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Hella Böker kehrt mit zwei Gold- und zwei Silbermedaillen aus Erfurt zurück

Erfurt/Melsungen. Mit zwei Siege und zwei zweiten Plätzen schlug sich Hella Böker (MT 1861 Melsungen) bei den deutschen Hallen- und Winterwurfmeisterschaften der Senioren, die am Wochenende in Erfurt ausgetragen wurden, über Erwarten gut und zeigte damit erneut, dass sie in der Konkurrenz nationaler und internationaler Spitzenkönner absolut bestehen kann. Der Wettkampfmarathon der Altersklasse der W70 mit drei Meisterschaften am ersten Tag begann am Samstagmittag mit dem Kugelstoßen.

Nachdem Hella Böker am 23. Januar bei den Landesmeisterschaften in Frankfurt als Siegerin 9,36 Meter erreicht hatte, schien es, als ob sie der Favoritin Karin Illgen aus Leipzig würde Paroli bieten können. Die beiden „Grande Damen“ der deutschen Leichtathletik, die sich schon vor 53 Jahren in der Jugendklasse bei den damaligen DDR-Meisterschaften spannende Duelle lieferten und in der Mitte des vorigen Jahrhunderts zur Weltklasse im Diskuswerfen gehörten, lieferten sich auch bei diesen Hallenmeisterschaften im Kugelstoßen einen packenden Zweikampf.

Nachdem Karin Illgen 8,77 Meter mit ihrem Auftaktstoß vorgelegt hatte, konterte Hella Böker im zweiten Durchgang mit 9,05 Meter. Diese Weite schien für alle anderen Kugelstoßerinnen zu einer Barriere geworden zu sein, denn niemand kam nur annähernd an die 9 Meter-Marke heran. Sie mühten und mühten sich, aber ihre Führung blieb zunächst unangetastet. Im fünften Versuch verbesserte sich die Melsunger Ausnahmeathletin sogar auf 9,24 Meter und sah wie die sichere Siegerin aus. Aber man darf sich nie zu früh freuen, denn im  sechsten und letzten Durchgang kam die Antwort von Karin Illgen, die man eigentlich schon viel früher erwartet hatte. Die Leipzigerin traf die Kugel im richtigen Winkel und hatte auch die Kraft, diesen weiten Stoß „zu halten“, also nicht überzutreten. Mit 9,27 Meter übernahm sie die Führung und lag damit drei Zentimeter vor Hella Böker, die noch einen Stoß hatte. Lange konzentrierte sie sich, aber beim Abstoß fehlte die „schnelle Schulter“ und die Beinstreckung, so dass sie die Leistung von Karin Illgen nicht mehr überbieten konnte.  „Nach der langen Führung fehlte mir kurz vor Schluss die Spannung. Als ich sie noch einmal aufbauen wollte, war es zu spät. Aber ich bin mit der Leistung und dem Wettkampf zufrieden“, betonte Hella Böker bei der Siegerehrung.

Eine Stunden später folgte das Speerwerfen. Es war eine Lehrstunde für die Konkurrenz, denn mit jedem ihrer fünf gültigen Würfe hätte Hella Böker diesen deutschen Meisterschaftstitel gewonnen. Bereits ihr erster Wurf, der weit über die 25Meter-Marke segelte, aber wegen Übertretens der Abwurfmarke ungültig gegeben werden  musste, war für die Konkurrenz ein so großer Schock, dass sie sich im Verlauf des Wettbewerbs nicht mehr davon erholte. Selbst Beate Möller aus Berlin, die angenommene Gegenspielerin im Kampf um den Titel, konnte die vielseitige Werferin aus Fuldabrück nicht gefährden. Während Beate Möller mit 22,19 Meter im ersten Durchgang über zwei Meter hinter ihrem Meldeergebnis zurückblieb, verbesserte sich Hella Böker bei diesem Duell um fast zwei Meter, so dass die Entscheidung so endete, wie man es erwartet oder vielleicht auch erhofft hatte: Die mehrfache Senioren-Welt- und Europameisterin aus Fuldabrück wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und ließ den 400 Gramm-Speer nach 25,88 und 25,53 Meter im letzten Durchgang auf 27,23 Meter segeln und hatte damit nicht nur über fünf Meter Vorsprung, sondern hätte mit dieser Leistung sogar in den Altersklassen W65 und W60 gewonnen. Mit dieser sehr eindrucksvollen Vorstellung rückte sie in die Rolle der ersten Anwärterin in der W70 in der kommenden Freiluftsaison auf eine Speerwurfweite von 30 Meter und mehr.

Als dritter Wettkampf am ersten Meisterschaftstag sollte das Diskuswerfen folgen.  Es war eine echte Winterwurfmeisterschaft, denn es schneite dicke Flocken und die Temperatur sank unter Null Grad. Wiederum herrschte Hochspannung, denn erneut trafen die ehemaligen Weltklasse-Werferinnen Karin Illgen und Hella Böker aufeinander. Die Seniorin aus Leipzig, die im Jahr 1970 mit 63,66 Meter den Frauenweltrekord von Liesel Westermann verbessern konnte, begann mit einem ungültigen Wurf. Hella Böker eröffnete ihre Serie mit 25,12 Meter. Da es immer stärker schneite und der Kreis immer glatter wurde, glaubten die anwesenden Zuschauer bereits, dass die Entscheidung in der Altersklasse der W70 gefallen war. Aber Karin Illgen, die gut vorbereitet nach Erfurt anreiste, übernahm im zweiten Durchgang mit 25,41 Meter kurz die Führung, denn Hella Böker konterte unmittelbar danach mit 25,59 Meter und setzte sich wieder an die Spitze des Feldes. Keine Werferin konnte sich im dritten Durchgang verbessern, so dass alle gespannt auf das Finale warteten. Die „großen Zwei“ hatten sich mit ihren Vorkampfleistungen bereits sehr eindrucksvoll von dem übrigen Teilnehmerfeld abgesetzt.  Spannung pur lag in der Luft, als  Karin Illgen zum vierten Mal  den glatten Ring betrat.  Nach einer kurzen Konzentrationsphase und einer langsamen Drehung steigerte sie sich erneut und schleuderte die 1kg-Scheibe auf 25,96 Meter.  Der immer stärker werdende Schneefall machte das Diskuswerfen nun zu einem Lotteriespiel. Hella Böker betrat in ihrem vierten Versuch recht zügig den Kreis, drehte recht schnell und warf explosiv ab. Leider landete der Diskus links außerhalb des Sektors. Statt 26 oder gar 27 Meter wurde der Wurf ungültig gewertet.  Alle Versuche, die Disken durch Einschlagen in Tücher vor der Nässe zu bewahren, hatten nur geringen Erfolg. Vielleicht blieb das Gerät halbwegs trocken, aber dafür stand im Ring eine Wasserlache und jede Drehung war in dem glitschigen Kreis mit einem Risiko verbunden. Im fünften Durchgang gab es keine Verbesserung. So musste der jeweils letzte Wurf entscheiden. Obwohl die Bedingungen immer miserabeler wurden, behielt Karin Illgen die Ruhe und verbesserte sich im letzten Durchgang – ähnlich wie beim Kugelstoßen vier Stunden vorher – auf 26,04 Meter. Wieder hatte es Hella Böker als letzte Werferin noch in der Hand, diese Leistung zu übertreffen. Aber auch dieses Mal konnte sie nicht mehr kontern und musste ihrer Freundin aus Leipzig den Sieg überlassen, denn ihr letzter Versuch wurde mit 25,20 Meter gemessen.Dieser Wettkampf in der Altersklasse der W70 war eine Demonstration nicht nur wegen der Überlegenheit dieses Duos, sondern auch wegen der noch guten Einstellung der beiden Teilnehmerinnen, denen man anmerkte, dass sie einmal zu den ganz Großen gehörten.

Der letzte Tag dieser deutschen Seniorenmeisterschaften wurde mit dem vierten Akt beendet, denn zum Schluss stand das Hammerwerfen auf dem Programm.  Man fühlte sich fast an die Freiluftmeisterschaften in Kevelaer vor einem Jahr erinnert, als Hella Böker die große Favoritin Gudrun Mellmann mit 33,03 Meter zu 31,85 Meter bezwingen konnte.  Auch in diesem Jahr war die mehrfache Europa- und Senioren-Weltmeisterin aus Hamburg mit 35,98 Meter gemeldet worden und hatte dazu beigetragen, dass sie mit fast drei Meter Vorsprung als Top-Favoritin an den Start gehen musste.

Hella Böker begann den Wettkampf mit 33,05 Meter und warf damit genau zwei Zentimeter weiter als beim Gewinn der Freiluftmeisterschaft in Kevelaer. Gudrun Mellmann schien von diesem Eröffnungswurf ein wenig geschockt zu sein, denn damit hatte sie nicht gerechnet.  Nach ihren 30,65 Meter hatte sogar noch Irma Kirchhofs vom Tuspo Borken, die ihren Wettkampf mit starken 29,92 Meter eröffnete, unmittelbar Kontakt zu Gudrun Mellmann, die sich aber im zweiten Durchgang auf 32,14 Meter verbessern konnte. Hella Böker setzte einen weiteren kämpferischen Akzent, als sie im dritten Durchgang 33,86 m schaffte und damit ihre Führung ausbaute.  Als man auf Gudrun Mellmanns Antwort wartete, hob der Kampfrichter die rote Fahne und gab ihren Wurf ungültig.  Genau umgekehrt sah es im vierten Durchgang aus, denn da wurde Hella Bökers Wurf für ungültig erklärt und die Antwort von Gudrun Mellmann lautete:  33,25 Meter.  Bis auf 61 Zentimeter war die sympathische Seniorin aus Hamburg an die Führende Hella Böker herangekommen.  Im fünften Durchgang untermauerte Hella Böker mit 33,76 Meter ihre starke Vorstellung. Und da Gudrun Mellmanns Wurf im letzten Durchgang, nachdem Hella Bökers Wurf erneut ungültig gegeben wurde, mit 32,77 Meter gemessen wurde, stand für alle fest, dass die  Mission „deutsche Hallen- und Winterwurfmeisterschaften der Senioren“ für Hella Böker sehr erfolgreich war.  Zweimal Gold und zweimal Silber – man konnte nicht meckern…. (ajw)



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