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Altersvorsorge fürs Gehirn

Die Chefärzte der Hephata-Klinik zum „Internationalen Tag des Gehirns“ am 22. Juli

Die drei Chefärzte der Hephata-Klinik: Dr. Achim Bäcker, Prof. Dr. Geert Mayer und Dr. Bernd Schade (von links). Foto: nhSchwalmstadt. Die „World Federation of Neurology“ ruft für den 22. Juli den dritten „Internationalen Tag des Gehirns“ aus. In diesem Jahr unter dem Motto: Die Gesundheit des Gehirns in einer alternden Bevölkerung. Der Tag soll das Bewusstsein für eine höhere durchschnittlichere Lebenserwartung und damit häufig einhergehende neurologische Erkrankungen erweitern. Die drei Chefärzte der Hephata-Klinik, einer Fachklinik für Psychiatrie, Psychologie und Neurologie, Prof. Dr. Geert Mayer, Dr. Achim Bäcker und Dr. Bernd Schade geben Tipps, wie Erkrankungen des Gehirns vorgebeugt und positiv beeinflusst werden können.

„Das Alter ist ein nicht veränderbarer Risikofaktor“ – ein flotter Spruch, aber stimmt er auch? Bedeutet eine höhere Lebenserwartung automatisch eine hohe Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden oder an einer Demenz zu erkranken? Dr. Achim Bäcker widerspricht: „Das Alter ist ein modulierbarer Risikofaktor. Dass das Alter kommt, darauf hat man keinen Einfluss. Aber wie es kommt, darauf hat man schon Einflussmöglichkeiten.“ Eine gesunde Ernährung, körperliche Betätigung und Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht können nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf- oder Krebs-Erkrankungen senken, sondern auch das für neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Demenzen. Auch eine Parkinson-Erkrankung ist durch eine gesunde Lebensführung positiv beeinflussbar. Prof. Mayer: „Wenn wir nicht ausreichend schlafen, werden Abfallprodukte des Gehirns, die im Wachzustand aufgebaut werden, nicht ausreichend abgebaut. Ein permanentes Schlafdefizit führt dazu, dass sich Gehirnabbauprodukte im Gehirn ablagern und beispielsweise die Entstehung einer Demenz oder auch von Parkinson fördern.“ Und auch eine Multiple Sklerose (MS) kann so zumindest im Verlauf gemildert werden. Dr. Bernd Schade: „Wir wissen aus Studien, dass MS-Patienten, die rauchen, eine deutliche höhere Anzahl von Schüben haben als Nichtraucher.“ Mediziner nennen Letzteres eine „Sekundärprävention“: Die Grunderkrankung selbst ist nicht beeinflussbar, deren Verlauf schon.

Doch egal, ob Primär- oder Sekundärprävention, es ist nicht nur die körperliche Ebene, die zählt. Auch geistige und emotionale Faktoren sind von Bedeutung, und das von Kindesbeinen an. Prof. Mayer: „Je mehr der Patient über die Krankheit weiß, je mehr er versucht, mitzuarbeiten, desto besser. Aber nicht nur das. Je besser die neuronalen Netzwerke im Laufe des Lebens ausgebildet werden, sprich, je mehr das Gehirn beschäftigt wird, desto besser kann es auch von  Erkrankungen verursachte Schäden kompensieren.“ Auch im Alter bilden sich durch geistige Herausforderungen noch neue neuronale Netzwerke. „Deswegen ist es wichtig, in jedem Lebensalter an den Netzwerken, an geistigen Herausforderungen zu arbeiten, sich weiter zu bilden“, so Mayer. Hinzu kommt die emotionale Ebene. „Man weiß, dass zwischenmenschliche Kontakte im Sinne einer Sekundärprävention den Verlauf einer neurologischen Erkrankung verlangsamen können“, sagt Dr. Bäcker.

Das Lösen von Kreuzworträtseln ist also nicht das Paradebeispiel. Stattdessen aber ein Tanzkurs in der Gruppe, als eine Verbindung vom Körperlichen – neue Abfolgen lernen – mit dem Geistigen – sich mit der Musik auseinandersetzen – und dem Sozialen – mit anderen Menschen in Kontakt zu sein. Als weitere Beispiele nennt Dr. Schade das Singen im Chor. Oder das Erlernen eines Musikinstrumentes.

„Berücksichtigt man diese Kombination aus körperlicher, geistiger und emotionaler Bewegung bis ins Alter, kann man zwar nicht von einem totalen Schutz vor Erkrankungen des Gehirns sprechen. Aber man geht von einer Erhöhung des Ausgangsniveaus aus. Die Struktur und die Vernetzungen des Gehirns werden so beeinflusst, dass sich der Abbauprozess, der beispielsweise bei einer Alzheimer-Erkrankung irgendwann kommt, nicht so schnell im Alltag durchschlägt“, so Mayer. Eine Altersvorsorge fürs Gehirn. (me)



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