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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Harry Geier großer Triumphator von Leinefeld

Bernd Gabel, Hella Böker und Harry Geier (v.l.). Foto: nhLeinefeld/Melsungen. Dass die Senioren-Leichtathletik boomt, zeigten wieder einmal die deutschen Seniorenmeisterschaften vom 8. bis 10. Juli 2016 in Leinefeld-Worbis. Dort, wo die Leine entspringt und sich fast 300 Kilometer durch Thüringen und Niedersachsen schlängelt, nahmen trotz der Fußball- und Leichtathletik-EM fast 1.300 Athleten von 30 bis über 90 aus 664 Vereinen an der dreitägigen Veranstaltung teil. Und somit boten diese Meisterschaften, bei denen auch mit Hella Böker, Uwe Krah, Bernd Gabel und Harry Geier vier erfolgreiche Senioren von der MT Melsungen an den Start gingen, wieder einmal eine eindrucksvolle Leistungsschau der besten Senioren Deutschlands.

Für den Melsunger Traditionsverein stach – wie erhofft – der Trumpf Harry Geier sowohl über 200 als auch über 400 Meter. Aber auch Hella Böker beeindruckte mit drei Silbermedaillen und erinnerte an ihre Glanztage. Während Bernd Gabel im Rahmen seiner Möglichkeit blieb, enttäuschte Uwe Krah im Kugelstoßen, denn er konnte nicht überzeugen und das halten, was er versprochen hatte.

Nachdem sich im Vorjahr Harry Geier im 400-Meter-Finale überraschend gegen Horst Schlecht nicht durchsetzen konnte, weil er viel zu schnell anlief und auf der Zielgeraden keine Kraft und Luft mehr für einen Schlussspurt hatte, wählte er in diesem Jahr eine andere Taktik. Auf Bahn drei ausgelost, hatte er den deutschen 200-Meter-Hallenmeister Günther Linke (SV Schöneiche, Bahn vier) und Dr. Horst Hufnagel (Hamburg, Bahn fünf) vor sich und konnte sich daran orientieren. Weil der Gegenwind auf der Zielgeraden nicht leistungsfördernd für die Viertelmeiler wirkte, mussten die Langsprinter taktisch laufen und mit ihren Kräften haushalten. Sie durften auf der ersten Hälfte nicht ihr Pulver verschießen, wollten sie auf den letzten 100 Metern noch ihren Turbo zünden. Und so wurde dieser 400-Meter-Lauf zu einem Paradebeispiel eines Meisterschaftsrennens in der älteren Seniorenklasse.

Harry Geier hatte sich beim Abschlusstest im Melsunger Waldstadion in glänzender Form präsentiert und ging deshalb optimistisch und mit viel Selbstvertrauen in das entscheidende Rennen. Im Gegensatz zum Vorjahr stürmte er nicht wie die Feuerwehr los, sondern blieb bis nach der letzten Kurve hinter seinen beiden Mitstreitern Linke und Hufnagel. Der Dormagener Herbert E. Müller vom Jahrgang 1929 konnte in den Kampf um Gold, Silber und Bronze nicht eingreifen.

80 Meter vor dem 400-Meter-Ziel: Harry Geier zündet seinen Turbo und lässt die Konkurrenz stehen. Foto: nh80 Meter vor dem Ziel forcierte der Senior-Chef des Melsunger Uhrenhauses Seeger das Tempo und zog seinen Spurt eisern durch. Wieder einmal war das Aushängeschild der Melsunger Turngemeinde eine Klasse für sich. Weder Horst Hufnagel noch Günter Linke konnten am Ende mithalten. Nach 79,79 Sekunden erreichte Harry Geier als neuer deutscher Seniorenmeister über 400 Meter der M80 das Ziel und holte sich nach seinem Sieg in der Halle nun auch den Freilufttitel. Günter Linke sicherte sich nach 82,28 Sekunden vor Dr. Horst Hufnagel (85,60) die Silbermedaille.

Das Melsunger Senioren-Ass stach auch am nächsten Tag im 200-Meter-Finale und verteidigte seinen Vorjahrestitel erfolgreich. Noch im Februar belegte er bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Erfurt hinter Lothar Müller (Trittau, 32,67) und Dr. Hufnagel (33,7) den dritten Platz. In Leinefeld ging der sportliche Botschafter der Stadt Melsungen auch in diesem Wettbewerb gut vorbereitet an den Start und lief bei einem Gegenwind von 1,7 Meter pro Sekunde ein überzeugendes Rennen. Erneut konnte er auf der Zielgeraden einen Gang höher schalten und mit 32,97 Sekunden seine Jahresbestzeit von 34,67 Sekunden deutlich verbessern. Horst Hufnagel holte vor Lothar Müller nach 33,64 Sekunden die Silbermedaille und hatte vor dem deutschen Hallenmeister einen Vorsprung von 0,01 Sekunden. „Schade, dass wir heute Gegenwind hatten, denn bei einem Rückenwind dieser Stärke wäre durchaus eine 31er Zeit möglich gewesen“, sagte Harry Geier nach seiner dritten nationalen Meisterschaft in diesem Jahr. Nach seinen nächsten Zielen befragt, antwortete er: „Ich werde Ende Juli in Borken die 400 Meter laufen und meinen deutschen Rekord angreifen. Im Herbst werde ich noch einmal die 200 Meter laufen und auch dort versuchen, eine neue Bestzeit aufzustellen“.

Hella Böker. Foto: nhHella Böker, die das letzte Mal vor vier Jahren bei den deutschen Seniorenmeisterschaft am Start war, konnte am Ende des letzten Jahres überredet werden, wieder zum Wettkampfsport zurückkehren. Auf Anhieb schaffte sie in Göttingen sowohl im Kugelstoßen, als auch im Diskus- Speer- und Hammerwerfen die Normen für die deutschen Meisterschaften. Überraschend kehrte sie mit drei Silbermedaillen und einem vierten Platz im Speerwerfen aus Leinefeld zurück.

Im Kugelstoßen der W75 kam die heutige Nachwuchstrainerin in ihrer Serie fünfmal über die begehrte 9m-Marke und musste sich mit dem neuen Kreisrekord von 9,64 Meter nur Ingrid Holzknecht aus Elmshorn (9,99 m) beugen. Rosy von Westerholt (LAV Herten) stieß im letzten Versuch 9,60 Meter und sicherte sich damit die Bronzemedaille. Auch im Diskuswerfen war Ingrid Holzknecht bei diesen Titelkämpfen nicht zu bezwingen. Die Elmshornerin eröffnete den Wettkampf mit 25,44 Meter und verbesserte sich im dritten Druchgang auf 26,57 Meter. Nachdem sich Hella Böker mit 21,15 Meter für diese Meisterschaften qualifiziert hatte, landete ihr weitester Wurf bei 25,28 Meter, was ihr nicht nur die zweite Silbermedaille einbrachte, sondern auch einen neuen Rekord für den Schwalm-Eder-Kreis. Ingrid Kusche (Erkelenz) freute sich über ihre 23,83 Meter und wurde dafür mit der Bronzemedaille ausgezeichnet.

Im Hammerwerfen der W75 eröffnete Gudrun Mellmann den Wettbewerb mit 36,81 Meter und schockte damit die gesamte Konkurrenz. Die Seniorin vom SV Lurup Hamburg erwies sich zunächst als die souveräne Beherrscherin des Wettbewerbes. Aber am Ende musste sie noch um ihren Sieg zittern, denn Hella Böker wuchs in diesem Wettbewerb über sich hinaus. Die Melsunger Wurftrainerin war bisher mit dem 2kg-Hammer noch nie über 30 Meter gekommen. Sie begann mit einem ungültigen Wurf und ließ 29,52 Meter folgen. Im dritten Versuch sorgte sie mit 34,42 Meter für den ersten Paukenschlag.

Gudrun Mellmann kam im zweiten Durchgang auf 28,31 Meter und schloss den Vorkampf mit 35,47 Meter ab. Im Endkampf, wo die Athletinnen weitere drei Versuche hatten, blieb sie mit 31,91, 33,26 und 30,69 etwas hinter den Erwartungen zurück. Hella Böker dagegen drehte im Finale mächtig auf. Nach 33,60 Meter verbesserte sie sich auf 35,09 Meter und bekam ihren letzten Versuch ungültig gewertet. Ob Gudrun Mellmann der Siegeswurf auch geglück wäre, wenn Hella Böker mit 35,09 Meter angefangen hätte, muss man offen lassen. Aber man darf sich jetzt schon auf die Duelle der beiden erfolgreichsten Senioren-Hammerwerferinnen der letzten Jahre freuen.

Pech mit den Windverhältnissen hatte Bernd Gabel, der in der Altersklasse der M55 an den Start ging. Nachdem er beim Abschlusstest im Waldstadion fast fünf Meter weit gesprungen war, kam er bei den deutschen Meisterschaften im dritten Durchgang bei einem Gegenwind von 3,1 Meter pro Sekunde auf 4,48 Meter und steigerte sich abschließend ebenfalls bei Gegenwind auf 4,66 Meter. Das brachte ihm Rang vier noch vor Bernd Panoscha aus Brandenburg ein, der mit 4,98 Meter gemeldet war und mit 4,56 Meter nach Hause fahren durfte. Ebenfalls bei einem Gegenwind von 3,1 Meter pro Sekunden musste der vielseitige Athlet, der im Vorjahr an der Senioren-WM in Frankreich im Zehnkampf teilgenomemen hatte, über 100m-Hürden an den Start gehen. Als Dritter im ersten Zeitendlauf kam er auf 20,92 Sekunden und belegte in der Gesamtwertung von zwölf Startern den sechsten Platz. Rang sechs gab es auch im Stabhochsprung. Nachdem er 2,20 und 2,40 Meter jeweils im ersten Versuch übersprang, ließ er die Höhe von 2,50 Meter aus und scheiterte dreimal an 2,60 Meter.

Bei den deutschen Hallenmeisterschaften, die im Febuar in Erfurt stattfanden, hatte Kugelstoßer Uwe Krah mit 13,70 Meter noch den zweiten Platz belegt. Doch in Leinefeld hatte er auf den Ausgang dieser Konkurrenz keinen Einfluss. Beim Einstoßen kam er aus dem Stand an die 13m-Marke heran, so dass man noch eine gute Leistung erwarten konnte. Aber sein erster Wettkampfstoß landete nur bei 12,87 Meter. Im zweiten Durchgang konnte er wegen Schmerzen im Arm nicht durchstoßen und auf den dritten Versuch verzichtete er. Weitere Versuch gab es nicht für den ehemaligen deutschen Polizeimeister im Kugelstoßen, dessen Zeit vorbei zu sein scheint. Dass man 13,66 Meter weit stoßen musste, um in das Finale zu kommen, kennzeichnet die gewachsene Kampfkraft der heutigen Seniorenelite im Kugelstoßen der M50, die von den überragenden Norbert Demmel (TSV Unterhaching) mit 15,83 m angeführt wird. „Ich hatte die ganze Woche zu Hause handwerkliche Tätigkeiten auszuführen, so dass ich nicht das bringen konnte, was ich mir vorgenommen hatte. Außerdem war ich gesundheitlich angeschlagen“, sagte ein enttäuschter Uwe Krah, der aber immer noch von 15-Meter-Weiten träumt. (ajw)



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