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Wirtschaft in Nordhessen boomt

Wiesbaden/Kassel. „Die Sicherung von Fachkräften ist eine zentrale strategische Zukunftsaufgabe für die Region Nordhessen“, sagten der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, Wirtschaftsminister Dieter Posch, IHK-Präsident Dr. Martin Viessmann und Handwerkskammer-Präsident Heinrich Gringel am 3. Mai bei einer gemeinsamen Sitzung in Kassel. Landesregierung, IHK und Handwerkskammer vereinbarten, ihre Bemühungen noch enger aufeinander abzustimmen. Unternehmen hätten bereits heute große Sorgen wegen der absehbaren Alterung ihrer Belegschaft und des sich verstärkenden Nachwuchsmangels sowie des befürchteten Verlustes von Wissen, sagte IHK-Präsident Dr. Martin Viessmann: „Jedes zweite Unternehmen erwartet einen eklatanten Fachkräftemangel. Jedes vierte sieht diesen bereits heute als größtes Risiko für seine Fortentwicklung an.“

Ministerpräsident Volker Bouffier verwies auf den wirtschaftlichen Aufschwung der Region in den vergangenen Jahren: „Der Region geht es so gut wie nie.“ Als wichtigen Indikator nannte er die Zahl der Arbeitslosen, die von 2005 bis 2010 um 42 Prozent geschrumpft ist; inzwischen liegt die Quote mit 5,9 Prozent (April) bereits niedriger als in Südhessen (6,1 Prozent). Gleichzeitig wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 7,2 Prozent. „Die Wirtschaft in Nordhessen boomt. Damit das so bleibt, sind die Unternehmen unter anderem gefordert, ihre Mitarbeiter verstärkt weiterzubilden, um deren Wissen aktuell zu halten. Daher sind Strategien zur Qualifizierung von Mitarbeitern ein wichtiges Handlungsfeld gegen den Fachkräftemangel“, so der Ministerpräsident.

Bei der Suche nach jungen, qualifizierten Mitarbeitern seien ein nachhaltiges Arbeitgeberimage und Personalmarketing von großer Bedeutung. Erforderlich seien zudem Qualifizierungsmaßnahmen und eine generationsübergreifende Personalpolitik. Deutlich höhere Beschäftigungsquoten der 55- bis 64-Jährigen in anderen europäischen Ländern wiesen darauf hin, dass unter entsprechenden Rahmenbedingungen auch ältere Menschen produktiv und innovativ arbeiten könnten, so der Ministerpräsident und der Wirtschaftsminister.

Handwerkskammer-Präsident Heinrich Gringel sieht nicht nur die Betriebe in der Verantwortung: „Wir können und dürfen bei rückläufigen Schülerzahlen heute niemanden zurücklassen. Es ist eine gesellschaftliche Herausforderung, dass möglichst alle jungen Menschen unabhängig vom Elternhaus die Schule ausbildungsreif verlassen.“ Fehlende elementare Rechenfähigkeiten, mangelndes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen sowie geringe Verlässlichkeit stünden oft einer qualifizierten und erfolgreichen Ausbildung im Wege.

„Fachkräfte sind der wichtigste Standortfaktor“, erklärte Wirtschaftsminister Dieter Posch. Er wies auf das erfolgreiche Hauptschülerprogramm hin, mit dem das Land 880 Hauptschülern den direkten Wechsel von der Schule in die Ausbildung ermöglicht. „Wir müssen dafür sorgen, dass Jugendliche ohne Warteschleife von der Schule in die Ausbildung wechseln. Dazu muss das sogenannte Übergangssystem fortentwickelt werden. Es ist in Zeiten entstanden, in denen die Lehrstellen knapp waren.“ Es gebe noch viele andere Potenziale, die sich mobilisieren ließen: „Wir haben in Hessen fast 400 000 Berufstätige ohne Abschluss – für diese Un- und Angelernten brauchen wir Nachqualifizierungsprogramme.“ Deshalb habe sein Ministerium bereits die Qualifizierungsoffensive gestartet.

Eine große Rolle spiele auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Wenn wir die Erwerbsquote von Frauen bis 2020 auf das Niveau der skandinavischen Länder steigern könnten, würde das die Abnahme der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter fast völlig ausgleichen. Ich appelliere an die Unternehmen: Betriebskindergärten, flexible Abläufe und Arbeitszeiten sind eine Voraussetzung für eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen.“ Posch wies darauf hin, dass das hessische Wirtschaftsministerium bisher den Aufbau von Betriebskindergärten mit 2,3 Millionen Euro aus dem Europäischen Regionalfonds unterstützt hat.

Beide Kammern sehen neben der Aus- und Weiterbildung vor allem in der Infrastruktur ein wesentliches Aktionsfeld. „Die Attraktivität Nordhessens muss insgesamt verbessert werden. Vor allem brauchen wir eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, wozu gerade im südlichen Teil der Region die Realisierung der längs überfälligen Umgehungsstraßenprojekte zwingend gehört“, so IHK-Präsident Dr. Martin Viessmann. „Das lange Zögern und die überzogenen Klagen zur A 44 haben die Abwanderung im Werra-Meißner Kreis rasant beschleunigt. Die gleichen Fehler dürfen in anderen nordhessischen Kreisen nicht passieren. Hier haben wir quasi einen Präzedenzfall, der den Zusammenhang von Abwanderung und fehlender Infrastruktur deutlich macht“, betonte HWK-Präsident Heinrich Gringel.

Diese Notwendigkeit betonten auch der Ministerpräsident und der Wirtschaftsminister. „Wir hängen niemanden ab“, sagte Bouffier. „Infrastruktur – ob Straßen, Breitband oder Bildung – bleibt Kernthema der Koalition in Hessen. Wenn ich im Moment nach Kassel-Calden auf die dortige Baustelle blicke, dann bin ich stolz auf den langen Atem, den wir hier gezeigt haben.“

Posch hob besonders die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und in den Aufbau der Technologieregion Nordhessen hervor: „Nach langen Jahren des Stillstands hat endlich der Weiterbau der Autobahn 49 begonnen. Die Autobahn A 44 ist inzwischen zur Hälfte im Bau oder mit Baurecht versehen – beide Strecken werden Lebensadern der betreffenden Regionen werden und den Logistik-Standort Nordhessen festigen. Wir fördern zudem gezielt die Innovationskraft der Technologieregion Nordhessen mit ihrer besonderen Kompetenz bei dezentralen Energien und Energieeffizienz. Deshalb hat das Land mit einem Zuschuss von 2,5 Millionen Euro die Gründung des Instituts für dezentrale Energietechnologien in Kassel ermöglicht.“ Zudem fördere das Land den Aufbau touristischer Infrastruktur. Der wachsende Gesundheitstourismus sei eine große Chance für die nordhessischen Heilbäder und Kurorte.

Die Kammern und die Landesregierung vereinbarten, ihre Maßnahmen zur Fachkräftesicherung weiter zu verzahnen. Der Ministerpräsident lobte ausdrücklich die Bemühungen der beiden Kammern: „Die soeben verabschiedete IHK-Initiative Ausbildungsreife und Berufsorientierung, die IHK-Aktion ‚Selbstverständlich familienfreundlich’ für Gastronomie und Handel, die Nachwuchskampagne des hessischen Handwerks sowie Qualifizierungsmaßnahmen „Barrierefrei Bauen und Wohnen“, um nur einige Aktionen Ihrer Häuser zu nennen, zeigen, dass Sie sich als lokale Wirtschaftsvertreter vor Ort den Herausforderungen stellen.“ (red)



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