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MT beschenkt Fans und sich mit einem Derbysieg

Kassel/Melsungen. Mit einem 26:24 (10:15) im heiß umkämpften Hessen-Derby gegen die HSG Wetzlar baute die MT Melsungen ihren Lauf auf 9:1 Punkte aus den letzten fünf Spielen aus. Vor 3.236 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle, darunter etwa 250 mitgereiste Fans aus Mittelhessen, drehten die Rot-Weißen ein zur Pause schon fast verloren geglaubtes Spiel.

Es hätte eigentlich ein unkompliziertes, problemarmes Derby für die Roth-Schützlinge werden können. Wenn das unbeschwerte Spiel der ersten knapp zehn Minuten eine Fortsetzung gefunden hätte. Da zeigte sich die MT nämlich ihren Gästen klar überlegen. Wie gewohnt mit dem Wechsel vom zunächst nur in der Abwehr eingesetzten Felix Danner und Grigorios Sanikis im Angriff, der den frühen 0:1-Rückstand durch Kari Kristiansson postwendend per Sprungwurf ausglich. Dann war Alexandros Vasilakis dran, dessen Treffer sofort von Philipp Müller gekontert wurde. Allerdings leistete sich der Wetzlarer beim Zurücklaufen ein Foul gegen Vasilakis und musste schon nach etwas mehr als drei Minuten auf die Sünderbank. Nenad Vuckovic besorgte die nächste Führung, die nach einem Abwehrblock gegen Alois Mraz durch Andrej Klimovets nach schönem Anspiel von Savas Karipidis sogar ausgebaut werden konnte.

Als aber Nikolai Weber, der in der nächsten Saison nach Melsungen wechseln wird, nach neun gespielten Minuten Alex Vasilakis den ersten Ball des Abends wegfischte, brach plötzlich die gesamte nordhessische Angriffsherrlichkeit in sich zusammen. Weil sich parallel zur Flaute im Angriff auch Mario Kelentric nicht auszeichnen konnte, kamen die Gäste schnell zum Ausgleich. Vor allem Philipp Müller gab der Melsunger Abwehr und ihrem Schlussmann einige Rätsel auf. Im direkten eins-gegen-eins mit Widerpart Alex Vasilakis blieb meist der Grieche Sieger. Stach Müller aber nach einem Schritt zur Mitte genau in die Nahtstelle zwischen Vasilakis und Klimovets, dann hatte er freie Bahn. Das 6:7 nach elf Minuten war bereits sein fünfter Treffer, und gleichzeitig der Beginn einer ganz starken Phase der HSG.

Für die vor allem Nikolai Weber verantwortlich zeichnete. Er kaufte Felix Danner innerhalb 40 Sekunden zwei völlig freie Tempogegenstöße ab, bevor der in seinem dritten Versuch nach feinem Vuckovic-Zuspiel endlich auch einmal Sieger blieb und zum 9:10 verkürzen konnte. Praktisch im Gegenzug machte Kari Kristjansson das 9:11, was der letzte Treffer für einige Minuten bleiben sollte. Obwohl beide Seiten ihre Chancen hatten, unter anderem je einmal vom Siebenmeterpunkt. Aber Savas Karipidis scheiterte an Weber, nachdem ihn Müller auf dem Weg zur Ausführung unter verbale Dauerattacke nahm. Mit Erfolg, wie der unkonzentrierte Versuch des MT-Rechtsaußen zeigte. Danach trat Lars Friedrich für die Gäste an, hob das Leder aber über Kelentric nur an die Latte.

Eine von Michael Roth genommene Auszeit sollte eigentlich wieder für Ruhe und Struktur im Angriff sorgen, verfehlte ihr Ziel aber. Weil Weber zweimal glänzend gegen den MT-Rückraum parierte, Sanikis ausrutschte und Wetzlar die sich bietenden Möglichkeiten durch Kevin Schmidt und Timo Salzer eiskalt nutzte. Es wurde hektischer auf dem Feld. Nacheinander mussten Grigorios Sanikis und schon zum zweiten Mal Philipp Müller für zwei Minuten auf die Bank. Was unter dem Strich den Gästen half, die weiter vom ideenarmen Spiel der Nordhessen profitierten und in Nikolai Weber den wesentlich erfolgreicheren Keeper im Vergleich zum glücklosen Mario Kelentric zwischen den Pfosten hatten. Ein Ungleichgewicht, das sich später noch entscheidend umkehren sollte. Doch zunächst blieben die Gäste noch tonangebend und bauten ihre Führung bis zum Pausenpfiff auf fünf Tore aus.

Nach einer sicherlich deutlichen Ansprache von Michael Roth in der Halbzeitpause kam die MT wie ausgewechselt aus der Kabine zurück. Taktisch wich die löchrige 6:0-Formation in der Defensive einer offensiveren 5:1-Variante, in der Michael Allendorf vorgezogen den HSG-Rückraum wirkungsvoll störte. Hätten nicht Karipidis und Allendorf aus aussichtsreichen Positionen vergeben, wäre die MT schon früher wieder dran gewesen. So blieb es vorerst bei zwei Erfolgen von Vuckovic und Klimovets, bevor Kristjansson und Jungwirth per Tempogegenstoß den alten Abstand wieder herstellten. Dann aber kam der Bartenwetzer-Express endgültig in die Spur und ließ die Melsunger Fans staunen und jubeln, während die Gesichter der Wetzlarer Fraktion auf den Rängen immer länger wurden. Vor allem, als erst Friedrichs Hand im Gesicht von Sanikis landete, der Wetzlarer auf die Bank musste und Melsungens Grieche praktisch als Strafe auf dem Fuße zum 14:17 einnetzte. Zweimal Karipidis und einmal Allendorf per Strafwurf legten nach, und nach exakt 40 Minuten begann die Partie noch einmal von neuem.

Ausgeglichen zunächst. Weil die Hausherren zwar mittlerweile wieder deutlich Oberwasser hatten, Wetzlar aber tapfer dagegen hielt. Allerdings begann in dieser Phase schon, was der HSG später zum Verhängnis werden sollte: Kristjansson traf beim Stand von 17:18 völlig frei nur den Pfosten. Auf der anderen Seite hatte Allendorf das Glück, mit einem von der Grundlinie aus angesetzten Dreher Weber zu überwinden. Dann hatte Salzer Pech mit Holz und durfte sich bedanken, dass Friedrich den Ball von Klimovets zurück eroberte und ihm einen zweiten, diesmal erfolgreichen Versuch ermöglichte.

Spielerisch fehlte dem Derby in dieser Phase sicher eine Menge. Doch an Kampf, Spannung und Dramatik wurde von beiden Seiten alles geboten. Nach Allendorfs 20:20 war Steffen Fäth dran mit einem Lattenkracher. Doch die Riesenchance zur MT-Führung ließ Allendorf aus, als er mit einem Siebenmeter am eingewechselten Milos Hacko scheiterte. Zu allem Überfluss musste Klimovets nach einer unglücklichen Abwehraktion auf die Bank. Um ein Haar ohne Folgen, weil Mario Kelentric inzwischen Gegenüber Nikolai Weber klar in den Schatten stellte. Doch zwei Sekunden vor seiner Rückkehr traf Alois Mraz zur erneuten Gästeführung, und ausgerechnet Giorgos Chalkidis, der ehemalige Melsunger, legte das 20:22 nach. Gefolgt allerdings von einer Schlüsselszene. Denn nach einer Glanzparade von Weber gegen Vasilakis parierte Kelentric im Gegenzug einen weiteren Versuch von Philipp Müller und ermöglichte Savas Karipidis im Gegenstoß den Anschlusstreffer. Müller war davon so beeindruckt, das er sich den nächsten Wurf trotz völlig freier Bahn gar nicht mehr nahm. Wetzlar kam durch seinen Alibi-Querpass in Zeitnot, Mraz musste einen erfolglosen Notwurf ansetzen und Nenad Vuckovic traf im Konter zum erneuten Ausgleich. Ein weiterer Ex-Melsunger trat auf den Plan: Daniel Valo traf zweimal hintereinander, beantwortet aber jeweils von Sanikis.

Die letzten 140 Sekunden waren an Dramatik dann kaum noch zu überbieten. Stehend bedachten die Fan-Lager gemeinsam beide Kontrahenten mit Ovationen. Daniel Valo hätte zum Helden für Wetzlar werden können, wenn sein raffinierter Heber über Kelentric hinweg ins Tor getrudelt wäre statt Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Doch noch während der Halbrechte noch mit seinem Pech haderte war die MT längst zur Gegenattacke gestartet. Michael Allendorf bekam das Leder völlig frei am linken Flügel, legte aber ab an den besser postierten Vuckovic, der per Schlagwurf zur ersten Führung für die Hausherren seit der 9. Spielminute traf. Ohrenbetäubender Jubel brandete von den Rängen. Aber das war noch längst nicht die Entscheidung. Der stand ein weiterer Strafwurf im Wege. Kristjansson war zu Fall gebracht worden. Mario Kelentric verließ seinen Kasten, Robert Lechte kam. Wie schon einmal in der ersten Hälfte, als er machtlos war gegen Lars Friedrich. Doch diesmal blieb er Sieger, wehrte den Siebenmeter ins Seiten-Aus ab. Mraz versuchte sich mit einem Schlagwurf, blieb aber im Melsunger Deckungsblock hängen. Dann hatte es erneut Daniel Valo in der Hand, den Ausgleich und vielleicht doch einen Punkt zu sichern. Wieder, wie schon mehrfach zuvor an diesem Abend, war der Pfosten Endstation. Die MT hatte den Ball 30 Sekunden vor Ultimo bei eigener Führung in der Hand und diesen letzten Angriff schloss Grigorios Sanikis nach Zuspiel von Savas Karipidis zum 26:24 Sieg ab.

Stimmen zum Spiel
Gennadij Chalepo:
Schade, wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt. Aber so ist es eben im Sport. Unsere erste Halbzeit war sehr gut, da gab es nichts zu meckern. Die Abwehr stand, der Torwart stand, vorn waren wir sehr gut. In der zweiten Hälfte ist mit der 5:1-Abwehrumstellung von Melsungen bei uns Sand ins Getriebe gekommen. Dazu kamen einige technische Fehler und in den letzten zehn Minuten auch Pech mit ein paar Pfostentreffern. Und natürlich muss der letzte Siebenmeter bei solchen Spielen rein. Aber der Kampf war da und es ist schade für die Jungs, dass sie hier keinen Punkt geholt haben.

Michael Roth: Es war nicht nur ein typisches Derby, sondern auch ein Abstiegs-Kampfspiel. Das Wort Kampf stelle ich dabei in den Mittelpunkt. Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Rhythmus gefunden, waren zu spät an den Spielern von Wetzlar dran. Es kam dann eine Nervosität in meiner Mannschaft auf, die ich nun schon länger nicht mehr gesehen hatte und ich war froh, als erstmal die Halbzeit kam. Unser Motto war heute „cool bleiben, egal in welcher Situation“. Das Team hat schon mehrfach gezeigt dass es in der Lage ist, größere Rückstände aufzuholen. Und wenn man die zweite Hälfte 16:9 gewinnt, dann spricht das natürlich für uns. Durch unsere Umstellung auf eine 5:1-Abwehr hatte Wetzlar ganz offensichtlich Probleme. Das Spiel hat viel Kraft gekostet. Wir müssen jetzt schnellstens regenerieren und dabei trotzdem den Schwung mitnehmen in das nächste schwere Heimspiel am Sonntag gegen Magdeburg. (Bernd Kaiser)

Statistik

MT Melsungen – HSG Wetzlar 26:24 (10:15)

MT Melsungen: Kelentric (13 P.), Lechte (1 P.); Brovka (n.e.), Schöngarth 1, Mansson (n.e.), Klimovets 2, Schweikardt, Torbica (n.e.), Vasilakis 1, Danner 1, Sanikis 7, Karipidis 4, Allendorf 5/2, Vuckovic 5, Dacevic (n.e.), Sania (n.e.).

HSG Wetzlar: Weber (14 P.), Hacko (1 P.); Schmidt 1, Rompf (n.e.), Salzer 3, Valo 2, Jungwirth 2, Mraz 1, Müller 5, Chalkidis 1, Fäth, Friedrich 3/2, Sandu (n.e.), Kristjansson 6, Ludwig (n.e.).

SR: Bernd Methe (Vellmar) / Reiner Methe (Vellmar)

Zeitstrafen: 4 – 6 (Sanikis 24:52, Klimovets 47:30 – Müller 3:10 28:35, Friedrich 37:03)

Strafwürfe: 4/2 – 4/2 (Karipidis scheitert an Weber, 22.; Friedrich trifft die Latte, 23.; Allendorf scheitert an Hacko, 48.; Friedrich scheitert an Lechte, 59.)

Zuschauer: 3.236, Rothenbach-Halle, Kassel.

Spielfilm:
2:1 (2.), 4:2 (5.), 5:4 (8.), 6:6 (10.), 6:8 (12.), 6:8 (15.), 8:10 (18.), 9:11 (20.), 9:13 (25.), 10:14 (28.), 10:15 (HZ), 11:15 (32.), 12:16 (35.), 14:17 (38.), 16:17 (40.), 17:18 (42.), 19:19 (45.), 20:20 (48.), 20:21 (50.), 20:22 (52.), 22:23 (55.), 24:24 (57.), 25:24 (58.), 26:24 (EN).



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