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Seniorenmeisterschaften: Harry Geier verteidigt Titel

Erfurt/Melsungen. Bei den deutschen Leichtathletik-Seniorenmeisterschaften, die am Wochenende in Erfurt ausgetragen wurden, konnte der Melsunger Harry Geier seinen Vorjahrestitel von Minden über 400 Meter in der Altersklasse der M75 eindrucksvoll verteidigen. Wäre er bei der diesjährigen Hallen-WM in Finnland am Start gewesen, hätte man sagen können, er hätte von dort jenen Kampfgeist mitgebracht, den die Finnen „Sisu“ nennen und der im entscheidenden Moment die Kräfte verdoppeln soll. Viele Langsprinter der M75 versuchten in den letzten Wochen vergebens, die Qualifikationszeit für die DLV-Seniorenmeisterschaften zu erreichen, denn nur 14 400 Meter-Läufer schafften diese Norm und liefen die Stadionrunde unter 90 Sekunden. So mussten in Erfurt  zwei Zeitendläufe ausgetragen werden.  Im ersten, dem vermeintlich schwächeren Lauf, setzte sich Otto Willing vom LC Taucha in 79,89 Sekunden vor Herbert Häde aus Olfen (85,66 Sekunden) durch.

Harry Geier wurde in dieses zweite Finale auf Bahn fünf ausgelost, so hatte er den Mitfavoriten Klaus Heidinger aus Emmendingen unmittelbar vor sich.

Durch seine gesundheitlichen Probleme, war sich der Melsunger Titelverteidiger nicht ganz sicher, ob er diese Stadionrunde durchstehen würde. Zunächst musste er wegen Bruch einer Zehe auf einen Start bei den Landesmeisterschaften verzichten und konnte in den letzten Wochen kein Sprint- und Ausdauertraining durchführen. Erst ein Start am 7. Juli beim Abendsportfest in Borken, bei dem er wegen starker Achillessehnenbeschwerden die 400 Meter nur unter Schmerzen laufen konnte und sich nach 72,88 Sekunden ins Ziel quälte,  gab ihm die Zuversicht, diesen Langsprint in Erfurt zu riskieren.

Bei diesem zweiten Erfurter-Finallauf, in dem die Entscheidung um die deutsche Meisterschaft fiel, vereinten sich bei Harry Geier sein Können, seine noch vorhandene Ausdauer und vor allem sein starker Siegeswillen. Dieses 400 Meter-Finale brachte auch Überraschungen und Auffälligkeiten, denn Klaus Heidinger aus Emmendingen, der eigentliche Meisterschaftsfavorit, war nur noch ein Schatten seiner selbst. Am 9. Juni ging der Stern von Heidinger in Edenkoben auf, denn damals legte er die 400 Meter in 71,53 Sekunden zurück.  Aber in Erfurt schien dieser Stern nicht so hell zu leuchten, wie man im Melsunger Lager befürchtet hatte. Bereits am ersten Tag dieser Titelkämpfe belegte er über 200 Meter mit 33,96 Sekunden nur den achten Platz und blieb damit über eine Sekunde hinter seiner Jahresbestzeit zurück.

Dr. Horst Hufnagel aus Hamburg, der über 200 Meter in 31,91 Sekunden den fünften Platz belegt hatte, verzichtete auf das 400 Meter-Finale, weil ihm sicherlich noch der anstrengende Lauf vom Vortag in den Beinen steckte und er sich für die Staffelentscheidung schonen wollte. Harry Geier hatte zwar auch für den 200 Meter-Lauf gemeldet und hätte mit seiner Jahresbestzeit sicherlich eine Chance auf einen vorderen Rang gehabt, aber um seine Kräfte für das 400 Meter-Finale zu sparen, gab er seine Stellplatzkarte nicht ab und verzichtete dadurch auf das 200 Meter-Finale. Welch kluger Schachzug!

Als die sechs Finalisten des zweiten Endlaufs über 400 Meter in ihren Startblöcken kauerten, wussten sie genau, welche Zeiten ihre Gegner im ersten Lauf vorgelegt hatten. Alle sechs Athleten dieses zweiten Laufes waren in der Lage, die Stadionrunde unter 80 Sekunden zurückzulegen und somit die bisher beste Zeit zu unterbieten. Wer aber würde als Erster die Ziellinie erreichen?

Harry Geier ging auf Bahn fünf konzentriert ans Werk und war vom Start weg Herr der Lage. Bereits auf der Gegengeraden hatte sich eine Gruppe herausgebildet, die aus dem Melsunger Viertelmeiler und dem überraschend starken Siegfried Burkhard von der LG Rhein-Wied, der unmittelbar hinter ihm lief sowie aus Klaus Heidinger bestand. Karl-Heinz Buss vom LAV Bayer Uerdingen-Dormagen und Günter Linke vom SV Schöneiche folgten mit einigen Abstand und Herbert Müller aus Dormagen hatte bereits da den Anschluss an die Spitze verloren.

Siegfried Burkhardt, zwei Jahre jünger als Harry Geier, hatte bei einem Meeting am 10. Juni in Hamm 75,21 Sekunden erzielt, und schien zunächst nach der Papierform keine Gefahr für den Melsunger darzustellen. Aber in diesem Meisterschaftsrennen ließ er sich nicht abschütteln. Er witterte seine Chance. Offensichtlich wusste er von den gesundheitlichen Problemen des Melsungers. Allerdings war er auch am Vortag über 200 Meter am Start, wo er in 32,77 Sekunden den sechsten Platz belegt hatte, so dass seine Beine auch nicht mehr so locker waren. Aber Burkhard blieb an dem Melsunger dran und ließ sich nicht abschütteln. Harry Geier konnte sein vorgelegte Tempo halten und durchlief auch die zweite Kurve an der Spitze des Feldes. Während sich auf der Zielgeraden Siegfried Burkhard noch einmal mit letzter Kraft aufzubäumen versuchte, wurde Klaus Heidinger ein Opfer seines zu schnellen Tempos auf den ersten 300 Metern. Karl-Heinz Buss, der am Vortag als Neunter mit 34,96 Sekunden ebenfalls die 200 Meter gelaufen war, lief locker an Heidinger vorbei und versuchte noch Burkhard einzuholen.

Als Harry Geier merkte, dass seine Kontrahenten Schritt für Schritt etwas aufholten, spielte der Melsunger Juwelier sein Trumpf-Ass aus und zündete 60 Meter vor dem Ziel seinen Turbo. Er biss auf die Zähne und konnte sich erkennbar von der Konkurrenz absetzen. Aber 20 Meter vor der Ziellinie hatte auch er keine Kraft mehr und mühte sich, seinen Vorsprung über die Ziellinie zu retten. Hinter ihm kämpften Siegfried Burkhard, Karl-Heinz Buss und der immer stärker aufkommende Günther Linke um Silber und Bronze. Keiner der Drei rechnete mehr damit, dass Harry Geier noch auf den letzten Metern einbrechen würde. Aber der Titelverteidiger spürte, dass seine Verfolger immer näher kamen. Mit einer letzten Kraftanstrengung erreichte er das Ziel. Die elektronische Uhr blieb bei 73,57 Sekunden stehen. Als Vize-Meister wurde Siegfried Burkhard mit 74,25 Sekunden gestoppt. Die Bronzemedaille sicherte sich nach einem spannenden Finale Karl-Heinz Buss mit 75,73 Sekunden vor Günter Linke (75,87 Sekunden). Erst auf Platz fünf kam nach enttäuschenden 77,13 Sekunden der Meisterschaftsfavorit Klaus Heidinger völlig ausgepumpt ins Ziel. Er hatte sich das Rennen falsch eingeteilt.

Wenn man sich die Zeit des neuen und alten deutschen Meisters ansieht, so muss man keine Haltung annehmen. Weiß man aber um die Vorgeschichte, kennt man die vielen Verletzungen und gesundheitlichen Probleme von Harry Geier und sah den 76-Jährigen in Erfurt seine Stadionrunde laufen, dann muss man vor dieser Leistung symbolisch den Hut ziehen. Der Melsunger Viertelmeiler, der vor einem Jahr in Minden den Titel gewinnen konnte und auch bei den Hallenmeisterschaften in März in Erfurt deutscher Meister wurde, verteidigte in Erfurt seinen Titel und untermauerte seinen Nimbus der Unschlagbarkeit für die 75-Jährigen und älteren 400 Meter-Läufer in der Bundesrepublik Deutschland.

Mit Hella Böker, die auf das Diskuswerfen wegen der ungünstigen Witterungsverhältnisse verzichtete und damit vielleicht eine Goldmedaille verschenkte und Harry Geier, hat die MT 1861 Melsungen zwei Seniorensportler, die in diesem Jahr bereits sechs deutsche Meisterschaften gewinnen konnten. Dabei wurde es den Beiden auch in Erfurt nicht leicht gemacht, und es bedurfte einer großen Leistungen, um wieder so erfolgreich zu sein.

In vier Wochen folgt nach einer Trainings- und Vorbereitungsphase der Saisonhöhepunkt in Zittau, denn dann geht es für Hella Böker und Harry Geier bei der Senioren-EM hoffentlich so erfolgreich weiter. (ajw)



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