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Rogers Kapuzenmoos, Scharlachkäfer & Co

Forscher entdecken neue Tier- und Pflanzenarten in Hessen

kapuzemoos140901Hessen. „Die verbesserte Wasserqualität am Rhein macht nicht nur Badegästen Freude, auch Fische und Wasserinsekten finden hier wieder einen Lebensraum“, freut sich der Artenschutzexperte Christian Geske von Hessen-Forst angesichts des derzeitigen Sommerwetters. „In den letzten Jahren konnte beispielsweise die seit den 1920er Jahren in Hessen ausgestorbene Grüne Flussjungfer den hessischen Rheinabschnitt und die Obere Eder wiederbesiedeln“, erläutert der Biologe. Die seltene Libellenart ist auf eine gute bis sehr gute Wasserqualität angewiesen. Auch der Steinbeißer – ein kleiner aber anspruchsvoller Bodenfisch – kam nach 25 Jahren Abwesenheit vor kurzem zurück nach Hessen und breitet sich nun wieder aus. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang nun das Ergebnis der vom Servicezentrum für Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA) beauftragten Suche nach zwei Arten, deren Vorkommen in Hessen bislang unbekannt waren.

Seltenes Moos als Hinweis für gute Luftqualität
Der Moosforscher Jan Eckstein konnte mit „Rogers Kapuzenmoos“ eine weltweit sehr seltene Art erstmals für Hessen nachweisen. Die Art bildet kleine, 5-15 mm hohe, dunkel- bis gelbgrüne Polster. Der Name leitet sich von der Form der länglich ovalen Sporenkapsel ab, die anfangs eine glockenförmige, haarlose, glänzende Haube besitzt. Das Moos wächst auf der Rinde von lebenden Bäumen und Sträuchern. Die besiedelten Gehölze dienen dabei lediglich als Unterlage, denn Wasser und die zum Wachstum notwendigen Nährstoffe bezieht die Art ausschließlich über die Luft. Rogers Kapuzenmoos bevorzugt wegen dieser besonderen Lebensweise Landschaften mit sauberer Luft und hohem Jahresniederschlag als Lebensraum.  Daher vermutet der Moosexperte, dass die Neufunde in den hessischen Mittelgebirgen Taunus, Odenwald, Vogelsberg, Kellerwald und Kaufunger Wald durch die in den letzten Jahrzehnten verbesserte Luftqualität ermöglicht wurde. Das seltene Moos kommt ausschließlich in Europa vor. Mit elf neuen Fundorten hat Hessen jetzt eine erhebliche Verantwortung für das Überleben dieser durch die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützten Pflanzenart.

scharlachkaefer140901Räuberisch zwischen morschem und festem Holz
Ebenfalls im Auftrag der FENA suchte der Käferkundler Dr. Ulrich Schaffrath nach dem Scharlachkäfer entlang des Rheins. Von einem befreundeten Käferexperten hatte er den entscheidenden Hinweis bekommen und tatsächlich konnte bei Ginsheim-Gustavsburg in einem Pappelwäldchen in der Nähe des Rheins ein Vorkommen erfasst werden.

Der 11-15 mm große Scharlachkäfer lebt zwischen bereits morscher Rinde und noch festem Holz. Daher ist sein Körper insgesamt sehr stark abgeflacht. Er ist somit ein typischer Vertreter der Familie der Plattkäfer. Kopf, Halsschild und Flügeldecken sind glänzend scharlachrot. Unterseite, Beine, Fühler und Oberkiefer sind dagegen tiefschwarz. Die adulten Tiere ernähren sich räuberisch: dabei werden die Beutetiere mit den Mandibeln festgehalten, gequetscht und austretende Weichteile gefressen. Der Scharlachkäfer kommt weltweit ausschließlich in Europa vor. In Deutschland gilt die Art als „vom Aussterben bedroht“, es gibt nur wenige bekannte weitere Vorkommen in Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg.

Genauer Hinschauen lohnt sich
Deutlich verbesserte Umweltbedingungen und vor allem die intensive Beschäftigung mit den Arten der Anhänge der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sind Gründe für die sensationellen Neufunde von seltenen Arten in Hessen. Der Biologe Christian Geske ist sich sicher: „Vielen der sehr schwer zu findenden Tier- und Pflanzenarten mit geringer Größe oder sehr versteckter Lebensweise kommen wir auch in Mitteleuropa nur mit großer Aufmerksamkeit und professioneller Suche auf die Spur“. Doch wie die beiden Beispiele zeigen, kann sich die Suche auch in Hessen lohnen! (red)



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