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Gute Ansätze aber keine Wende: MT verliert beim TVG

Aschaffenburg/Melsungen. Die MT Melsungen hat es nicht geschafft, die Hebel nach der Beurlaubung von Trainer Matiaz Tominec sofort umzulegen. Beim TV Großwallstadt setzte es mit 27:34 (13:18) die achte Niederlage der Saison. Trotzdem war längst nicht alles schlecht an diesem Abend. Auch wenn das Ergebnis und die unzähligen individuellen Fehler ein anderes Bild zu zeichnen scheinen.

Da wäre vor allem der starke Start der Mannschaft, die in der Anfangsphase nicht nur Paroli bieten konnte, sondern nach Oliver Köhrmanns Führungstreffer durch Alexandros Vasilakis und Savas Karipidis selbst die Initiative übernahm. Bis auf Köhrmann, der dreimal in Folge erfolgreich war, konnte zunächst kein Großwallstädter die dicht gestaffelte Melsunger Abwehr knacken. Auch Mario Kelentric begann stark und entschärfte sofort einen Ball von Stefan Kneer sowie einen Wurf aus Nahdistanz von Joakim Larsson. Nenad Vuckovic traf nach feiner Einzelleistung mit Körpertäuschung zum 2:3, Karipidis verwandelte sicher den ersten Siebenmeter nach Foul an Andrej Klimovets. Die Spieler auf dem Feld waren die gleichen, die in den Wochen zuvor so oft enttäuscht hatten, nur diesmal von Beginn an mit einer ganz anderen Körpersprache.

Natürlich nicht ganz fehlerlos. Was auch nicht zu erwarten war. Dennoch brachten diese kurzen Aussetzer die MT-Akteure immer wieder um den Lohn für ihre engagierte Vorstellung. Wie das Missverständnis zwischen Grigorios Sanikis und Savas Karipidis auf der rechten Seite, das direkt zum 5:4 durch einen Gegenstoß von Michael Spatz führte. Kleinigkeiten, die sofort wieder am Nervenkostüm kratzten und Wirkung zeigten. Abzulesen am Pfostentreffer von Karipidis, der statt zum Ausgleich direkt wieder in den Gegenangriff und zum 8:6 für die Gastgeber durch Jens Tiedtke führte. Der nächste Nackenschlag folgte durch den zweiten von Klimovets herausgeholten Strafwurf. Den setzte Karipidis nämlich nur an die Latte. Es war wieder der Wurm drin, ohne dass man hätte sagen können warum.

Entgegen aller Erwartungen zerbrach die MT aber nicht an diesen Patzern. Noch nicht. Erst sorgten zwei starke Szenen von Mario Kelentric wieder für Zuversicht. Gegen Csaba Szücs hielt er glänzend, ermöglichte Karipidis den Anschlusstreffer. Dann krönte er eine starke Abwehrleistung von Felix Danner gegen Larsson mit einem weiten Pass auf Michael Allendorf, den dieser zum 8:8-Ausgleich nutzte. Nach einer Viertelstunde schien der Tabellenletzte auf dem besten Wege zu sein, die Misserfolge der letzten Zeit vergessen zu machen.

Aber die folgenden Minuten zeigten Grigorios Sanikis und Nenad Vuckovic Nerven. Ein Missverständnis der beiden bescherte Andi Kunz freie Bahn zum 10:8. Die Möglichkeit zum Anschluss vergab Sanikis mit einem unvorbereiteten Wurf links am Kasten von Mattias Andersson vorbei. Larsson machte das 11:8, Vuckovic scheiterte aus der zweiten Reihe am Schweden im TVG-Tor. Auch wenn Karipidis noch einmal verkürzen konnte war mit einem Schlag alles Selbstvertrauen der Bartenwetzer dahin. Ein Schrittfehler von Sanikis hatte das 13:9 durch Kunz zur Folge, für den anschließenden Fehlpass des Griechen bedankte sich Spatz mit dem 14:9 – der Vorentscheidung. Innerhalb nur acht Minuten war alles dahin, was vorher sehr viel versprechend aussah. Von diesen fünf Toren Rückstand kam die MT bis zur Pause nicht mehr herunter.

Sicher war das eine Vorentscheidung im Spiel. Dennoch war von Aufgabe keine Spur. Im Gegenteil war Leben in der Mannschaft, und vor allem auch auf der Bank. Da feuerte Karipidis in einer schöpferischen Pause seine Mitspieler lautstark an, sprang Predrag Dacevic bei Allendorfs Gegenstoß zum 16:12 auf und ballte Mario Kelentric, der sich zwischenzeitlich mangels Glück bei den Würfen der Mainfranken selbst ausgewechselt hatte, bei gelungenen Abwehraktionen symbolisch die Faust.

Auf diese positive Stimmung hätte man nach der Pause durchaus aufbauen können. Wenn nicht das positive Engagement in Übermotivation umgeschlagen wäre. Jens Schöngarths unvorbereiteter Hüftwurf am rechten Pfosten vorbei gleich nach Wiederbeginn und eine weitere Fahrkarte zwei Minuten später bestraften die Gastgeber ebenso konsequent, wie die beiden Wurfversuche von Sanikis. Da konnte auch das wirklich schöne Tor vom eingelaufenen Karipidis per Sprungwurf aus der Halbposition nichts mehr richten. Zumal Allendorf noch einen Siebenmeter vergab. Und den Mainfranken damit ermöglichte, spielentscheidend auf 23:14 davon zu ziehen (38.).

Die letzten 20 Minuten verliefen wieder weitgehend ausgeglichen. Großwallstadt konnte es sich im Gefühl des sicheren Sieges leisten, nun auch nicht mehr jede sich bietende Chance zu nutzen. Was wiederum die Gäste besser ins Spiel brachte und ihnen sogar leichtes Oberwasser beschied. Einsatz war sowieso weiterhin da, wie man bei Michael Allendorfs artistischer Einlage zur Rettung des Ballbesitzes fast schon jenseits der Grundlinie erkennen konnte. Oder am zweiten Rückraumtor von Savas Karipidis, das die MT beim 27:22 wieder auf fünf Treffer heranbrachte. Zwischendurch zog Alexandros Vasilakis zweimal erfolgreich kurz und trocken aus der zweiten Reihe ab, bevor er den dritten Versuch wieder ohne ausreichende Vorbereitung versiebte. Das Dilemma waren immer wieder diese kurzen, kaum erklärbaren Blackouts, die den Nordhessen zum Verhängnis wurden. Und die Großwallstadt mit der Cleverness eines Europacup-Teilnehmers eiskalt ausnutzte.

Exemplarisch zum Unterschied beider Mannschaften die 54. Minute: Felix Danner trifft seinen Gegenspieler in der Abwehrbewegung unglücklich und unbeabsichtigt im Gesicht, muss für zwei Minuten runter. Michael Spatz wirft kurz darauf einen Siebenmeter an den linken Pfosten, bekommt den zurückspringenden Ball aber genau in die eigene Vorwärtsbewegung und verwandelt den Nachwurf. Im Gegenzug setzt sich Savas Karipidis herrlich am Kreis durch, trifft aber nur die Unterkante der Latte. Mattias Andersson reagiert schneller als alle anderen und passt den Ball auf Oliver Köhrmann, der lang an Michael Spatz weiterleitet und damit das nächste TVG-Tor vorbereitet. Und auch die letzte Aktion des Spiels charakterisiert das fehlende Quäntchen Glück der Melsunger im Moment: die Schlusssirene ertönte gerade, als das Leder aus Felix Danners Hand in Richtung Kasten von Andersson unterwegs war. Und beraubte ihn damit des Schlusspunktes, der allerdings auch nicht mehr als Ergebniskosmetik gewesen wäre.

Unter dem Strich hinterlässt dieser erste Auftritt der Mannschaft nach der Beurlaubung ihres Trainers zwiespältige Eindrücke. Wobei klar sein musste, dass momentan grundlegende Schwachstellen wie etwa die schwachen Torhüterleistungen nicht über Nacht ausgemerzt werden können. Bedenklich stimmt auch, dass das Spiel über den Kreis kaum funktionierte.  Ausgesprochen erfolgreich lief es hingegen auf den Außenpositionen, die oft das Ziel der Anspiele aus dem Rückraum waren. 13 Treffer von den Flügeln belegen dies. Dabei meldetet sich Savas Karipidis mit einer starken Vorstellung (8 Tore bei nur zwei Fehlversuchen) eindrucksvoll zurück. Nicht nur daran war zu erkennen, dass der Zusammenhalt und das mannschaftliche Spiel deutlich besser geworden sind. Was wiederum die Stimmung nach oben bringt, wie Interimstrainer Sandor Balogh auch in der anschließenden Pressekonferenz bestätigte. Emotionales Mitgehen und Anfeuern der Kollegen von der Bank hatte man zuletzt kaum zu sehen bekommen. In Großwallstadt war das sogar bei hohem Rückstand zu beobachten. Und was vielleicht das Wichtigste war: die Mannschaft bedankte sich nach Spielende geschlossen bei der handvoll mitgereister MT-Fans.

Stimmen zum Spiel

Sandor Balogh: Wir haben uns das Spiel etwas anders vorgestellt. Aber bei uns haben die Türhüter-Leistungen überhaupt nicht gestimmt, und Csaba Scücs hatten wir so stark nicht auf der Rechnung. Beides zusammen bildete die Grundlage unserer Niederlage. Ansonsten hat die Mannschaft eine akzeptable Leistung gezeigt. Man hat deutlich gemerkt, dass die Stimmung besser war als zuletzt.

Michael Biegler: Wir waren gut beraten, dieses Spiel unter der Rubrik „brandgefährlich“ abzulegen. Das ist immer so, wenn es beim Gegner einen Trainerwechsel gab. Bei Melsungen kam hinzu, dass sie gute Individualisten in ihren Reihen hat. Da muss man volle 60 Minuten hoch konzentriert bleiben, was uns bis auf zehn Minuten in der zweiten Hälfte gelungen ist. Jeden Fehler der MT haben wir mit hoher Geschwindigkeit nach vorn getragen. (Bernd Kaiser)

Statistik

TV Großwallstadt: Andersson (11 P.), Rominger (1 P.) – Spatz 9/4, Weinhold 2, Kneer, Tiedtke, Larsson 5, Jakobsson, Schäpsmeier 1, Kunz 2, Reuter, Köhrmann 5, Szücs 9, Kossler 1.

MT Melsungen:
Kelentric (5 P.), Lechte (3 P.) – Schöngarth 1, Klimovets, Schweikardt, Torbica 2, Vasilakis 3, Danner 1, Sanikis 2, Karipidis 8/1, Allendorf 4, Vuckovic 5/1, Dacevic 1, Sania.

SR: Christian Moles (Heddesheim) / Lutz Pittner (Laudenbach).

Zeitstrafen: 4 – 4 Minuten (Szycs, 40.; Weinhold, 51; – Karipidis, 21.; Danner, 54.).

Strafwürfe: 6/5 – 4/2 (Karipidis trifft die Latte, 13.; Allendorf scheitert an Rominger, 36.; Spatz trifft den Pfosten, 54.).

Zuschauer
: 3.113 in der f.a.n. frankenstolz arena, Aschaffenburg.



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