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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Öffentlicher Themenworkshop zum Klimaschutzkonzept

Herr Utpatel referiert über seine Erfahrungen bei der Sanierung seines Wohnhauses. Foto: keeaHomberg. Am 8. September 2015 fand in der Zehntscheune Homberg der öffentliche Themenworkshop zum Klimaschutzkonzept der Stadt Homberg statt. An der Veranstaltung nahmen, neben Bürgermeister Dr. Ritz, Vertreter des sandy Projekts (http://www.sandy-projekt.org/) und interessierte Homberger Bürger teil. Im Rahmen des Workshops befassten sich die Teilnehmer mit der Entwicklung von Projektideen aus den Bereichen Klimafreundliche Stadtentwicklung, Erneuerbare Energien, Verkehr & Mobilität sowie Energetische Gebäudesanierung & Lebensstil.

Zu Beginn begrüßte Herr Fröhlich, Projektleiter bei der Klima und Energieeffizienz Agentur für das Klimaschutzkonzept Homberg, zusammen mit Bürgermeister Dr. Ritz die Teilnehmer. Herr Fröhlich gab einen kurzen Überblick zum aktuellen Projektstand.

Im Anschluss daran trugen Homberger Bürger ihre Erfahrungen aus den Bereichen energetische Gebäudesanierung und Elektromobilität vor. Herr Koch referierte über die Sanierung seines Eigenwohnheimes (Baujahr 1965). Dabei verwies er darauf, dass ein Gebäude nicht notwendiger Weise in einem Durchlauf komplett saniert werden müsse. Energetische Verbesserungen sollten dann angegangen werden, wenn sowieso Erneuerungen anstünden, z.B. der Austausch des Heizsystems oder der Fenster (abgestimmte Kleinmaßnahmen). Herr Koch zeigte zudem auf, dass nicht nur im Bereich Gebäudesanierung Handlungspotenziale für den Klimaschutz bestehen. Auch mit Maßnahmen, wie dem Kauf regionaler Produkte oder der Erledigung von Alltagswegen zu Fuß/mit dem Fahrrad, könnte der Klimaschutz voran gebracht werden.

Anschließend stellte Herr Utpatel die Sanierung seines Wohnhauses (Baujahr 1929) vor. Zwei Jahre baute er sein Haus zu einem Niedrigenergiehaus um. Hierbei nahm er neben Dämmmaßnahmen auch die Installation einer Solarthermieanlage und den Einbau einer Holzpelletheizung vor. Diese Maßnahmen hätten dazu geführt, dass die Heizung von März bis Anfang Oktober abgestellt bliebe. Weiterhin erläuterte Herr Utpatel die Installation einer hauseigenen Wasserrecyclinganlage, wodurch er das aus seinem Haushalt stammende Abwasser nachträglich für die Toilettenspülung sowie zur Gartenbewässerung nutzen könne. Diese Maßnahmen seien für ihn keine ideologische Frage, sondern eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Herr Fröhlich stellt den aktuellen Stand zum Klimaschutzkonzept vor. Foto: keeaHerr Groß stellte im Anschluss seine Erfahrungen mit seinem Elektrofahrzeug vor. Dieses legte er sich im Frühjahr 2014 zu. Das Fahrzeug nutze er vorrangig zum Transport von Lebensmitteln von seinem Biohof nach Kassel (i.d.R. zweimal wöchentlich). Das Fahrzeug ist mit einem Nickel-Natriumchlorid-Akku ausgestattet, welcher eine Ladezeit von 6 bis 7 Stunden verfügt. Mit dem vollständig geladenen Akku verfügt das Fahrzeug über eine Reichweite von ca. 100 km. Herr Groß verwies darauf, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung bei etwa 110 km/h liege. Er sei dennoch sehr zufrieden mit seiner Entscheidung der Anschaffung eines Elektrofahrzeuges. Rund 90 Prozent seines Mobilitätsbedarfs könne er mit dem Fahrzeug abdecken.

Im Anschluss an die Erfahrungsberichte teilten sich die anwesenden Personen auf zwei Kleingruppen auf: 1. Klimafreundliche Stadtentwicklung, Verkehr/Mobilität und Erneuerbare Energien (Moderator: Herr Wangelin); 2. Energetische Gebäudesanierung und Lebensstil (Moderator: Herr Schumann). Die Klei-gruppen tauschten sich über vorhandene Stärken und Schwächen sowie Potenziale in Homberg rund um die gruppenspezifischen Themenbereiche aus. Darauf aufbauend wurden Verbesserungsvor-schläge und Maßnahmenideen entwickelt. Im Anschluss an die Gruppenarbeit fassten die beiden Grup-penmoderatoren die Ergebnisse und Inhalte im Plenum zusammen.

Kleingruppe Klimafreundliche Stadtentwicklung, Verkehr/Mobilität und Erneuerbare Energien
In der Kleingruppe wurde vor allem über das Thema Verkehr und Mobilität diskutiert. Dabei stand die Frage im Vordergrund, welche Fortbewegungsmittel sich für welche Zielgruppe eignen. Angemerkt wurde, dass entsprechende Potenziale bzw. Bedarfe in und für Homberg erfasst werden sollten. Eine Möglichkeit zur Erfassung der Potenziale wäre die Erstellung eines geförderten Teilkonzeptes „Klimafreundliche Mobilität“. Daneben befassten sich die Teilnehmer mit Sensibilisierungsmöglichkeiten für eine stärkere Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs. Weiterführend wurde angemerkt, dass zum einen das Radwegenetz in Homberg optimiert und zum anderen die Wahrnehmbarkeit von Radfahrern im öffentlichen Raum gefördert bzw. verbessert werden sollten. Hierdurch könne, so die Teilnehmer, die Attraktivität der Fahrradnutzung begünstigt werden. Als eine Idee wurde die Aufbringung eines (roten) Markierungsstreifens auf dem Straßenbelag zur Kennzeichnung von Radwegen vorgeschlagen. Als weitere Maßnahmen wurden die Installation einer E-Ladesäule in der Kernstadt, Hinweisschilder (Radverkehr), die Verbesserung (öffentlichkeitswirksam) von Abstellmöglichkeiten für Fahrräder (Fahrradboxen/Ständer) sowie die Einbindung lokaler Fahrradhändler beim Verleih von E-Bikes genannt. Die Möglichkeiten zur Einrichtung einer Mitfahrzentrale waren ein weiterer Punkt der besprochen wurde. Als Ideen zur Bewerbung einer solchen Mitfahrzentrale wurden Apps, Internetplattformen, Meldungen im Homberger Anzeiger oder Aufkleber auf Pkw genannt.

Mit Bezug auf Erneuerbare Energien diskutierten die Gruppenmitglieder die Frage, wie mit dem durch die eigene PV-Anlage produzierten Strom umgegangen werden kann, wenn die Vergütung nach 20 Jahren ausgelaufen ist. Daneben wurden Ideen besprochen, wie vor allem das vorhandene und noch erschließbare solare Potenzial (besser) genutzt und mit Speichermöglichkeiten kombiniert werden könn-te. Als Ideen wurden die Entwicklung von Quartierspeichern, die Nutzung der Akkus von Elektrofahrzeugen und die Nutzung des Basaltwerkes als lokales Speicherbecken genannt. Weiterhin wurde angemerkt, den Dialog bzw. Austausch zwischen dem lokalen Energieversorgungsunternehmen, der Bürgerschaft und der Stadtverwaltung zu fördern. Bei den erneuerbaren Energien waren sich die Teilnehmer einig, dass die Nutzungsvielfalt erhalten und ggf. ausgebaut werden sollte. Die Nutzung sollte nicht auf einen Energieträger beschränkt sein (Monopolstellung), sondern es gelte aus dem gesamten Energieportfolio der vorhandenen Technologien zu schöpfen.

Diskutiert wurde insbesondere der Abbau bestehender Hemmnisse und Vorurteile bei Hauseigentümern gegenüber der Durchführung einer energetischen Gebäudesanierung. Zu den Gründen wurden von den Gruppenteilnehmern Unkenntnis (auch bei Handwerkern) und fehlende Anreize gezählt. Dem müsse man durch Aufklärung bzw. mit lokalen Informationsangeboten (Handwerkerschulungen) oder Kleinförderprogrammen entgegenwirken. Weitere Ideen sind die Vergabe von Plaketten für Energiesparer (Wettbewerbsgedanke, sozialer Vergleich) und das Aufzeigen von Best-Practice-Beispielen, aber auch „negativen Beispielen“, wo aus den getätigten Fehlern gelernt werden kann. Lokale Beispiele, wie die im Rahmen des Workshops vorgetragenen, sollten über die örtlichen Medien verstärkt kommuniziert werden (Kommunikationsstrategie). Scharf getrennt werden müsse zwischen kleinen, geringinvestiven und großen, umfangreichen Maßnahmen. Wann, was und wie durchgeführt werden kann und sollte bedarf einer Beratung von außen, jedoch verbleibe die letztendliche Entscheidung beim Hausbesitzer. Somit sprachen sich die Teilnehmer für eine individuelle vor-Ort-Beratung aus, bei der auch Aspekte wie Amortisationszeiträume besprochen werden sollten. Generell soll die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen, Beratungsangebote fördern und den Einsatz von Einzelpersonen im Bereich Energie und Klimaschutz honorieren. Zudem sollten Informationen über Zuschüsse vermehrt und transparent sowie einfach verständlich kommuniziert werden.

Einig waren sich die Gruppenteilnehme, dass der individuelle Lebensstil, das Nutzerverhalten und die eigenen Ansprüche einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Bereitschaft für eine Gebäudesan-ierung, aber auch andere Klimaschutzaktivitäten, haben. Weiterhin bestand Konsens über die Tatsache, dass dem einzelnen Hausbesitzer der Mehrwert (Kosteneinsparung) möglicher Maßnahmen, sowohl für den Einzelnen als auch die Gemeinschaft, nachvollziehbar aufgezeigt wird und dieser dann auch erkannt wird.

Ausblick
Ab Mitte September 2015 findet die detaillierte Ausarbeitung des zielgruppenspezifischen Maßnahmenkatalogs statt. Dabei fließen die Ergebnisse aus dem Themenworkshop in die Konzeptentwicklung ein. Die Ideen werden vorerst eingehender auf ihre Relevanz für den Klimaschutz in Homberg sowie ihre Umsetzbarkeit geprüft. Nachfolgend werden diese ausformuliert und in den Maßnahmenkatalog aufgenommen. Ab Oktober erfolgen dann die Erarbeitung eines Monitoring-Konzeptes sowie die eines Konzeptes zur Öffentlichkeitsbeteiligung. (pö)



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