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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

20 Jahre Deutsche Einheit

Daten und Fakten aus den 16 Bundesländern

Hessen. Die statistischen Ämter der Länder haben zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 2010 die Entwicklungen in den 16 deutschen Ländern anhand statistischer Daten und Fakten unter die Lupe genommen. Im Fokus steht nicht die Frage, was Ost und West unterscheidet, sondern wie sich die Lebensverhältnisse im wiedervereinigten Deutschland entwickelt haben. Entstanden ist die Gemeinschaftsveröffentlichung „Von Bevölkerung bis Wahlen – 20 Jahre Deutsche Einheit in der Statistik“. Darin sind Daten zu den Themen „Bevölkerung“, „Bildung“, „Wirtschaft“, „Erwerbstätigkeit“, „Tourismus“, „Umwelt und Verkehr“, „Gesundheit“, „Wohnen“, „Soziales“ sowie „Wahlen“ in übersichtlichen Grafiken und anschaulichen Karten aufbereitet und in kurzen Texten kommentiert.

Bevölkerungsverluste nicht nur in den neuen Bundesländern

Hohe Abwanderung und kräftige Geburtenrückgänge führten vor allem in den Neunzigerjahren in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen zu einer deutlichen Verringerung der Einwohnerzahlen. In diesen Ländern ist die Bevölkerungszahl heute zwischen zehn und 16 Prozent kleiner als im Jahr 1991. Aber nicht alle neuen Länder haben so hohe Bevölkerungsverluste erlitten: Brandenburg konnte mit einem Rückgang um weniger als ein Prozent seine Bevölkerungszahl nahezu stabil halten. Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein profitierten Anfang der Neunzigerjahre am stärksten von Zuwanderungen. Die Bevölkerungszahlen dieser Länder legten seit der Wiedervereinigung zwischen sieben und acht Prozent zu. Hessen erreichte eine etwa halb so hohe Zunahmerate (plus 3,9 Prozent); hervorgerufen wurde der Zuwachs durch Zuwanderungen aus dem Inland und noch stärker aus dem Ausland. In Bremen und im Saarland dagegen sanken die Bevölkerungszahlen seit der Wiedervereinigung (minus 3,2 Prozent bzw. minus 4,3 Prozent).

In allen Bundesländern immer mehr alte Menschen

In allen Bundesländern ist die demografische Alterung spürbar. In den neuen Ländern ist dieser Effekt jedoch stärker. Zu Beginn der Neunzigerjahre war der Anteil der jungen Menschen dort vergleichsweise hoch, in der Folgezeit sind aber besonders viele junge Menschen aus den neuen Ländern abgewandert. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise sank der Anteil junger Menschen unter 20 Jahren von über 27 Prozent im Jahr 1991 auf nur noch 16 Prozent im Jahr 2008. Zugleich verdoppelte sich der Anteil der Älteren ab 65 Jahren von elf auf 22 Prozent. In Hessen sank der Anteil der Jüngeren leicht von 20,1 auf 19,4 Prozent und derjenige der Älteren stieg von gut 15 Prozent auf knapp 20 Prozent.

Auch der kräftige Einbruch der Geburtenrate als Folge der enormen sozialen und wirtschaftlichen Umbrüche nach der Wende hat zur stärkeren Alterung der Gesellschaft in den neuen Ländern beigetragen. Mittlerweile haben die neuen Länder aber wieder aufgeholt: Hinsichtlich der Geburtenrate ist 20 Jahre nach der Wiedervereinigung kein Unterschied mehr zwischen den alten und den neuen Bundesländern festzustellen.

Eine deutliche Ost-West-Teilung zeigt sich beim Anteil der nicht ehelich geborenen Kinder. Während in den neuen Ländern schon seit dem Jahr 2000 mehr Kinder außerhalb einer Ehe geboren werden als innerhalb, liegt dieser Anteil in den alten Bundesländern bei lediglich etwa einem Viertel. Am höchsten ist der Anteil der außerehelich Geborenen in der kreisfreien Stadt Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern mit 72 Prozent, am niedrigsten im Kreis Böblingen in Baden-Württemberg mit 16 Prozent.

Hohes Wirtschaftswachstum in den neuen Ländern
Zwischen 1991 und 2009 stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im wiedervereinigten Deutschland um 23 Prozent. Aufgrund des geringen Ausgangsniveaus und des Aufholprozesses waren die Wachstumsraten in den neuen Ländern in den Neunzigerjahren besonders hoch. So legte hier der Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen mit 77 Prozent deutlich stärker zu als in den alten Ländern (plus 19 Prozent; jeweils ohne Berlin). Das stärkste Wachstum verzeichnete in dieser Zeit Thüringen; hier hat sich das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nahezu verdoppelt. Insgesamt nahm der Anteil der neuen Länder am deutschen Bruttoinlandsprodukt im Betrachtungszeitraum von sieben auf knapp zwölf Prozent zu. Unter den alten Ländern lag Hessen (plus 20,2 Prozent) beim Wirtschaftswachstum hinter Bayern (plus 34,8 Prozent) auf dem zweiten Platz.

Kräftiger Rückgang der Zahl der Arbeitsplätze in den neuen Ländern
In Deutschland gab es im Jahr 2009 insgesamt knapp 40,3 Millionen Erwerbstätige, das waren 1,64 Millionen bzw. 4,3 Prozent mehr als 1991. Die Entwicklung in den Ländern verlief jedoch sehr unterschiedlich. Während Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern mit jeweils etwa elf Prozent deutliche Zuwächse verzeichneten (Hessen: plus 6,6 Prozent), sank die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen-Anhalt (minus 21,2 Prozent) und Thüringen (minus 17,2 Prozent) stark. Zusammengefasst verloren die neuen Bundesländer als Folge des enormen Strukturumbruchs seit 1991 etwa eine Million Arbeitsplätze, in den alten Ländern (jeweils ohne Berlin) kamen bis 2009 dagegen knapp 2,7 Millionen Arbeitsplätze hinzu. Heute befinden sich – bei einem Bevölkerungsanteil von 16,5 Prozent- 14 Prozent aller Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern. Im Jahr 1991 waren es noch 18 Prozent, der Bevölkerungsanteil lag bei 18,9 Prozent.

Arbeitsproduktivität in den neuen Ländern deutlich stärker gestiegen als in den alten
Die Arbeitsproduktivität, gemessen als Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, stieg seit 1991 in allen Ländern beträchtlich. Besonders kräftig war der Anstieg zwischen 1991 und 2009 in den fünf neuen Ländern; dort verdreifachte sich die Arbeitsproduktivität in etwa. In den alten Bundesländern waren die Produktivitätszuwächse moderater, sie lagen zwischen 26 Prozent in Rheinland-Pfalz und 50 Prozent in Bremen. In Hessen war ein Plus von etwa 44 Prozent zu verzeichnen.

Arbeitslosenquote in allen Ländern gesunken

Im Jahr 2009 lag die Arbeitslosenquote, also die Zahl der Arbeitslosen bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, in Deutschland bei 8,2 Prozent. Am niedrigsten war sie in Bayern (4,8 Prozent) und in Baden-Württemberg (5,1 Prozent), am höchsten in der Bundeshauptstadt Berlin (14,1 Prozent) sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (jeweils 13,6 Prozent). Im Vergleich zu 1997 sind die Arbeitslosenquoten heute in allen Bundesländern deutlich niedriger. Bundesweit lag die Quote 2009 um 3,2 Prozentpunkte unter derjenigen von 1997. Am stärksten war der Rückgang in Sachsen-Anhalt mit einem Minus von 6,7 Prozentpunkten, gefolgt von Thüringen (minus 6,4 Prozentpunkte). In Hessen verringerte sich die Arbeitslosenquote um 2,5 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent. Diese positive Entwicklung am Arbeitsmarkt ist vor allem auf die Arbeitsmarktreformen zurückzuführen, die zwischen 2003 und 2005 in Kraft traten.

Verfügbares Einkommen: Abstand zwischen Ost und West hat sich deutlich verringert

Seit 1991 stieg das verfügbare Einkommen in den neuen Ländern wesentlich stärker als in den alten Ländern. Dadurch verringerten sich die extremen Unterschiede, die es kurz nach der Wiedervereinigung noch gab, deutlich. Im Jahr 1991 lag das Einkommen, das die Menschen für Konsum- und Sparzwecke zur Verfügung hatten, in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen noch um gut 40 Prozent unter dem damaligen Durchschnittswert der 16 Länder (12.509 Euro je Einwohner); bis 2008 ist der Abstand vom Durchschnitt (18.974 Euro je Einwohner) auf 21 Prozent und weniger zurückgegangen. In Hessen legte das verfügbare Einkommen im Betrachtungszeitraum von 13.600 auf 19.800 Euro je Einwohner zu.

Attraktive Urlaubsziele an den Küsten und in den Bergen

Urlauber zieht es hauptsächlich an die Küsten und in die Berge. So verzeichnete Bayern im Jahr 2009 mit 26,4 Millionen absolut die meisten Gäste. Bezogen auf die Einwohnerzahl steht jedoch Mecklenburg-Vorpommern ganz vorn. Dorthin kamen zwar „nur“ 6,9 Millionen Gäste, bezogen auf 1.000 Einwohner waren das jedoch 4.175 Gästeankünfte und damit fast doppelt so viele wie in Bayern (2.107 Gäste je 1.000 Einwohner). In Hessen lag der entsprechende Wert bei 1.845 Gästen je 1.000 Einwohner bei 11,2 Millionen Gästen.

Beim Betreuungsangebot für die Jüngsten liegen die neuen Bundesländer weit vorne
Im Bundesdurchschnitt wurde 2009 für jedes fünfte Kind unter drei Jahren die Betreuung in einer Kindertageseinrichtung oder in der öffentlich geförderten Kindertagespflege in Anspruch genommen. Weit über diesem Durchschnittswert lagen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Berlin und Sachsen mit Werten zwischen 40 und 55 Prozent. Für die drei- bis unter sechsjährigen lag die Betreuungsquote 2009 bundesweit bei 92 Prozent. Rheinland-Pfalz wies in dieser Altersgruppe mit 96,2 Prozent die höchste Quote aus, dicht gefolgt von Thüringen (95,9 Prozent); Hessen lag bei 92,2 Prozent. Die niedrigsten Betreuungsquoten wurden in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen mit einer Spanne von 79,9 bis 88,1 Prozent ausgewiesen.

Wahlbeteiligung in allen Ländern rückläufig

An der Wahl zum 12. Deutschen Bundestag beteiligten sich 1990 von den mehr als 60 Millionen Wahlberechtigten im Durchschnitt in allen Ländern knapp 78 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern nutzten damals die wenigsten Wahlberechtigten ihr Stimmrecht (71 Prozent) und im Saarland die meisten (85 Prozent); (Hessen: 81,1 Prozent). Bei der Wahl zum 17. Bundestag im Jahr 2009 beteiligten sich deutschlandweit nur noch knapp 71 Prozent und damit so wenige wie noch nie bei einer Bundestagswahl. Die Spanne lag zwischen 60,5 Prozent in Sachsen-Anhalt und 73,8 Prozent in Hessen.

Preise

Die Printversion der Veröffentlichung „Von Bevölkerung bis Wahlen – 20 Jahre Deutsche Einheit in der Statistik“, 84 Seiten, kostet 5 Euro (inklusive Versandkosten). Bezug: Hessisches Statistisches Landesamt, Vertriebsstelle, 65175 Wiesbaden oder per E-Mail: vertrieb@statistik-hessen.de. Als PDF-Datei kann die Publikation im Internet-Angebot der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder unter http://www.statistikportal.de/Statistik-Portal/20JahreDeutscheEinheit.pdf kostenfrei herunter geladen werden. (red)



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