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Michael Roth zum Erfolg des DHB-Teams

“Mutige Entscheidungen, die belohnt werden”

Michael Roth. Foto: Alibek KäslerMelsungen. „Die deutsche Handball-Nationalmannschaft schwimmt bei der Europameisterschaft auf einer Welle des Erfolges und verursacht wahre Wogen der Begeisterung. Die positiven Auftritte in Polen (sechs Spiele, fünf Siege) sorgen landauf, landab für das größte Interesse seit dem Gewinn des Welttitels in 2007. Die Übertragungen der Spiele in den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern verfolgen im Schnitt  sechs Millionen Zuschauer. Mit dem Halbfinale gegen Norwegen (heute, 18.30 Uhr, live im ZDF) dürfte diese Quote noch getoppt werden. Egal welche Platzierung jetzt noch herausspringt, die junge Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson hat schon jetzt alle Erwartungen weit übertroffen. Wie es dazu kam und ob es überhaupt eine so große Überraschung ist“, erklärt Michael Roth, Trainer von Bundesligist MT Melsungen.

Mit dieser Leistung und den bisherigen Ergebnissen der deutschen Mannschaft, gerade auch nach den Ausfällen etlicher Leistungsträger, war doch nun wirklich nicht zu rechnen. Oder sieht das ein Bundesligatrainer anders?

Michael Roth: „Ich schließe mich in diesem Punkt gerne dem Bundestrainer an, für den die bisherigen Auftritte des Teams ja auch nicht  sonderlich überraschend sind. Jung heißt ja nicht zwangsläufig unerfahren. Sicher fehlen aktuell einige Akteure im Kader, aber es gibt offensichtlich in Deutschland eine ganze Reihe sehr guter Spieler, mit denen sich auch eventuelle Ausfälle kompensieren lassen. Das ist auch eine Bestätigung für die Bundesliga, die so genannte stärkste Liga der Welt, in der ja die Spieler ausgebildet werden und sich Woche für Woche mit den besten dieser Sportart messen können. Letztendlich trifft der Bundestrainer die Auswahl und ist dann auch verantwortlich dafür, die Mannschaft einzustellen und zu führen. Und da macht Dagur Sigurdsson einen hervorragenden Job. Vor zwei Jahren, als es um die Nachfolge von Martin Heuberger ging, gehörte ich ja zu denen, die sich öffentlich wieder einen deutschen Trainer für dieses Amt wünschten. Was aber keinesfalls gegen meine ausländischen Kollegen gerichtet war. Denn Dagur Sigurdssons Qualifikation stand außer Zweifel und diese Wahl hat sich schon rasch als richtig erwiesen. Die Qualifikationsspiele und auch zwischendurch der 7. Platz bei der WM waren erste Hinweis darauf, dass er Mut hat, neue Wege zu gehen und Entscheidungen zu treffen. Und jetzt ist das Auftreten bei der Europameisterschaft eine echte Belohnung dafür. Sigurdsson findet offenbar die richtige Ansprache, gibt den Spielern Vertrauen mit auf den Weg und stellt sie entsprechend ein. Natürlich sind viele junge dabei. Aber Spieler wie Weinhold, Fäth und Pekeler tragen in ihren Vereinen ja schon länger Verantwortung; auch Lemke, der schon in Lemgo mit Pekeler den Innenblock gebildet hat. Auch auf der Torhüterposition wurde eine mutige Entscheidung getroffen, die inzwischen belohnt wird. Nicht jeder Trainer lässt schließlich einen Mann wie Heinevetter zuhause.“

Wie sind die öffentlichkeitswirksamen Effekte zu bewerten, die momentan von der Nationalmannschaft ausgehen?

Michael Roth: „Der Umfang der Berichterstattung und die hohe Anteilnahme der Öffentlichkeit zeigt, dass es in Deutschland ein sehr großes Interesse am Handball gibt. Die Sportart findet jetzt übrigens auch in Medien statt, die ansonsten nie oder nur selten davon Notiz nehmen. Zudem wird mit den TV-Übertragungen deutlich, wie attraktiv diese Sportart tatsächlich ist: Hohes Tempo, spektakuläre Torszenen am laufenden Band, spannende Spielverläufe, Entscheidungen in den letzten Sekunde – das sind nur einige der Gründe, die die Faszination erklären, die vom Handball ausgeht. Und die somit auch für Übertragung der Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sprechen. Wenn die dann noch gut aufbereitet und kommentiert werden, wie zum Beispiel von Florian Naß, einem ausgewiesenen Fachmann, dann kommt das auch in der Breite sehr gut an. Diese Aufmerksamkeit, die wir Handballer uns ja immer wünschen, haben wir jetzt. Ich hoffe, dass diese positiven Effekte von allen Verantwortlichen genutzt werden. Denn die sind nicht nur für die Bundesliga, sondern für die Sportart insgesamt wichtig.“

Die Nationalmannschaft als Zugpferd stark machen bedeutet aber andererseits für die Liga auch Kompromisse einzugehen. Schließlich steigt die Belastung der betreffenden Spieler zusätzlich, einige, wie jüngst Dissinger und Weinhold, kehren verletzt in ihren Verein zurück.

Michael Roth: „Sicher ist die Belastung höher für Nationalspieler, als für Nicht-Nationalspieler. Aber hier muss man sich auch auf anderer Ebene Gedanken machen, wie diese zu reduzieren ist. Wenn ich nur an den unsinnigen Modus bei der jetzigen EM denke, bei der der Sieger der Vorrunde in der Hauptrunde zwei Spiele in noch nicht einmal 24 Stunden austragen muss. Andererseits können wir in den Clubs selber etwas steuern. Viele Spiele bedeutet in der Regel weniger Training, umgekehrt bedeuten weniger Spiele viel Training. Das Verletzungsrisiko in der Nationalmannschaft ist sicher da, aber verletzen kann man sich auch in der Liga oder im Training. Letztlich führt aber kein Weg an einer möglichst starken Nationalmannschaft vorbei, wenn man ein Zugpferd für seine Sportart braucht. Das ist ja derzeit wieder sehr gut zu erkennen.“

Zurück zur deutschen Mannschaft und zur EM: Was ist jetzt alles drin für unser Team?

Michael Roth: Wenn heute abend Norwegen und Deutschland aufeinandertreffen, stehen sich zwei Mannschaften in etwa auf Augenhöhe gegenüber. Beide Teams sind bei dieser EM in einem gewissen Flow und damit ist für beide alles möglich. Wobei ich einen leichten Vorteil auf unserer Seite sehe – ich halte unserer Abwehr inklusive der Torhüter für etwas stärker. Aber ich denke auch, das Halbfinale wird viel schwerer, als ein mögliches Finale. Zuzutrauen ist unserer Mannschaft alles. Doch egal, wie sie beider dieser EM abschneidet, viel wichtiger ist ja, dass sie aufgrund ihrer Zusammensetzung eine sehr gute Perspektive hat. Der Umbruch, der bei uns schon weit gediehen, steht Mannschaften wie Frankreich oder Spanien erst noch bevor. Diesem jungen deutschen Team gehört auf jeden Fall die Zukunft.“ (Bernd Kaiser)



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