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Senioren-EM: Hella Böker sichert sich zweite Goldmedaille

Zittau/Melsungen. Vor ihrer Abreise zu den 18. Senioren-Europameisterschaften nach Zittau hatte Hella Böker (MT 1861 Melsungen) gesagt, dass sie sich keineswegs als Favoritin im Werfer-Fünfkampf fühle, da mit der Estin Erikson und den beiden Deutschen Mellmann und Holzknecht eine starke Konkurrenz vorhanden sei, so dass es um wenige Punkte gehen könnte, wenn die Medaillen verteilt würden. Nach der Absage von Gudrun Mellmann waren es nur noch drei Seniorinnen, die für eine Punktzahl jenseits der 4500 und somit auch für Edelmetall in Frage kamen. Allerdings blieb sowohl die Estin Helvi Erikson als auch die ehrgeizige Deutsche Ingrid Holzknecht aus Elmshorn hinter den Erwartungen zurück, so dass Hella Böker fast zur Alleinunterhalterin wurde. 

Wenn man ihre Punkte in diesem Mehrkampf anschaut, dann weiß man, dass ihre Vielseitigkeitsprüfung das hielt, was man sich von ihr vor ihrer Abreise nach Zittau versprochen hatte. Mehr noch –  Hella Böker, Jahrgang 1941, hatte sich in der Stunde der Bewährung wieder einmal als eine Athletin der Sonderklasse erwiesen und holte sich in diesem Wettbewerb, der aus Hammerwerfen, Kugelstoßen, Diskus-, Speer- und Gewichtwerfen besteht, erneut die Goldmedaille.

In dem Moment, als das 5,45 Kilogramm schwere Wurfgewicht in der letzten Disziplin ihre Hand verließ und der Kampfrichter die weiße Fahne hob, hatte sie den weiten Bogen von 1996 in Malmö bis 2012 in ihre Geburtsstadt Zittau geschlagen und ihre fünfte Goldmedaille im Werfer-Fünfkampf gewonnen. Dazwischen lagen die Siege von Jyväskylä (2000),  Aarhus (2004) und Posen (2006).  Diese Erfolge sind so einmalig, wie Hella Böker als Athletin in den Wurfbereichen einmalig geworden ist.

Der Gewinn der fünf Goldmedaillen sind aber nur fünf Fixpunkte in der langen Laufbahn dieser Athletin, die vor mehr als 50 Jahren als erste Jugendliche der Welt den Diskus über die 50 Meter-Marke geworfen hatte, die 1962 an den Europameisterschaften in Belgrad teilnahm und die ein halbes Jahrhundert später mit sechs Medaillen, davon zweimal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze von den 18. Senioren-Europameisterschaften nach Melsungen zurückkehrte. Für die bescheidene und stets freundliche Athletin war dieser Mehrkampf von Zittau die Krönung ihrer langen und erfolgreichen Laufbahn, der auch bei ihren Gegnerinnen helle Begeisterung entfachte.

Hella Böker übernahm mit ihrem ersten Hammerwurf die Führung und gab sie bis zum Schluss nicht mehr ab. Die MT-Sportlerin des Jahres setzte mit ihren  32,71 Meter ein großes Achtungszeichen und machte damit ihren sieben Konkurrentinnen deutlich, was sie sich für diesen Tag vorgenommen hatte. Für diesen guten Hammerwurf wurde sie mit 1216 Punkten belohnt. Helvi Erikson bestätigte mit 28,81 Meter ihre Leistung vom Einzelwettkampf (28,83 Meter) und sicherte sich mit 1048 Punkten den zweiten Platz. Man hatte aber den Eindruck, dass die Estin bereits bei dieser Auftaktübung aufsteckte, denn ihre Hammerwurfweite entsprach nicht ihrem wirklichen Leistungsvermögen. Immerhin hatte sie in diesem Jahr schon über 35 Meter geworfen. Mit 27,67 Meter und 999 Punkten beendete Ingrid Holzknecht aus Elmshorn diesen ersten Wettbewerb auf Rang drei.

Auch im Kugelstoßen beherrschte die Athletin aus Fuldabrück souverän die Konkurrenz.  Mit 9,55 Meter verbesserte sie ierneut ihre deutsche Jahresbestleistung und war sogar sieben Zentimeter besser als beim Gewinn ihrer Silbermedaille zum Auftakt dieser Europameisterschaften. Ihre stärksten Verfolgerinnen, Ingrid Holzknecht (8,61 Meter) und Helvi Erikson (7,68 Meter) verloren wertvolle Punkte, so dass der Zwischenstand nach zwei Wettbewerben wie folgt aussah:

1. Hella Böker Deutschland   2260 Punkte,    2.  Ingrid Holzknecht   Deutschland 1925 Punkte,   3. Helvi Erikson (Estland)  1859 Punkte.

Eine gesunde Mischung aus Routine und Kampfkraft gab sicherlich den Ausschlag, dass sie im Diskuswerfen mit 25,38 Meter über einen Meter weiter warf als Ingrid Holzknecht, die im Einzelwettbewerb noch vor der Seniorin aus Fuldabrück lag und ihr die eingeplante Silbermedaille wegschnappte.  Helvi Erikson erreichte 24,55 Meter und fiel damit weiter zurück.

Natürlich beherrschte Hella Böker auch im Speerwerfen die Konkurrenz, denn wenige Tage vorher hatte sie in diesem Wettbewerb die Goldmedaille gewonnen. Beeindruckend war in dieser vierten Übung, dass sie mit 27,85 Meter weiter warf als bei ihrem Sieg. Ingrid Holzknecht kam auf 24,36 Meter und verlor über 100 Punkte gegen die Spitzenreiterin. Auch Erikson, die in der Einzelwertung mit 18,72 Meter angedeutet hatte, dass das Speerwerfen nicht zu ihren Stärken gehört, blieb mit 20,90 Meter im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Nur Vera Perret-Gentil aus der Schweiz zeigte sich mit  23,40  Meter verbessert und machte deshalb im Kampf um Platz vier wertvolle Punkte gut.

Nach dieser glänzenden Vorstellung hatten nicht einmal Rechenkünste vor dem abschließenden Gewichtwerfen mehr einen besonderen Sinn, denn Hella Böker hätte sich nur noch durch drei ungültige Würfe selbst besiegen können. Aber das Gewichtwerfen sollte noch einen weiteren Höhepunkt bringen, denn einen Tag vor diesem Fünfkampf hatte sich die MT-Vorzeigeathletin im letzten Durchgang des Gewichtwerfens auf 13,33 Meter gesteigert und nur um acht Zentimeter die Goldmedaille verpasst.

Nach einem Sicherheitswurf von 12,19 Meter stand sie als Siegerin in dieser Vielseitigkeitsprüfung bereits fest, so dass sie im zweiten Versuch von aller Nervenlast befreit und unverkrampft werfen konnte. Nach einer sauberen Drehung wuchtete sie das elf Pfund schwere Wurfgewicht auf 13,44 Meter und übertraf sogar die Siegerleistung von Gudrun Mellmann. Für diese Heldentat zum Abschluss des Werfer-Fünfkampfes erhielt sie 1097 Punkte, so dass sie in der Endabrechnung auf  glänzende 5203  Punkte kam.  Sie verpasste damit ihren deutschen Rekord, den sie im Vorjahr in Borken mit 5291 Punkten aufgestellt hatte, nur um 88 Punkte. Die Silbermedaille sicherte sich Ingrid Holzknecht mit 4567 Punkte vor Helvi Erikson mit 4347 Zählern. Auf Platz vier landete die Schweizerin Vera Perret-Gentil mit  3361 Punkten.

Ein einseitiger Wettkampf, indem Hella Böker mit ihrem ersten Versuch die Führung übernommen hatte und bis zum Schluss nicht mehr abgab, ging nach über acht Stunden zu Ende. Aber ihre Leistungen, die in diesem Mehrkampf zweimal besser waren als die Senioren-Europameisterinnen in den Einzelwettbewerben, werden noch lange in Erinnerung bleiben.

Bei der Siegerehrung stand Hella Böker zum zweiten Mal bei diesen Europameisterschaften ganz oben auf dem Treppchen, und zum zweiten Mal wurde für sie die deutsche Nationalhymne gespielt. Obwohl solche Siegerehrungen mit Fahnenhissen und Nationalhymne für eine der erfolgreichste Seniorin  des Deutschen Leichtathletik-Verbandes nicht unbekannt ist, kämpfte die neue Europameisterin mit den Tränen, denn sie wurde vom Glücksgefühl überwältigt. (ajw)



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