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Aktionsmarsch für Gleichstellung behinderter Menschen

Schwalmstadt-Treysa. 300 Menschen liefen am 5. Mai für die Gleichstellung behinderter Menschen von der Hephata-Kirche zum Treysaer Marktplatz. Dort lauschten insgesamt 350 Zuhörer einer Podiumsdiskussion zum Thema Abbau von Barrieren und Inklusion. „Läuft super“, sagt Sabine Schäfer, Vorsitzende des Heimbeirates Hephatas, als sie an der Spitze des Aktionsmarsches durch die Treysaer Innenstadt lief. Der Heimbeirat Hephatas hatte in Kooperation mit dem Werkstattrat Hephatas den Aktionsmarsch und eine Podiumsdiskussion anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung organisiert.

Sabine Schäfer und Daniela Schwalm, Werkstattrat, führten den Zug dann auch mit dem Transparent „Vielfalt statt Einfalt“  an. Ihnen folgten unter Polizeieskorte Mitarbeitende, Bewohner und Beschäftigte Hephatas mit ihren Angehörigen, aber auch Eltern mit Kinderwagen und Fahrradfahrer, die ebenfalls am Abbau von Barrieren in ihrem Lebensumfeld interessiert sind.  Viele Teilnehmer hatten Trillerpfeifen und Hupen, manche auch Trommeln dabei. So kündigte sich gegen 17 Uhr die Ankunft auf dem Marktplatz schon von weitem an.

Mutige Aktion
„Dieser Protesttag gehört den Menschen mit Behinderungen, die mutig auf ihre Situation aufmerksam machen. Gut, dass es klappt – nicht gut, dass es nötig ist“, stimmte Hephata-Direktor Diplom-Pädagoge Pfarrer Peter Göbel-Braun die Zuhörer auf dem Marktplatz auf den inhaltlichen Teil der Veranstaltung ein. Geschäftsbereichsleiterin Behindertenhilfe Hephata, Anne Dorothee Wippermann, sah dies ähnlich: „Behindert ist man nicht, sondern wird man.  Nicht zuletzt dadurch, wie die Gesellschaft sich gegenüber ihren Mitgliedern mit Behinderung verhält.“ Schwalmstadts Bürgermeister Wilhelm Kröll verwies auf die anstehenden Bauarbeiten für einen barrierefreien Bahnhof in Treysa, gestand aber auch Nachholbedarf der Stadt beim Abbau von Barrieren ein. „Ich bin froh, Bürgermeister einer Stadt zu sein, in der so viele Menschen mit Behinderung eine Heimat gefunden haben.“

Ralf Zeuschner, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung Hephatas, moderierte im Anschluss die Podiumsrunde mit neun Teilnehmern. Auf dem Podium hatten Christel Bald (FWG), Margitta Braun (Bündnis 90 / Die Grünen), Helmut Daub, Behindertenbeauftragter des Kreises im Altkreis Ziegenhain, Frank Pfau (FDP), Heidemarie Scheuch-Pasch­kewitz (Die Linken), Daniela Schwalm, Detlef Schwierzeck (SPD), Pfarrer Hartmut Wagner und Anne Willer (CDU) Platz genommen.

„Es passiert, dass Leute zwei Stunden auf einen barrierefreien Zug warten müssen. Dass man in einem Geschäft gefragt wird, ob man auch genug Geld dabei hat. Und dass im Restaurant die Tischdecke weggezogen wird, wenn man sich gesetzt hat“, berichtete Daniela Schwalm von ihren Erfahrungen. Heidemarie Scheuch-Paschkewitz hat bereits ähnliches erlebt: „Im Geschäft wird über den Kopf des Betroffenen hinweg – der ja der ist, der bezahlt – dessen Assistent gefragt, was der Mensch mit Behinderung kaufen möchte.“ Hartmut Wagner, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Franz-von-Roques Schwalmstadt, ergänzte: „Ich habe in meiner Konfirmandengruppe einen Rollstuhlfahrer, da merkt man erst richtig, wie eingeschränkt man dann sein kann.“ Helmut Daub unterstrich diese Aussagen mit einem weiteren Aspekt: „Wir protestieren an solchen Tagen für ein Leben, das teilhaben möchte, schon morgen können wir alle selbst zu Betroffenen werden.“

Wie kann jeder an diesen Umständen versuchen etwas zu ändern? Möglichkeiten für eine bessere Teilhabe fielen jedem Podiumsteilnehmer ein. Detlef Schwierzeck nannte die Verwendung von einfacher Sprache, die alle verstehen können. Denn: „Mit einander zu kommunizieren, ist wichtig.“ Dies sei beispielsweise im Ortsbeirat deutlich geworden. Dort habe Rat Günter Ritter, Werkstattrat Hephata, den anderen Räten die einfache Sprache näher gebracht. Margitta Braun betonte ebenfalls die Selbstbestimmung: „Ich kann nicht entscheiden, was anderen gut tut. Deshalb muss es möglich sein, dass sich jeder zu Wort melden können kann.“

Christel Bald sprach sich dafür aus, bereits in den Kindertagesstätten und den allgemeinbildenden Schulen Integration größer zu schreiben. Gemischte Gruppen im Sport- und Musikunterricht seien da auch kurzfristig denkbar. Frank Pfau ging auf den Ausbildungsbereich ein: „Wir haben Fachkräftemangel in Deutschland. Bei den behinderten Menschen sehe ich viel stilles Potential.“  Anne Willer sprach die Dezentralisierung an: „Jeder muss ein selbstbestimmtes Leben führen können.“ Dazu seien noch mehr integrative Wohnformen in den Gemeinden nötig.

Daniela Schwalm fasste  es so zusammen: Ich wünsche mir, dass wir so respektiert werden, wie wir sind. Wir möchten nicht mehr kämpfen müssen.“ (me)



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