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Dr. Freytag regte die Ausbildung für Ausbilder an

Aus der IHK-Geschichte – „Erst lernen, wie Jugendliche ticken“

hans-peter-freytag131227Kassel. Es kann doch nicht sein, dass Menschen andere Menschen ausbilden und keinerlei pädagogische Grundkenntnisse besitzen – dieser Gedanke ließ den IHK-Mitarbeiter Dr. Hans-Peter Freytag seinerzeit nicht los und veranlasste ihn dazu, einen Leitfaden zu diesem Thema zu veröffentlichen. Heraus kam das Werk „Der Ausbilder im Betrieb“, das er 1971 gemeinsam mit anderen Autoren verfasste. In diesem Jahr – dem Jahr des 250-jährigen Bestehens der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg – ist es bereits in der 41. Auflage erschienen.

Die weit über 200 Seiten starke Loseblattsammlung, die deutschlandweit als „der blaue Freytag“ bekannt ist, bietet berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse für den Ausbilder. „Ich habe damals die Notwendigkeit erkannt und umgesetzt, dass jemand, der in einem Betrieb anderen Menschen einen Beruf beibringt, eigentlich erst mal lernen muss, wie Wissen vermittelt wird, sodass es beim Auszubildenden auch ankommt“, sagt Dr. Hans-Peter Freytag.

Damals – das war im Februar 1962, als die berufliche Laufbahn des heute 78-Jährigen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel begann. Zuerst war er Assistent des Hauptgeschäftsführers, es folgte der Posten des Dezernenten in der Abteilung Berufsausbildung. Am 1. April 1968 wurde er schließlich Abteilungsleiter. Neben der Kenntnis über die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten seitens der Ausbilder ging es ihm allerdings ebenso um die persönliche Situation eines jungen Auszubildenden. „Man muss erst mal lernen, wie Jugendliche ticken, bevor man ihnen etwas beibringen kann“, erläutert der Berufspädagoge seinen Ansatz. Natürlich sei nicht jeder Mensch dazu gemacht, andere anzuleiten. „Das ist größtenteils eine Charaktereigenschaft“, sagt Freytag.

Um Ausbildern dieses Wissen zur Verfügung zu stellen, bot er Lehrgänge an. Umfang: 30 Stunden. „Wir waren damit die Ersten, die dies vor Ort auf breiter Basis im Kammerbezirk taten.“ Zu Beginn habe er die Lehrgänge selbst geleitet, nach und nach aber Referenten mit ins Boot geholt, was sehr gut funktionierte. „Die ersten Lehrgänge veranstalteten wir schon einige Jahre vor Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes im Jahr 1969“, betont Dr. Freytag. „Durch das Gesetz erhielt die Idee aber den entscheidenden Anschub.“

Auf Basis § 1 Abs. 3 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), in dem für Ausbilder der Erwerb von berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnissen als Ziel formuliert war, wurde 1971 schließlich die Ausbildereignungsverordnung erlassen, die eine Ausbilderprüfung aus pädagogischer Sicht vorschrieb. „Es erfordert nun mal bestimmte Kenntnisse, die für die Arbeit mit jungen Erwachsenen erforderlich sind. Als Beispiel nenne ich gern rechtliche Sachverhalte wie das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Mutterschutzgesetz“, sagt der 78-Jährige.

Doch wie kam es dazu, dass Freytag seine Kenntnisse zu Papier brachte? „Als sich der Erlass einer Ausbildereignungsverordnung abzeichnete, gab es von einigen hessischen Industrie- und Handelskammern Anfragen, ob ich das Wissen aus meinen Lehrgängen verschriftlichen könnte“, erzählt Freytag. Und so erschien recht pünktlich zum Inkrafttreten der Verordnung Band 1 des „blauen Freytag“. Auf eigenes Risiko hatte der Berufspädagoge das Werk drucken lassen. Allerdings habe es zuvor verbindliche Zusagen der Abteilungsleiter gegeben, eine gewisse Zahl an Exemplaren abzunehmen. Anfragen von weiteren Kammern folgten, die Publikation erlangte bundesweit einen guten Ruf.

Dieses Renommee ist erhalten geblieben. Zu Beginn gab es auch einen zweiten Teil, der Fragen zur Vorbereitung auf die Prüfung enthielt. Als dieser später auf CD erschien, machten zahlreiche Raubkopien eine Fortsetzung unmöglich. Teil 3 – eine Sammlung von relevanten Dokumenten zum Thema Ausbildung – wurde eingestellt, als die Unterlagen durch die neuen Medien online einsehbar waren. Teil 1 wird hingegen ständig aktualisiert. „Natürlich ändern sich Dinge, natürlich gibt es Anpassungen an aktuelle Verhältnisse“, sagt Freytag. „Aber die pädagogischen Grundsätze gelten heute wie früher.“

Kurz-Info:
Dr. Hans-Peter Freytag wurde 1935 in Neusalz an der Oder geboren. Er studierte BWL in Göttingen, dann Berufspädagogik an der Handelshochschule in Nürnberg. Im Jahr 1969 promovierte er in Marburg. Von 1962 bis 1998 arbeitete er für die Industrie- und Handelskammer Kassel, davon 30 Jahre als Abteilungsleiter der Berufsausbildung. Freytag ist verheiratet und hat vier Kinder. (red)



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