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THS setzt Aktionstage gegen Rechts fort

Manfred Ochs und Jan Selchow vom hessischen Aussteigerprojekt „IKARus“ diskutieren mit Schülern. Foto: Valentin Hammer, Klasse 9aHomberg. Die AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der THS unter der Leitung von Thomas Schattner hat in einem erneuten Gemeinschaftsprojekt am 14. April 2016 mit der EKS zusammen mit einem breiten Spektrum an hochkarätigen außerschulischen Kooperationspartnern ausgewählten Jahrgängen beider Schulen an verschiedenen Stationen das Bewusstsein für Gefahr von unterschwelligem rechten Gedankengut angeregt. Diese Veranstaltung knüpfte an die Vorführung des Filmes „Radikal“ vom 24. April an, in dem einen Jugendlicher innerhalb von 17 Minuten in drei radikale Kreise abdriftet. Das Filmprojekt ist einzigartig, produziert hat den Film das das Hessische Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE) in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium (HKM) und der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen).

Am zweiten Aktionstag wurden in zeitlich drei getrennten Blöcken die verschiedenen Jahrgänge beider Schulen in der Aula der THS vom Mitkoordinator der EKS, Gunnar Krosky, begrüßt. Malte Lantzsch vom Mobilen Beratungsteam Kassel (MBT) gab in einem Inputreferat einen stichpunktartigen Überblick über die „Erlebniswelt Rechts“. Ergänzt wurde dieses durch einen Überblick in die lokalen „rechten“ Facetten des Kreises und besonders um in der Stadt Homberg und ihr Umfeld. Thematisiert wurden u.a. rechte „Aufkleberanschläge“ auf die THS und die EKS, sowie fremdenfeindliche Aufkleber zwischen den beiden Schulen in Januar und Februar 2016, die sich gegen Asylsuchende richteten. In Kleingruppen wurden die Schüler anschließend zu verschiedenen Experten von AG- und EKS-Schülern begleitet.

Niebling und Born von der „Roten Linie“, eine Organisation, die sich präventiv um Jugendliche kümmert, die gefährdet sind, nach „rechts“ abzudriften, informierten die Schüler bspw. über mögliche Gründe für einen Einstieg in radikale Gruppierungen und wie man diesen Kindern und Jugendlichen begegnen kann. Jan Selchow und Manfred Ochs von IKARus (einem Aussteigerprogramm des Landes, welches in Nordhessen an das Polizeipräsidium Kassel gekoppelt ist), gaben praxisnahe Beispiele für die Schwierigkeiten eines Ausstiegs aus der rechten Szene. Das fanden viele Schüler „unheimlich spannend“, denn solche Einblicke waren ihnen bisher nicht zugänglich. In den Gesprächen mit den Schülern wirkten sich besonders die lange berufliche Erfahrung der beiden „Gesprächspartner“ und ihr besonderes ausgeprägtes Gespür, mit Schülern ins Gespräch zu kommen, sehr positiv aus. Tiefbeeindruckt verließen viele Schüler ihren Raum.

Mitglieder der AG „SoR“ während der Diskussion mit ihren Mitschülern über "asoziale Netzwerke". Foto: Valentin Hammer, Klasse 9aInsbesondere Hakim Sahin, ein in Deutschland geborener Muslim, auch vom Polizeipräsidium der Kasseler Polizei, wurde mit unterschiedlichsten Fragen zur Religion Islam befragt. Den Extremismus ließ der Experte außen vor, denn dieser hat mit der eigentlichen religiösen Praxis nichts, aber überhaupt nichts gemeinsam, stattdessen wird die Religion pervertiert. Gerade durch die Beschränkung auf die Religion konnte durch Hakim Sahin mit enorm vielen Vorurteilen aufgeräumt werden. Ob die Verschleierung der muslimischen Frauen denn gegen die Demokratie sprechen würde, beantwortete er bspw. mit einer objektiven Antwort, denn der Islam biete der Frau durchaus die Möglichkeit der eigenen Entscheidung, inwieweit sie sich verschleiere. Weiterhin erklärte er den Schülern, dass der Fastenmonat Ramadan, den historischen Hintergrund hat, sich mit ärmeren Mitbürgern, die Hunger leiden, zu solidarisieren. Den gleichen Hintergrund hat das gemeinsame Gebet in der Moschee. Dies diene nach Herr Sahin auch nur dem sozialen Austausch, damit Fälle wie kürzlich erst in Kassel geschehen, dass eine Leiche einer älteren Person viele Monate unentdeckt in einer Wohnung liege, vermieden werden können. Und er überraschte auch die Schüler mit internationalen Informationen. So müssen nach Sahin in den Niederladen Polizisten, die in den gehobenen Dienst aufsteigen wollen, einen Nachweis erbringen, dass sie drei Wochen in einer muslimischen Familie gelebt haben, um später auch vorurteilsfrei ermitteln und entscheiden zu können.

Malte Lantzsch vom MBT vertiefte seine eingangs formulierten Ausführungen in der Ausstellung RECHTSaußen – MITTENdrin (vom MBT 2014 konzipiert) u.a. zu den Dresscodes rechter Gruppierungen. „Was kannst du tun?“ lautet die konkrete Frage des AG-Tisches der „AG SoR“ in der Aula, an dem die Schüler untereinander Lösungsmöglichkeiten insbesondere für die rechtspolulistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen in „sozialen“ Netzwerken wie Facebook und WhatsApp entwickelten.

Nach der Veranstaltung war den Aktiven und Organisatoren klar, dass die Zusammenarbeit mit den außerschulischen Partnern zu erweitern sei und schwerpunktmäßig weitergearbeitet werden müsse. Dass Schüler beider Schulen zusammen den Tag verbrachten, war ganz nebenbei wieder ein Zeichen für Demokratie und gegenseitigem Respekt. Eine Schülerin der Jahrgangstufe 12 (Q2) formulierte folgendes Fazit der Veranstaltung: „Ich denke es handelte sich heute um eine sehr erfolgreiche Aktion, die mit Sicherheit viele Missverständnisse weggeräumt hat und auf der anderen Seite Schüler dazu angeregt hat, Dinge zu hinterfragen, zu überdenken und vielleicht in manchen Situationen eine andere Reaktion zu zeigen, als bisher“.
Seit Montag, den 11. April bis zum 11. Mai 2016 zeigt die AG „Schule ohne Rassismus“ unter der Leitung von Thomas Schattner am Homberger Theodor-Heuss-Gymnasium eine Ausstellung zum Thema Rechtsextremismus und Handlungsmöglichkeiten gegen eben diesen. Entwickelt wurde die Ausstellung vom „beratungsNetzwerk Hessen“. Die Ausstellung ist im Foyer des Altbaus zu den normalen Öffnungszeiten der Schule zu sehen. Die interessierte Öffentlichkeit und andere Schulen sind herzlich eingeladen, die Ausstellung zum Anlass zu nehmen, die THS zu besuchen. (Thomas Schattner)



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