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MT Melsungen holt Punkt gegen Berlin

Kassel/Melsungen. Die MT Melsungen bleibt ihrem Ruf als Wunderkiste der Toyota-Handball-Bundesliga treu. Nur eine Woche nach der Pleite beim DHC Rheinland bot die Mannschaft beim 22:22 (10:11) gegen die Füchse Berlin eine mitreißende Partie. Vor 2.285 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle bogen die Nordhessen ein schon verloren geglaubtes Spiel noch einmal um und kamen mit dem Abpfiff zum hoch verdienten Ausgleich. Der verletzungsbedingte Ausfall von Felix Danner machte Trainer Michael Roth die Wahl der Abwehrformation vermutlich leichter. Ganz ungewohnt mit einer offensiven 4:2-Deckung begannen die Hausherren die Begegnung.

Michael Allendorf und Ivan Brovka, seit langer Zeit wieder einmal in der Anfangsformation, störten schon etwa zehn Meter vor dem von Mario Kelentric gehüteten Tor die Angriffsaktionen der Füchse. Wobei vor allem der Weißrusse Akzente setzte und Berlins Linkshänder Alexander Petersson zunächst fast komplett aus dem Spiel nahm. Schwerer hatte es Allendorf, der mit dem extrem beweglichen Bartlomiej Jaszka seine liebe Mühe hatte. Der Pole war es dann auch, der mit einer Einzelaktion das erste Tor des Abends erzielte.

Schon die Anfangsphase ließ erahnen, wie schwer die Jagd nach zählbaren Erfolgen werden würde. Beide Abwehrreihen standen sicher. Melsungen setzte auf frühes, aggressives Stören, Berlin massierte seine Kräfte in der Mitte und stellte einen für den MT-Rückraum fast unüberwindlichen Block. Folgerichtig war es Andrej Klimovets am Kreis, der die ersten beiden Treffer der Hausherren erzielte. Sowohl Alexandros Vasilakis als auch Grigorios Sanikis schafften es nicht, die „Berliner Mauer“ aus dem Rückraum zu überwinden. Michael Allendorf kam zwar am linken Flügel einmal daran vorbei, fand dann aber in Silvio Heinevetter seinen Meister. Erfolg hatte er jedoch vom Siebenmeterpunkt zum 3:3, nachdem einmal mehr Klimovets sich durchgesetzt hatte, dann aber regelwidrig beim Wurf behindert wurde.

Eine Viertelstunde dauerte es, bis die Rothenbach-Halle erstmals bebte. Bis dahin war spielerisch nicht viel zu beklatschen, doch kämpferisch zogen beide Teams längst alle Register. Zweimal hatten es die Hauptstädter geschafft, die erste MT-Führung erfolgreich zu verhindern. Erst war für Vasilakis beim starken Heinevetter Endstation, dann landete Sanikis‘ Versuch zum wiederholten Male in der Deckung. Dazwischen biss sich Berlin immer wieder die Zähne an Allendorf und Brovka aus, die beim Gast erst gar keinen Spielfluss aufkommen ließen. Alexandros Vasilakis machte vorn aus der Not eine Tugend. Wenn schon aus dem Rückraum nichts ging, dann eben aus der Nahwurfzone. Der Grieche schlängelte sich wie ein Slalomläufer durch, täuschte einen Wurf nur an. Und als Heinevetter irritiert schon auf dem Boden saß war der Linkshänder am Wurfkreis angekommen und hatte keine Mühe mehr, das Leder hoch zum 5:4 in die Maschen zu setzen.

In diesem Stil ging es weiter. Jedes einzelne Tor wollte hart erarbeitet sein. Zum Glück der Gäste gab es durch zwei Zeitstrafen gegen Savas Karipidis und Alexandros Vasilakis etwas Raum. Zu mehr als zwei Erfolgen kamen sie aber in vier Minuten Überzahlspiel nicht. Kurios: bis zu diesem Zeitpunkt hatte Mario Kelentric noch nicht einen Ball gehalten. Er wurde erst richtig warm, als er beim Stand von 6:8 einen langen Pass der Berliner reaktionsschnell in der Mitte der eigenen Hälfte abfing, und so einen höheren Rückstand verhinderte. Nur kurz darauf parierte er gegen Michal Kubisztal aus dem Feld und war fortan endgültig im Spiel. Es dauerte weitere vier Minuten, bis endlich wieder einmal ein Tor bejubelt werden durfte. Michael Allendorf versenkte einen Strafwurf und verkürzte. Auf der Gegenseite wollte es ihm Ivan Nincevic nachmachen, setzte seinen Versuch aber als Aufsetzer an die Latte. Übrigens gegen den eingewechselten Vitali Feshchanka, der damit in seiner ersten Aktion im Melsunger Trikot gleich ein Erfolgserlebnis verbuchen konnte. Nenad Vuckovic und Alex Vasilakis nutzten eine kurze Phase der Unkonzentriertheit bei den Füchsen und brachten Rot-Weiß wieder nach vorn.

Bei dieser Führung hätte es durchaus bis in die Halbzeitpause bleiben können. Denn Melsungen war längst die bestimmende Mannschaft auf dem Feld. Den Füchsen unterliefen für eine Spitzenmannschaft erstaunlich viele technische Fehler im Angriff. Was aber der gleichbleibend starken Defensivleistung der Hausherren geschuldet war. Auch Mario Kelentric stand da in nichts nach. Selbst einen schwierigen, abgefälschten Ball von Sven-Sören Christophersen lenkte der Kroate mit einem Blitzreflex über die Latte. Als Nenad Vuckovic, einmal mehr ein Vorbild in Sachen Einsatz, das 10:9 markierte, schien der Weg zur Pausenführung geebnet. Doch zwei unkonzentrierte Aktionen resultierten in Gegentore durch Mark Bult und Bartlomiej Jaszka, so dass die Gäste mit einer schmeichelhaften Führung in den zweiten Abschnitt starten konnten.

Und diesen Vorteil verteidigten die Füchse über lange Zeit. Als Vuckovic und Vasilakis mit ihren Würfen wieder nicht bis zum Tor durchkamen stellte Michael Roth um. Michael Schweikardt übernahm die Spielgestaltung, Nenad Vuckovic rückte auf die Sanikis-Position. Auf der anderen Seite ersetzte Jens Schöngarth Alex Vasilakis. Eine neue Rückraumachse, die sofort stach. Vuckovic machte gleich die nächsten drei MT-Tore, das letzte davon in unnachahmlicher Manier sogar bei Unterzahl. Und während Michael Allendorf noch seine Strafe absaß und die Schiedsrichter passives Spiel anzeigten, jagte Schöngarth den Ball durch die dicht gestaffelte Berliner Abwehr und Heinevetters Beine fulminant ins Netz. Nach genau 42 Minuten war die Partie mit 15:15 wieder ausgeglichen. Weder die Zuschauer auf den Tribünen, noch die Melsunger Ersatzspieler hielt es auf den Sitzen. Direkt im Anschluss war es Mario Kelentric, der dem Spiel seinen persönlichen Stempel aufdrückte. Zweimal parierte er glänzend gegen Alexander Petersson, einmal machte er Sven-Sören Christophersen den Winkel so klein, dass der verzog.

Eine dreiviertel Stunde war um, als die Kräfte zu schwinden drohten. Michael Roth machte wahr, was er angekündigt hatte und setzte alles Vertrauen in die, die in der Hinrunde noch größtenteils Zuschauer waren. Nur Vuckovic und Karipidis spielten von der Stamm-Sechs der Hinrunde, dazu gesellten sich Ivan Brovka, Michael Schweikardt, Jens Schöngarth und Anton Mansson. Nun war es an Silvio Heinevetter, seine Füchse vor drohendem Ungemach zu retten. Denn die zweite Garde der MT machte mächtig Dampf und legte vor allem in der Defensive noch einmal zu. Christophersen scheiterte ebenso wie Petersson beim Versuch, einen Weg zum Tor zu finden. Das schaffte nur Konrad Wilczynski, der nach weiteren torlosen Minuten per Tempogegenstoß zum 16:17 traf. Noch einmal schaffte Vuckovic den Ausgleich, dann war urplötzlich die Luft raus bei den Gastgebern. Ganze vier Minuten brauchten die Füchse anschließend, um aus dem Unentschieden eine 21:17-Führung zu machen. Colja Löffler, zweimal Alex Petersson per Gegenstoß und Michal Kubisztal stellten die Weichen in Richtung des erwarteten Favoritensieges.

Knapp sieben Minuten waren noch Zeit, als sich die Bartenwetzer am eigenen Schopf wieder aus dem Sumpf zu ziehen begannen. Alexandros Vasilakis, vorher oft glücklos in seinen Offensivaktionen, machte den Anfang. Michael Allendorf per Siebenmeter und Andrej Klimovets legten nach. Michael Schweikardt vergab die Chance zum Ausgleich mit einem verdeckten Schlagwurf an die Querlatte. Zweieinhalb Minuten vor dem Abpfiff war Melsungen wieder dran und Dagur Sigurdsson musste die Aufholjagd mit einer Auszeit bremsen. Erfolgreich, weil nach Wiederanpfiff Michael Schweikardt auf die Strafbank musste und Konrad Wilczynski das 20:22 erzielte. Doch statt in der Überzahl das Spiel zu entscheiden beschränkten sich die Berliner auf das Halten des Balles. Allein der junge Johannes Sellin versuchte den Abschluss, scheiterte aber von Rechtsaußen. Sowohl Sven-Sören Christophersen als auch Bartlomiej Jaszka ließen große Lücken in der MT-Deckung ungenutzt und ergingen sich in fruchtlosen Querpässen. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Denn noch in Unterzahl gelang Alexandros Vasilakis genau 34 Sekunden vor dem Ende der erneute Anschluss.

Was Alexander Petersson dann ritt wird nur er selbst erklären können. Denn vom Anwurf weg tippte er den Ball kurz auf und feuerte ihn einfach in Richtung Melsunger Tor. Vielleicht um Kelentric zu überraschen, vielleicht im sicheren Glauben, das Spiel und den Sieg bereits in der Tasche zu haben. So aber kamen die Hausherren noch einmal in Ballbesitz. Michael Roth legte sofort die Grüne Karte zur Auszeit, um die verbleibenden 24 Sekunden abzusprechen. Die Auszeit dauerte lange. Zu lange, wie DHB-Aufsicht Uwe Stemberg befand und sprach noch eine Zeitstrafe gegen Melsungen aus. Inzwischen hatte sich Jens Schöngarth schon das graue Leibchen übergezogen. Ursprünglich, um mit Überzahl in den entscheidenden Angriff gehen zu können. Nun aber war es lediglich der zahlenmäßige Ausgleich auf dem Feld. Ausspielen war angesagt, weil das eigene Tor verwaist war.

Die Mannschaft setzte die Vorgaben perfekt um. Ganz geduldig wurde die Uhr heruntergespielt, ohne dabei den Druck vor der Berliner Deckung zu nehmen. Wieder war es Alexandros Vasilakis, der die Verantwortung übernehmen und von Halbrechts abschließen wollte. Ein Berliner ging im letzten Moment dazwischen und verhinderte den Wurfversuch. Mit einem Foul jedoch, sodass es einen letzten Freiwurf geben musste. Ein Fall für den Längsten im Team, Jens Schöngarth. Und der drosch eine Sekunde vor Ultimo den Ball unhaltbar für Silvio Heinevetter ins Gehäuse. Schon die Schlusssirene war im tosenden Jubel der Rothenbach-Halle nicht mehr zu hören, innerhalb Sekunden war das Spielfeld voll von tanzenden Melsunger Spielern, Betreuern und Fans. (Bernd Kaiser)

Stimmen zum Spiel

Dagur Sigurdsson: Es ist schwer, zu diesem Spiel etwas zu sagen. Eigentlich war es ein richtiges Handballspiel. Mit allem, was dazu gehört. Ich habe die MT Melsungen stark erwartet und meine Mannschaft auch entsprechend vorbereitet. Zum Glück, denn sie waren sehr stark. Normalerweise muss man ein Spiel gewinnen, wenn man zehn Minuten vor Schluss 21:17 führt. Aber Kompliment an die MT, das war ein Riesenkampf. Wenn die Mannschaft so weiter spielt, muss sie keine Angst haben.

Michael Roth: Wenn man auf diese Art einen Punkt holt, ist das glücklich. Die Mannschaft war heute in Sachen Moral und Einstellung eine ganz andere als in den beiden vorangegangenen Spielen. Was nicht heißt, dass wir gut gespielt hätten. Aber manchmal muss man eben über den Kampf kommen. Für Schönspielerei gibt es keine Punkte. Mit unserer 4:2-Deckung haben wir den Gegner überrascht. Nur 22 Gegentore gegen eine Mannschaft wie Berlin – das spricht Bände. Nur dürfen wir uns darauf nicht ausruhen, denn den Winterschlaf haben wir hoffentlich hinter uns.

Statistik

MT Melsungen: Kelentric (11 P.), Feshchanka (bei 2 7m) – Brovka, Schöngarth 2, Mansson, Klimovets 5, Schweikardt, Torbica (n.e.), Vasilakis 4, Sanikis 1, Karipidis, Allendorf 4/3, Vuckovic 6, Sania (n.e.).

Füchse Berlin: Heinevetter (12 P.) – Löffler 1, Laen 2, Spoljaric, Kubisztal 1, Wilczynski 4/1, Litzinger (n.e.), Bult 1, Sellin 2, Jaszka 2, Nincevic 2, Petersson 5, Christophersen 2.

SR: Christoph Immel (Erkelenz) / Ronald Klein (Ratingen)

Zeitstrafen: 14 – 4 (Vasilakis 16:00 25:53, Karipidis 17:55, Allendorf 39:49, Vuckovic 49:57, Schweikardt 57:40, Bank 59:36 – Laen 7:23, Nincevic 25:53)

Strafwürfe: 3/3 – 3/2 (Nincevic an die Latte, 24. Min.)

Zuschauer: 2.285 in der Rothenbach-Halle, Kassel.

Spielfilm: 1:2 (3.), 1:3 (6.), 2:3 (9.), 4:4 (12.), 5:4 (15.), 6:8 (18.), 6:8 (21.), 7:8 (24.), 9:8 (27.), 10:11 (HZ), 11:13 (33.), 11:13 (36.), 12:14 (39.), 14:15 (42.), 16:16 (45.), 17:17 (48.), 17:20 (51.), 18:21 (54.), 20:21 (57.), 22:22 (EN)



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