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MT-Kapitän Nenad Vuckovic: Anspannung kaum noch auszuhalten

nenad-vuckovic130828Kassel/Melsungen. Die Spannung ist schon beinahe unerträglich. Während das Gros der Handball-Bundesligisten bereits am Wochenende in die Meisterschaftsrunde 2013/2014 gestartet ist, mussten sich Melsungen, Berlin, Hamburg und Lübbecke noch gedulden. Der Grund: Weil die Füchse und der HSV erst noch den Teilnehmer an der Championsleague-Gruppenphase ausspielen mussten, wurden die Bundesligabegegnungen mit deren Beteiligung verschoben. Nun aber hat das Warten ein Ende – heute empfängt die MT Melsungen die denkbar knapp in der CL-Qualifikation gescheiterten Füchse Berlin. Anwurf in der Kasseler Rothenbach-Halle ist um 20.15 Uhr. Es gibt noch Karten an der ab 18.45 Uhr geöffneten Tageskasse.

Wer ist am Mittwochabend in Kassel eher im Vorteil: Die Mannschaft, die sich aufgrund zweier CL-Qualifikationsspiele gegen einen anspruchsvollen Gegner bereits voll im Wettkampfmodus befindet, oder diejenige, die sich eine Woche lang im Training in aller Seelenruhe auf den Bundesligastart vorbereiten konnte? Fakt ist, der Chronometer in der Rothenbach-Halle wird um 20.15 Uhr auf Null gestellt und ab dann zählt nur noch das Hier und Jetzt. Wettkampf hin, Training her – sowohl für Berlin als auch für Melsungen ist dieses Spiel der erste Gradmesser mit Signalwirkung. Jeder will einen guten Start hinlegen und sich gleich den erhofften Schwung für die anstehenden Aufgaben holen. “Das ist doch ein allgemeines Phänomen”, weiß Michael Roth, “wer will schon zum Auftakt ein Negativerlebnis haben. Dessen Verarbeitung kostet in der Regel nur zusätzliche Energie, die dann wieder in der Vorbereitung auf das nächste Spiel fehlen könnte. Also werden wir gegen diesen zugegebenermaßen sehr starken Gegner alles Erdenkliche unternehmen, um das Spiel erfolgreich zu gestalten”, gibt sich der MT-Coach kämpferisch.

Auf der anderen Seite rechnen aber auch die Füchse-Verantwortlichen keinesfalls mit einem Selbstläufer. Im Gegenteil: “Wir brauchen wieder eine tolle Leistung wie schon gegen Hamburg. Melsungen wird in eigener Halle Punkte holen – auch gegen Spitzenmannschaften. Ein Sieg in Kassel wären zwei Big Points für einen erfolgreichen Liga-Start”, so die Einschätzung von Berlins Manager Bob Hanning in einer Meldung der Deutschen Presseagentur. Hanning, der sich mit dem Lemgoer Urgestein Volker Zerbe als neuem Sportkoordinator zusätzliche, geballte Kompetenz in den Fuchsbau holte, schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Trainer Dagur Sigurdsson. Seine Schützlinge hätten in den letzten Tagen gut trainiert. Das mache Mut. Aber es warte mit der MT Melsungen eine ganz schwere Aufgabe, so der Füchse-Coach gegenüber dpa. Die Berliner kommen bis auf den am Knie operierten Nationalmannschafts-Halblinken Sven-Sören Christophersen voraussichtlich in voller Besetzung. Also u.a. mit den beiden bislang überzeugenden skandinavischen Neuzugängen auf Außen, Mattias Zachrisson (IF Guif) und Fredrik Petersen (HSV Hamburg), mit den mit hoher internationaler Reputation ausgestatteten Rückraumakteuren Pavel Horak, Bartlomiej Jaszka, Denis Spoljaric, Konstantin Igropulo und Iker Romero, und natürlich mit den beiden Klasse-Keepern Petr Stochl und Silvio Heinevetter.

Große Namen zwar, aber die dürften einen wie Nenad Vuckovic nicht unbedingt mehr in Ehrfurcht erstarren lassen. Der Aufbauspieler, der jüngst zum dritten Mal in Folge das Amt des Mannschaftskapitäns beim MT-Team übertragen bekam, ist sozusagen mit allen Wassern gewaschen. Über Europa- und Weltmeisterschaften bis hin zu olympischen Spielen hat der Serbe alle großen Turniere, die ein Handballer spielen kann, mitgemacht. Aber auch, wenn diese Ereignisse aufgrund ihrer Internationalität bedeutender waren als jeder Start in eine Bundesligasaison, räumt der erfahrene Spielmacher ein, vor dem Auftakt am Mittwoch mindestens genauso angespannt zu sein, wie bei einem der großen Top-Events. “Wenn ich dieses Gefühl nicht mehr habe, dann werde ich mit dem Handball aufhören”, erklärt er mit vollem Ernst.

Um sich aber gleich wieder die zwar nur schwer erträgliche, andererseits aber doch notwendige emotionale Ausnahmesituation ins Bewusstsein zu rufen. “Die letzten 24 Stunden vor einer solchen Saisonpremiere sind besonders schlimm”, gesteht Vuckovic. “Auch wenn man es schafft, sich nach außen hin relaxt zu geben, arbeitet der Kopf die ganze Zeit. Man geht in Gedanken die Spielzüge durch, versucht, sich die Besonderheiten des Gegners einzuprägen und die möglichen eigenen Alternativen. „Dabei muss sich ein Spielmacher immer seiner besonderen Verantwortung bewusst sein. Erst recht, wenn er darüber hinaus auch noch Mannschaftskapitän ist“.

Und er muss Zuversicht verbreiten können. Dazu braucht sich Nenad Vuckovic nicht zu verbiegen. “Ich bin von Grund auf eine optimistischer Mensch”, verrät er. Und zählt sogleich auf, warum er die Chancen gegen die zu den Topmannschaften der Liga gehörenden Füchse trotz deren Stärken mit Fifty-Fifty einschätzt: “Wir haben uns gut auf diesen Gegner vorbereitet, es herrscht eine tolle Stimmung im Team und alle sind unglaublich heiß darauf, endlich in die Saison zu starten”. Damit das Nervenkostüm bis zum Anpfiff des Spiels einigermaßen unter Kontrolle bleibt, versucht der verheiratete Vater eines ebenfalls Handball spielenden Jungen den gewohnten Rhythmus einzuhalten. “Zeitig aufstehen, frühstücken, etwas Bewegung, mit der Familie Mittagessen und danach das obligatorische Nickerchen”, fasst er die Stunden bis zum Treffen mit seinen Mannschaftskameraden vor dem Spiel zusammen. “Man muss einfach alles so wie immer machen, das gibt einem die nötige Sicherheit”.

Eine Sicherheit, ja gar eine Garantie, dass er mit seiner MT gegen Berlin punktet, gibt es natürlich nicht. Zumal der Kapitän um die Stärken der Gäste weiß: “Die sind klasse besetzt, haben eine ziemlich gute Abwehr und dahinter exzellente Torhüter stehen”. Apropos Besetzung: Als gutes Omen wertet er die Tatsache, dass Trainer Michael Roth am Mittwoch höchstwahrscheinlich aus dem Vollen schöpfen kann. Es werden sich ihm wohl alle Spieler, also auch wieder die zuletzt angeschlagenen Kubes und Danner, für die Jagd auf die Füchse aufdrängen. Und natürlich die glänzend aklimatisierten Neuzugänge Philipp und Michael Müller und Johannes Sellin.

Der wiederum steht mindestens so unter Dampf, wie Kapitän Vuckovic. Schließlich trug der pfeilschnelle Rechtsaußen letzte Saison noch das Berliner Trikot. Dort reifte er auch vom Junioren- zum A-Nationalspieler. „Das ist natürlich eine große Sache, dass wir mit der MT Melsungen gleich zum Saisonstart auf meinen Ex-Klub treffen. Vielleicht kann ich Michael Roth ja noch den ein oder anderen Tipp geben”, hatte der Flügelflitzer augenzwinkernd im Rahmen der Mannschaftsvorstellung Mitte Juli gesagt. Das aber wird kaum notwendig sein, da sein Coach am Freitag den Gegner höchstpersönlich unter die Lupe nahm.

Michael Roth war Augenzeuge in Hamburg, als die Berliner drauf und dran waren, den HSV im Rückspiel der Qualifikation zur Champions League auszuschalten. Nach einem 30:30 in Berlin zwei Tage zuvor musste sich die Mannschaft von Dagur Sigurdsson allerdings denkbar knapp mit 26:27 geschlagen geben. “Ungeachtet der Ergebnisse haben die Berliner in dieser Qualifikation gezeigt, dass auch in der Meisterschaft mit ihnen zu rechnen ist. Das wird in Kassel ein heißer Tanz und für uns auf jeden Fall eine erste echte Standortbestimmung”, so der MT-Trainer. Personell hat er hoffentlich beste Voraussetzungen, um dem renommierten Kontrahenten Paroli zu bieten. Nenad Vuckovic hat sogar ein Rezept parat, wie das gelingen kann: “Wir müssen zeigen, dass wir bereit für dieses Spiel sind, in der Abwehr gut stehen und daraus mit schnellen Kontern möglichst viele einfache Tore machen”. Klingt simpel – wenn die Anspannung bis dahin auszuhalten ist. (Bernd Kaiser) 

Schiedsrichter in Kassel:
Lars Geipel (Landsberg) / Markus Helbig (Steuden), DHB-Aufsicht: Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß.

Ticketsituation:
Bis zum Dienstag waren knapp 3.000 der 4.000 Karten abgesetzt. Auf jeden Fall werden am Spieltag an der ab 18.45 Uhr geöffneten Hallenkasse noch Tickets erhältlich sein.

Bisherige Vergleiche:
12 Spiele, davon 8 Siege Füchse Berlin, 1 Sieg MT Melsungen (29:28 am 12.09.2007 in Kassel) und 3 Unentschieden, die übrigens aus den letzten 5 Begegnungen stammen.



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