmprojekt des Kulturzentrums Schlachthof, dass sie sich was zu sagen haben. „Krise und krisenhaftes Leben“, so lautete das Thema eines mehrteiligen Kunstprojektes, das der gemeinnützige Verein Kulturzentrum Schlachthof Kassel in den vergangenen Osterferien initiierte. Ziel war es, mit den Mitteln der Kunst Migration und Interkultur zu thematisieren.

Gemeinsam mit zwölf Künstlern, teilweise Studenten der Kunsthochschule Kassel, und mit Fördermitteln des Fonds Soziokultur stellte das Kulturzentrum sieben Workshops auf die Beine. 100 Jugendliche nahmen daran teil. Einer dieser Workshops war ein Filmprojekt unter Leitung des Kasseler Filmemachers Behrooz Karamizade. Sechs Jugendliche aus den Hephata-Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sowie zwei Jugendliche aus dem Stadtteil nahmen daran teil. Sie traten dabei nicht vorrangig als Handelnde auf, sondern produzierten den Film, führten Regie, machten Ton und Schnitt. Das Thema Familie und Freunde wurde dabei zum Zentrum des Streifens.

„Ich fand es interessant, dass in Zeiten von Wirtschaftskrise und globaler Krise die Jugendlichen auf das Thema Familie gekommen sind“, sagt Ayse Gülec, Mitarbeiterin des Kulturzentrums. Und dies Generationen übergreifend: Im ersten Teil der 17-minütigen Doku-Collage geht es um das Leben im Hephata-Wohnhaus, zwei Bewohnerinnen kommen zu Wort, berichten auf Englisch davon wie es ist, die Familie zurück zu lassen, vielleicht auch zu verlieren. Und einen Neustart zu wagen, mit einer Art Ersatzfamilie. „Als wir den Film in den Wohngruppen gedreht haben, hatte ich am meisten Spaß. Unsere Beziehungen, unsere Freundschaften, unser Leben vorzustellen, das war toll. Die meisten Menschen denken, dass wir hier alleine sind. Aber das sind wir nicht, wir sind wie eine Familie“, sagt Siham Nurhussen. Im zweiten Teil des Filmes sprechen die Jugendlichen mit Senioren des Stadtteiltreffs Mombach. Auch sie haben Krieg erlebt, Hunger, Angst und Verlust. „Das gegenseitige Interesse und die Aktualität der Erlebnisse wurden dabei ganz deutlich. Kunst hat eben das Potenzial, Menschen in Austausch zu bringen“, sagt Ayse Gülec.

Vor rund vier Wochen wurde der Film zum ersten Mal präsentiert. Künstler, Senioren, die Bewohner der Wohngruppe – alle zusammen sahen sich an, was sie geschaffen hatten. Danach gab es lange Gespräche – und für Siham die Einladung zum Kaffeetrinken. Für ihren Mitbewohner Habib Azizi neue Denkanstöße: „Mich haben die alten Leute interessiert. Wenn ich höre, was sie über den Krieg sagen, denke ich über unsere Probleme, über den Krieg in meinem Land nach.“ Der 17-Jährige kam vor einem halben Jahr aus Afghanistan nach Deutschland. In seinem Mutterland hatte er bereits bei einer Filmproduktion mit gearbeitet, Theater gespielt und auch eigene Stücke geschrieben. Hier war er verantwortlich für den Schnitt des Dokumentarfilms. Ihn brachte das Projekt auch beruflich weiter, demnächst wird er ein Praktikum in einem Kasseler Kulturhaus beginnen. Sein größter Traum ist nach dem Fachabitur die Kunsthochschule – „im Film kenn ich mich aus“.

Der Film ist auch bei der „Interkulturellen Woche“ in Kassel vom 24. September bis 2. Oktober zu sehen. Der Film wird am Dienstag, 28. September, ab 14 Uhr im Kulturzentrum Schlachthof, Mombachstraße 10-12, 34127 Kassel, gezeigt. Der Eintritt ist frei. (me)



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