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Sprungbrett Unternehmensnachfolge: Beratungsbedarf stagniert im IHK-Bezirk

„80 Prozent bereiten sich nicht rechtzeitig auf die Übergabe vor“

Kassel. Der Beratungsbedarf der Unternehmen beim Thema Nachfolge steigt bundesweit. Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) führten 2009 laut dem aktuellen DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge knapp 4.900 Beratungsgespräche mit Senior-Unternehmern, die ihren Betrieb abgeben wollen – nach 4.800 im Vorjahr. Im Bezirk der IHK Kassel stagniert die Anzahl: Die Kammermitarbeiter standen im vergangenen Jahr 25 Senior-Unternehmern, die ihren Betrieb an einen Nachfolger übergeben wollten, in direkten Gesprächen mit Tipps und Informationen zur Seite. 2008 waren es 30. „Das größte Hemmnis bei der Nachfolge ist, dass sich 80 Prozent der Senior-Unternehmer nicht rechtzeitig auf die Übergabe vorbereiten“, berichtet Carsten Heustock, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik, Unternehmensförderung und International. Die Faustformel: Mindestens fünf Jahre bevor Firmenchefs aus dem Unternehmen ausscheiden, sollten sie sich intensiv mit der Nachfolge beschäftigen.

Zu den größten weiteren Hürden für einen erfolgreichen Stabwechsel im Kammerbezirk zählt Heustock, dass Firmenchefs emotional nicht loslassen können (2009: 50 Prozent, Vorjahr: 40 Prozent) und keinen passenden Nachfolger finden (40 Prozent, Vorjahr: 80 Prozent). Fast jeder Dritte fordere einen überhöhten Kaufpreis (2008: 80 Prozent). Heustock: „Oft treten mehrere dieser und weiterer Hemmnisse bei Senior-Unternehmern gleichzeitig auf.“ Die starken Schwankungen bei den Prozentzahlen seien einer niedrigen Grundgesamtheit geschuldet.

Auch bei potenziellen Übernehmern existiert eine Mixtur verschiedener Hinderungsgründe. „60 Prozent haben Schwierigkeiten bei der Finanzierung, 50 Prozent unterschätzen die Anforderungen einer Übernahme“, sagt Heustock. 2008 lagen die Vergleichswerte bei 70 Prozent (Finanzierung) und 60 Prozent (Anforderungen Übernahme). 30 Prozent der Interessenten fanden im vergangenen Jahr laut Heustock kein passendes Unternehmen (2008: 20 Prozent).

Etwa 40 Prozent der Senior-Unternehmer entschieden sich für den Verkauf, weil eine familieninterne Nachfolge nicht möglich ist. „Allerdings unterschätzt mehr als jeder dritte Nachfolger den Investitions- und Finanzierungsbedarf“, erläutert Heustock. „Nachfolger müssen vom ersten Tag an die Ärmel hochkrempeln: Betriebswirtschaftliches Know-how ist ebenso gefordert wie die Unternehmerpersönlichkeit.“

Auf Bundesebene gibt es immer mehr Unternehmensnachfolgen im Mittelstand. Die IHKs konnten deutschlandweit im Jahr 2009 mehr als 1.000 Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger vermitteln: 13 Prozent mehr als im Vorjahr. „Leider erhalten wir derzeit selten eine Rückmeldung, ob eine Nachfolge erfolgreich geregelt werden konnte“, berichtet Heustock mit Blick auf den IHK-Bezirk Kassel. „Daher wissen wir nicht, wie viele erfolgreiche Unternehmensnachfolgen wir über die Nachfolgebörse www.nexxt-change.org in die Wege leiten konnten.“ Für Nordhessen und den Altkreis Marburg gibt es in der kostenlosen Online-Nachfolgebörse www.nexxt-change.org bei den Angeboten eine rückläufige Tendenz.

Dabei bietet die demografische Entwicklung für übernahmeinteressierte Gründer die Chance, aus einer größeren Anzahl von Unternehmen zu wählen, die aus Altersgründen übergeben werden müssen. Ein Trend, der sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird. „Es ist daher empfehlenswert, das Thema Selbstständigkeit in Lehrplänen von Schulen und Universitäten zu etablieren“, erklärt Heustock. „Denn mit Blick auf die demografische Entwicklung ist es für Firmenchefs immer schwieriger, einen passenden Nachfolger zu finden.“


Hintergrund: Angebot und Gesuche im IHK-Bezirk Kassel (kostenlosen Online-Nachfolgebörse www.nexxt-change.org)


Angebote:

2007: zirka 150 Unternehmensanfragen (auch doppelte dabei: zum Beispiel Gesuche erneut eingestellt)
2008: zirka 130 Unternehmensanfragen (auch doppelte dabei)
2009: zirka 100 Unternehmensanfragen (auch doppelte dabei)
2010: aktuell Unternehmensanfragen (auch doppelte dabei – erwartet für 2010 insgesamt: zirka   90)

Gesuche:
2007: 38 Nachfolger (Existenzgründer, die ein bestehendes Unternehmen übernehmen möchten) (auch doppelte dabei)
2008: 28 Nachfolger (Existenzgründer) (auch doppelte dabei)
2009: 19 Nachfolger (Existenzgründer) (auch doppelte dabei)
2010: aktuell 26 Nachfolger (Existenzgründer) (auch doppelte dabei – erwartet für 2010 insgesamt: 30)


Service: Kostenloser Nachfolgesprechtag

Für alle, die Fragen zur Unternehmensnachfolge haben oder Einzelaspekte erörtern möchten, bietet die IHK Kassel (Kurfürstenstr. 9) am Mittwoch, 20. Oktober, von 9 bis 15 Uhr einen kostenlosen Nachfolgesprechtag an. Anmeldungen sind für die persönlichen Gesprächstermine erforderlich (Dauer: 45 Minuten). Informationen zum Thema Unternehmensnachfolge und Anmeldung: Carsten Heustock, Telefon (0561) 7891-277, Fax: (0561) 7891-475, E-Mail: heustock@kassel.ihk.de. Der nächste Sprechtag findet am Mittwoch, 8. Dezember, von 9 bis 15 Uhr statt.

Service: Kostenfreie Nachfolgebörse www.nexxt-change.org
Bundesweit nach externen Übernehmern suchen, wenn sich kein Nachfolger innerhalb der Familie oder der Mitarbeiterschaft findet: Dazu dient die kostenfreie Online-Börse www.nexxt-change.org. Gleichzeitig wird Existenzgründern als potenziellen Übernehmern eine Alternative zur Neugründung eines Unternehmens geboten. Ziel ist es, mit Hilfe der betreuenden Regionalpartner wie der IHK Kassel, geeignete Kontakte zwischen beiden Parteien herzustellen. Inserate sind in den Rubriken „Angebote“ und „Gesuche“ möglich.

Recherchetipp:
Den vollständigen DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2010 mit bundesweiten Zahlen und Einschätzungen finden Sie auf der Startseite der IHK Kassel unter www.ihk-kassel.de. (red)



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