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Henri Alter ließ Speer über 60 Meter segeln

Henri Alter nach dem Abwurf. Foto: nhHalle/Melsungen. Knapp drei Monate vor den Olympischen Spielen in Rio bot der glänzend besetzte Werfertag in Halle an der Saale hoch interessante und spannende Vergleiche der besten deutschen Leichtathleten. Für die herausragenden Ergebnisse sorgten allerdings die Gäste aus dem Ausland: Anita Wlodarczyk (Polen) stellte im Hammerwerfen mit 79,48 Meter ebenso eine Jahresweltbestleistung auf wie die chinesische Kugelstoßerin Lijiao Gong, die auf 20,43 Meter kam und nun Favoritin für die Goldmedaille in Rio ist. Bei der erstklassig besetzten Diskuswurf-Konkurrenz der Frauen schleuderte die Berlinerin Julia Fischer die 1kg-Scheibe auf 68,49 Meter und übertrumpfte damit noch die aktuelle Weltmeisterin Denia Caballero aus Kuba, die auf 66,41 Meter kam sowie die überraschend starken Chinesinnen Xinyue Su (65,40) und Bin Feng (65,14).

Freuen durfte sich aber auch Henri Alter (MT Melsungen), der wegen einer Schulterverletzung fast zwei Jahre in seiner Speerwurfentwicklung gehemmt wurde. Die Heilung verlief nicht so problemlos wie erhofft. Tatenlos musste der vielseitige Melsunger zuschauen, wie sich die Konkurrenz auf nationaler Ebene weiter entwickelte. Aber seit einiger Zeit kann er wieder schmerzlos trainieren und den Speer werfen. Bei der Saisoneröffnung in Alsfeld überraschte er mit einem Wurf von 58,14 Meter. Beim Pfingstmeeting in Baunatal gab es einen kleinen Rückschritt, denn er musste eine Niederlage gegen Karl Westphal einstecken. Der Wanfrieder überzeugte mit 57,40 und ließ seinem Konkurrenten keine Chance.

Alter, der auch im Training immer mit voller Kraft auf Leistung wirft und dabei seine Technik beim Abwurf vernachlässigt, kam im Baunataler Parkstadion nur auf 55,64 Meter. Beim Training für die Landesmeisterschaften im Melsunger Waldstadion ließ der 20-jährige Sportstudent mehrmals seinen Speer über die 60-Meter-Marke fliegen und lag mit dieser Leistung bereits über der Planung. Henri sollte bei den hessischen Meisterschaften seinen ersten 60-Meter-Wurf absolvieren und damit die Norm für die deutschen U23-Meisterschaften erfüllen.

Nach den guten Trainingsleistungen reiste er mit dem Ziel nach Halle, mit einer Leistung über 60 Meter aufzuwarten, aber auch das Finale der besten acht U23-Werfer zu erreichen. Es war kein leichtes Unterfangen, was sich Henri Alter vorgenommen hatte, denn mit Marian Spannowsky (Metzingen, 76,53 m), Sascha Graf (Steinbach, 73,29 m) und dem hessischen Männermeister Hendrik Nungeß (Neu-Isenburg, 73,24 m) waren drei deutsche U23-Werfer am Start, die im Vorjahr die 70-Meter-Marke klar übertroffen hatten. Hinzu kamen mit Kaspar Olszczuk, Junioren-Europameister von Tallin 2015 mit 82,29 Metern und dessen Landsmann Mateusz Kwasniewski zwei hochkarätige Werfer aus Polen. Aber auch der Isländer Dagbjatur Jonnson und die beiden Deutschen Patrick Held (63,42 m) und Max Emmerich (Bayer Uerdingen, 61,59 m) waren im Jahr 2015 mehrfach über der 60-Meter-Marke geblieben.

Henri Alter beim Speerwurfanlauf. Foto: nhObwohl der Unterschied zwischen den Trainingswürfen, bei denen es um nichts geht und den Würfen im harten Wettkampf, in dem die Nerven mitwirken müssen, sehr groß ist, ließ sich Henri Alter trotz der starken Konkurrenz nicht aus der Ruhe bringen. Nach seinem guten Gefühl beim Einwerfen flog sein Speer im ersten Versuch über 60 Meter und machte Lust auf mehr. Während die Konkurrenz mit dem Wind und dem Belag auf der neuen Speerwurfanlage zunächst Schwierigkeiten hatte, verblüffte der Melsunger zum Auftakt mit 60,80 Meter die gesamte Konkurrenz. Damit erfüllte er die Norm für die deutschen U23-Meisterschaften am 24. Juli in Wattenscheid und lag nach dem ersten Durchgang hinter dem Polen Kwasniewski (70,43 m) und Marian Spannowsky (Metzingen, 65,07 m) dem deutschen Jugend-Vizemeister von 2015, überraschend auf Rang drei.

Nach dem zweiten Versuch rutschte er nach einem ungültigen Wurf auf Rang fünf ab, denn mit dem EM-Junioren-Europameister Olszczuk (69,38 m) und dem Hessen Nungeß (62,11 m), zogen zwei hochkarätige Werfer an dem Melsunger vorbei.

Erneut stimmte bei seinen nächsten Würfen der Abwurfwinkel nicht, so dass der Speer viel zu steil angestellt wurde und wie ein Stein fast senkrecht abstürzte. Während er im dritten Durchgang nur auf 57,11 Meter kam, verbesserten sich Max Emmerich auf 61,88 m und der Isländer Dagbjatur Jonsson auf 61,19 m. Der Wattenscheider Patrick Held, im Vorjahr 63,42 m, blieb mit 60,62 Meter hinter der Leistung des Melsungers vom ersten Durchgang zurück und verfehlte als Neunter das Finale. Die Auslese war getroffen und Henri Alter hatte beide Ziele, die er sich vorgenommen hatte, erreicht.

Im vierten Durchgang setzte sich erwartungsgemäß Kaspar Olszczuk mit 71,10 Meter an die Spitze des Feldes. Auch Marian Spannowsky (70,59 m), Hendrik Nungeß (65,32 m) und Sascha Graf (63,49 m) konnten zulegen. Henri Alter war nicht mehr so locker wie zum Auftakt, erzielte aber mit 58,87 und 58,89 Meter dennoch gute Weiten.

Zum Schluss kamen die Zuschauer beim Speerwerfen der U23 noch auf ihre Kosten, denn Olszczuk bekam den Speer in den richtigen Griff und auf die beste Flugbahn. Ein Raunen ging durch die Menge, als der Speer sich erst bei 72,22 Meter in den Rasen bohrte. Damit blieb der Pole zwar über zehn Meter hinter seiner Bestleistung zurück, aber er holte sich erwartungsgemäß den Sieg. Henri Alter zeigte im letzten Durchgang einen Wurf von ähnlicher Güte wie bei seinem Eröffnungswurf und legte trotz dieser widrigen Bedingungen zehn Zentimeter zu.

„In Halle lief schon besser als in Alsfeld oder Baunatal, aber es passte noch nicht alles“, meinte die Melsunger Speerwurfhoffnung angesichts der ständig wechselnden Winde. In den nächsten Tagen verbringt er einen Kurzurlaub auf Mallorca. Man kann nur hoffen, dass er seine gute Form nicht wieder verliert. (ajw)



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