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MT entzaubert Tabellenführer – 25:23 gegen die Löwen

Johan Sjöstrand zeigte sich als überragender Torwart. Foto: HartungKassel/Melsungen. Mit einer fast unglaublichen Energieleistung drehte die MT Melsungen einen Halbzeitrückstand im Topspiel gegen die bis dahin ungeschlagenen Rhein-Neckar Löwen noch um und siegte mit 25:23 (12:14). Vor 4.300 restlos begeisterten Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle ließen sich die Nordhessen auch durch mehrere Rückstände nicht aus der Ruhe bringen und hatten in Torhüter Johan Sjöstrand den mit Abstand stärksten Spieler des Tages in ihren Reihen. Vor allem in der zweiten Hälfte parierte der Schwede schwierigste Bälle in Serie. Kapitän Michael Müller hatte wie Johannes Sellin am Ende sechs Tore auf seinem Konto. Für die Löwen erzielte Uwe Gensheimer mit elf Treffern fast die Hälfte aller Tore seiner Mannschaft allein.

Mit einer 5:1-Deckung und dem vorgezogenen Michael Allendorf versuchte die MT von Beginn an, die Kreise von Löwen-Spielmacher Andy Schmid zu stören. Ohne Erfolg, denn die Führung besorgte der Schweizer höchst selbst mit einem Hüftwurf durch die Deckung. Michael Müller gelang das gleiche Kunststück zum Ausgleich auf der anderen Seite, bevor Uwe Gensheimer mit drei Toren in Folge bei einem Gegentreffer durch Timm Schneider die Gäste 4:2 nach vorn warf (5.).

Obwohl sich zwei der besten Defensiven der Liga gegenüber standen, fielen die Tore anfangs in schneller Folge. Geschuldet war das einer hohen Effektivität, die beide Offensivabteilungen auszeichnete. Das Ringen um eine Lücke war zäh und mühsam. Doch kam ein Spieler schließlich zum Abschluss, zappelte das Leder meist im Netz. Entweder durch Tempogegenstöße von Uwe Gensheimer und Johannes Sellin, oder aber aus dem gebundenen Spiel durch Alexander Petersson und Momir Rnic. Zwar gingen die Gäste immer wieder in Vorlage, weg kamen sie jedoch nicht (6:6, 13.).

Die erste Zeitstrafe der Partie gegen Stefan Kneer hatte der Tabellenführer dank Mikael Appelgrens Parade gegen Michael Müller gerade schadlos überstanden, da sorgte Felix Danner für die erste Führung der Hausherren (7:6, 15.). Die Marino Maric in Unterzahl zum 8:7 erneuerte, als Philipp Müller auf der Strafbank saß. Es war das allgemein erwartete Spiel auf Augenhöhe, das sich die beiden derzeit besten Teams der Liga lieferten. Mit seinem dritten Gegenstoßtreffer, dem sechsten insgesamt, holte Uwe Gensheimer die Führung für die Löwen zum 11:10 zurück, Patrick Groetzki erhöhte nur eine Minute später auf zwei Treffer.

Zeit für die erste Auszeit von Michael Roth. Doch die verfehlte ihren Zweck, weil Momir Rnic den Kasten verfehlte und Gensheimer nach einer sehr langen Angriffssequenz per Siebenmeter weiter erhöhte. Erst Michael Müller vermochte die Kugel zum 11:13 wieder an seinem ehemaligen Mannschaftskollegen Appelgren vorbeizubringen. Am Rückstand zur Pause änderte das nichts, auch wenn der durch einen direkt verwandelten Freiwurf von Timm Schneider auf ein Tor geschrumpft zu sein schien. Doch weil der Melsunger bei Ausführung die gestrichelte Linie um wenige Zentimeter übertreten hatte, fand sein Treffer keine Anerkennung.

Weil Felix Danner und Gideón Guardiola jeweils noch Strafen aus der ersten Hälfte absaßen, starteten beide Mannschaften mit einem Mann weniger in den zweiten Durchgang. Die MT zwar mit dem Vorteil des Ballbesitzes und der früheren Rückkehr von Danner auf das Feld, aber mit erheblichen Schwierigkeiten, an der weiter dezimierten Löwen-Deckung vorbeizukommen. Dafür traf Andy Schmid und bescherte den Gelb-Schwarzen den besseren Wiederbeginn.

Erst die nächste Hinausstellung, diesmal gegen Mads Mensah Larsen, nutzten die Gastgeber. Michael Müller gelang der Anschluss in Überzahl, den Ausgleich verpasste Momir Rnic dagegen mit einem Wurf an den Pfosten (14:15, 34.). Beide Abwehrreihen hatten inzwischen erheblich zugelegt. Und auch die Torhüter steigerten sich von Minute zu Minute. Die Zuschauer bejubelten Johan Sjöstrands Glanzparade gegen den völlig freien Gideón Guardiola vom Kreis wie einen Treffer und erhoben sich applaudierend von ihren Plätzen. Sie standen immer noch, als Timm Schneider zum 15:15 erstmals wieder ausglich (38.).

Einer der schönsten Volltreffer des Tages gelang Johannes Sellin. Gerade lief die Strafe gegen Michael Allendorf ab, die Schiedsrichter hatten bereits den Arm oben zum Zeichen des passiven Spiels, da kreuzte der Rechtsaußen fast auf die halblinke Position und nagelte das Leder per Sprungwurf passgenau unter die Latte. Die MT war nach 41 Spielminuten nicht nur dran, sondern nun wieder mit 17:16 vorn.

Immer hitziger wurde das Duell auf dem Feld, immer mehr gerieten die Unparteiischen unter Druck mit ihren Entscheidungen. Doch sie lösten ihre Aufgabe souverän, sahen auch Kleinigkeiten und sparten nicht mit Strafen auf beiden Seiten. Ließen auch korrekt weiterlaufen, als Gensheimer ohne Einwirkung des Gegners zu Boden ging und Johannes Sellin das abgebrüht zum 19:17 nutzte (45.). Zwar schrumpfte der Vorteil wieder, als Nenad Vuckovic raus musste, Schlimmeres verhinderte aber Johan Sjöstrand mit der nächsten Glanztat gegen Uwe Gensheimer.

Vuckovic saß gerade zum zweiten Mal draußen, da machte Mads Mensah Larsen das 20:20. Knapp über zehn Minuten waren da noch zu spielen, und Vorteile für einen der beiden Kontrahenten waren nicht zu erkennen. Weil aber in Philipp Müller an Appelgren scheiterten, hätte das Pendel fast wieder auf Löwen-Seite ausgeschlagen. Wenn da nicht erneut Sjöstrand dem freien Patrick Groetzki seinen Versuch abgekauft hätte. Michael Müller veredelte die Parade zum 21:20, und nach dem nächsten Sjöstrand-Save gegen Andy Schmid war es abermals der Kapitän, der zum 22:20 einlochte (53.).

Endgültig zum Held des Publikums machte sich der Schwede mit einer Doppelparade gegen Mads Mensah Larsen und Gideón Guardiola. Aber die MT verpasste die mögliche Vorentscheidung im folgenden Angriff durch allzu zögerliches Verhalten im Abschluss. Alexander Petersson nutzte das in Unterzahl zum Anschluss. Und weil der eingewechselte Borko Ristovski in seinem ersten Auftritt im Löwen-Trikot gegen Philipp Müller Sieger blieb, gingen die Gäste wieder auf den Gleichstand zu. Aber auch auf Johan Sjöstrand, der auch von Kim Ekdahl Du Rietz nicht zu bezwingen war. Seinen Pass in den Lauf verwandelte Johannes Sellin unter ohrenbetäubendem Jubel der voll besetzten Ränge zum 23:12 (58.).

Eine Sekunde fehlte an der vollen Schlussminute, als Michael Roth beim Stand von 24:23 zur letzten Auszeit bat. Eine endlos lange Minute, die abgeklärt die Uhr herunterspielende Melsunger sah. So lange, bis die Arme der Schiedsrichter wieder nach oben ginge. Das Startsignal zur zündenden Abschlusshandlung, die Philipp Müller aus halblinker Position ins entlegene untere Eck vollendete – 25:23 mit noch 30 Sekunden auf der Uhr. Uns als ob er noch einmal darauf hinweisen wollte, wer für diese mannschaftliche Glanzleistung die Grundlage geschaffen hatte, packte sich Johan Sjöstrand auch noch den allerletzten, verzweifelten Wurfversuch von Kneer. Der Rest ging unter in einer bebenden Rothenbach-Halle, die minutenlang in ihren Grundfesten erschüttert wurde. Das Feiern von Mannschaft und Fans auf dem Feld wollte lange kein Ende nehmen.

Stimmen zum Spiel
Michael Roth: Ich bin natürlich zufrieden, vor allem dass wir uns heute mit diesem Spiel den Höhepunkt der bisherigen Saison beschert haben. Es war schon vor dem Spiel unser Höhepunkt unabhängig vom Ergebnis, und dass wir das Spiel gewonnen haben ist natürlich noch umso schöner. Ich habe der Mannschaft schon vorher in der Kabine schon gratuliert, bin jetzt natürlich umso stolzer. Wir haben immer schon gesagt, dass wir eine starke Mannschaft haben, wollen aber natürlich auch den Vorteil ausnutzen, uns ohne zusätzliche Verpflichtungen im internationalen Geschäft mit mehr Zeit auf die Gegner vorzubereiten. Das war heute ein Spiel mit allem, was unseren Sport Handball ausmacht und wir waren am Ende der verdiente Sieger. Johan Sjöstrands Paraden haben uns in der zweiten Hälfte den Weg geebnet. Sonst weiß ich immer noch nicht so genau, was ich sagen soll. Ich bin einfach stolz und glücklich.

Nikolaj Jacobsen: Erstmal herzlichen Glückwunsch an die MT und Michael. Zum Schluss waren sie der verdiente Sieger. Wir haben das in der ersten Hälfte gut gemacht und standen prima in der Deckung. Mikael Appelgren hat gut gehalten und vorn hatten wir die 5:1-Deckung von Melsungen gut im Griff. Auch in die zweite Halbzeit sind wir gut hineingekommen, dann hat aber Sjöstrand angefangen zu halten. Nicht einverstanden bin ich mit einigen Strafen meiner Mannschaft. Mit so vielen Strafen hat man es immer schwer, ein Spiel auch zu gewinnen. Der Knackpunkt war, als wir zum 20:20 zurückgekommen sind, die Chance zur Führung vergeben haben und dann wieder eine dieser Strafzeiten bekommen haben. Melsungen hat bewiesen, dass sie eine ausgezeichnete Mannschaft sind. Uns hat am Ende vielleicht etwas die Kraft gefehlt, aber wir hatten nun auch schon 18 Pflichtspiele in dieser noch kurzen Saison.

Statistik
MT Melsungen: Sjöstrand (19 Paraden / 22 Gegentore), Villadsen (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.); Maric (1), Sellin (6/2), Forstbauer, Hildebrand, Danner (3), P. Müller (2), Boomhouwer, Rnic (3), Schneider (4), Allendorf, Vuckovic, M. Müller (6)

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren (13 P. / 22 G.), Ristovski (1 P. / 3 G.); Schmid (3), Gensheimer (11/5), Kneer, Sigurmansson, Baena Gonzales, Steinhauser, Larsen (2), Pekeler, Groetzki (2), Guardiola, Petersson (4), Ekdahl Du Rietz (1)

Schiedsrichter: Andreas Pritschow (Leinfelden) / Marcus Pritschow (Echterdingen)

Zeitstrafen: 12 – 12 (P. Müller 15:03, Danner 28:35 41:37 Allendorf 38:24, Vuckovic 44:56 49:12 – Kneer 12:12, Groetzki 26:27, Guardiola 29:26, Larsen 33:21 54:08, Pekeler 42:47)

Strafwürfe: 2/2 – 6/5 (Gensheimer an den Pfosten 28:39)

Zuschauer: 4.300 in der Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft)



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