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Sternstunden für Henri Alter, Tobias Stang und Dennis Horn

Trainer Wagner mit seinen erfolgreichen Schützlingen Tobias Stang, Dennis Horn und Henri Alter. Foto: nhSt. Wendel/Melsungen. Nach dem großartigen Abschneiden der Melsunger Senioren bei den deutschen Meisterschaften vor einer Woche in Leinefeld, präsentierten sich auch Henri Alter, Tobias Stang und Dennis Horn bei den süddeutschen U23-Meisterschaften in Sankt Wendel in Bestform. Sie gaben nicht nur mit neuen Bestleistungen eine gute Visitenkarte ab, sondern sorgten auch für Sternstunden aus heimischer Sicht. Für die hellste zeigte sich Henri Alter verantwortlich, der sich am Ende des ersten Tag die Vizemeisterschaft im Speerwurf sicherte und seine zwei Jahre alte Bestleistung von 63,63 auf imponierende 65,40 Meter steigerte. Auch Tobias Stang, der erst eine Woche vorher die Norm für diese Titelkämpfe erfüllt hatte, glänzte mit „Bronze“ über 400 Meter Hürden. Auch Sprinter Dennis Horn verblüffte, denn der 20-Jährige reiste mit der zwanzigschnellsten Zeit in das Saarland und verfehlte als Neunter nur um 0,01 Sekunden das Finale der schnellsten süddeutschen Sprinter.

Im dritten von vier Vorläufen belegte der Nordhessenmeister bei leichtem Gegenwind mit 11,21 Sekunden zeitgleich mit Jan Näser (LG Eintracht Frankfurt) den dritten Platz und qualifizierte sich mit weiteren fünfzehn 100m-Läufern für die nächste Runde. Eine Stunde später trat der Kölner Sportstudent, den immer noch niemand auf der Rechnung hatte, im ersten von zwei Zwischenläufen an. Und dieser Lauf hatte es in sich. Von innen nach außen warteten mit starken Jahresbestzeiten folgende Sprinter auf den Startschuss: Mario Vogel (Wiesbaden, 11,03), Lukas Piatek (Rehlingen, 11,23), Wendelin Wäcker (Karlsruhe, 10,94), Marvin Wach (Kornwestheim, 11,02), Jonas Kriesamer (Mannheim, 10,85) und die drei Hessen Nils Keßler (Wiesbaden, 10,71), Dennis Horn (Melsungen, 11,12) und Jan Näser (Frankfurt, 11,07).

Dennis Horn mit einer tollen Aufholjag im 100-Meter-Zwischenlauf. Foto: nhWährend die Favoriten Keßler und Kriesamer einen sehr guten Start erwischten, lag Horn nach zehn Metern aussichtslos zurück. Aber nach dieser schwachen Reaktion zauberte er in der Beschleunigungsphase ein mitreißendes Rennen auf die Bahn und fand immer besser in das Rennen. Nach der Hälfte der Strecke setzte er zur Aufholjagd an und holte Zentimeter um Zentimeter auf. Während an der Spitze alles klar war – Keßler setzte sich in 10,64 vor Kriesamer (10,79) und Wäcker (10,82) durch – kämpften die anderen Fünf ebenfalls um den Einzug in das Finale. Knapper hätte diese Entscheidung nicht ausfallen können. Zunächst überholte Dennis Horn fünf Meter vor dem Ziel den höher eingeschätzten Jan Näser. Anschließend konnte nur noch das Zielfoto Auskunft über den weiteren Einlauf geben. Dabei hatte Horn kein Glück. Er verfehlte nur um 0,01 Sekunden das 100m-Finale und wurde in der Gesamtwertung Neunter. Während sich Vogel mit 11,04 auf Rang vier und Lukas Piatek (11,05) als Fünfter für das Finale qualifizieren konnten, belegten Marvin Wach und Dennis Horn zeitgleich in 11,06 Sekunden den sechsten Platz. Wenige Tausendstelsekunden hatten den Ausschlag dafür gegeben. Leider blies in diesem Rennen der Wind mit 3,9 m/sek zu stark, so dass diese Zeit keinen Eingang in die Bestenliste finden kann. „Schade, dass ich den Start verschlafen habe. Es wäre viel mehr möglich gewesen“, sagte Horn, als er das Ergebnis hörte. Im zweiten Zwischenlauf belegte der Ulmer Victor Bayer ebenfalls mit 11,06 Sekunden den vierten Platz. Noch trennen Dennis Horn ein paar Zehntel Sekunden von den Spitzenläufern, aber der ehrgeizige und talentierte Sprinter aus Elfershausen hat inzwischen Blut geleckt.

Tobias Stang lief der 400m-Hürdennorm für St. Wendel (60,00) wochenlang hinterher. Nachdem er Ende Mai mit 62,35 Nordhessenmeister wurde, verbesserte er sich eine Woche später als Siebter bei den Landesmeisterschaften im Kasseler Auestadion auf 60,59 Sekunden. Beim Stadionfest in Ibbenbühren verfehlte er die Norm nur um 0,32 Sekunden. Als letzte Möglichkeit wurde ihm ein Start bei den Landesjugendmeisterschaften in Bad Homburg eingeräumt. Einen Tag vor seinem 21. Geburtstag nutzte er mit 59,75 Sekunden die Gunst der Stunde und machte sich selbst ein schönes Geschenk.

Für die U23-Meisterschaften waren neun Athleten gemeldet. Als der große Favorit Fabian Christ (Frankfurt) nach dem Einlaufen Schmerzen verspürte und auf das Finale ebenso verzichtete, wie Florian Fröhlich (Kornwestheim) und Jan Berg aus Rehlingen, stiegen die Chancen von Tobias Stang sogar auf die Bronzemedaille. Mit dem Startschuss ging der ganz innen laufende Melsunger gleich auf Angriff, denn mit Michael Mahl (Neckar-Enz) und Simon Bahnmüller (Holzgerlingen), waren zwei Athleten am Start, die ebenfalls mit ihrer Vorlaufleistung knapp unter einer Minute geblieben waren.

Tobias Stang überlief die ersten fünf Hürden in einem für ihn hohen Tempo und zeigte Entschlossenheit zu hoher Fahrt. Nach der Hälfte der Strecke hatte er Bahnmüller überholt und lag auf Rang vier. Ausgangs der letzten Kurve schloss er zu Michael Mahl auf, der plötzlich aus dem Schrittrhythmus kam und an der achten Hürden hängenblieb und stürzte. Der Malsfelder realisierte dieses Missgeschick des Konkurrenten und lief acht Meter vor seinem Verfolger Bahnmüller auf Rang drei. Er brauchte nicht mehr zu fighten und seine letzten Reserven zu mobilisieren. Er musste nur darauf achten, dass er nicht an den letzten beiden Hürden hängenblieb. Aber er strauchelte nicht und überlief die Ziellinie nach 59,80 Sekunden. „Es war ein guter Lauf von Tobias. Leider gab es auf der Zielgeraden keinen Kampf auf Biegen und Brechen, sonst hätte es eine schnellere Zeit für ihn gegeben. Tobias besitzt den nötigen Kampfgeist, den er in diesem Rennen nur auf den ersten 300 Metern benötigt hatte“, sagte Trainer Alwin J. Wagner über seinen Schützling und freute sich ebenfalls über die unerwartete Bronzemedaille.

Für das absolute Highlight aus Melsunger Sicht sorgte zum Abschluss des ersten Tages Henri Alter im Speerwerfen. Vor einem Jahr holte sich Hendrik Nungeß aus Neu-Isenburg mit 61,85 Meter den Titel. Damals saß der Melsunger verletzt und traurig auf der Tribüne im Kasseler Auestadion und nahm sich vor, ein Jahr später bei der Siegerehrung der U23 auf dem Treppchen zu stehen.

Fast zwei Jahre konnte Alter wegen einer Schulterverletzung keinen Speer in die Hand nehmen. Dadurch wurde er in seiner Speerwurfentwicklung beträchtlich gehemmt. Aber ans Aufhören dachte er nie. Als er in diesem Frühjahr wieder in den Trainingsbetrieb einstieg, kam er am 7. Mai bei der Bahneröffnung in Alsfeld schon wieder auf 58,14 Meter. Zwei Wochen später verbesserte er sich beim internationalen Werfertag in Halle auf 60,90. Erneut verletzte sich der vielseitige Athlet beim Sportstudium und konnte wegen einer schmerzhaften Bauchmuskelzerrung weder an den Regional- noch an den Landesmeisterschaften im Speerwerfen teilnehmen. Tatenlos musste er auch zusehen, wie sich Paul Teßmer von der Uni Rostock mit 58,56 Meter die Bronzemedaille bei den deutschen Hochschulmeisterschaften sicherte.

Ende Juni meldete sich Alter im Training zurück und wollte unbedingt bei den süddeutschen U23-Meisterschaften starten. Doch aufgrund des schwierigen Saisoneinstiegs und der erneuten Verletzung war man im Training vorsichtig. Als er aber eine Woche vor den Meisterschaften den Speer im Training schmerzfrei weit über 60 Meter segeln ließ, konnte man zuversichtlich nach Sankt Wendel reisen.

Dort eröffnete der Sportstudent den Wettbewerb mit glänzenden 64,76 Meter und ließ im zweiten Durchgang 64,48 Meter folgen. In seinem dritten Versuch packte Henri Alter den nächsten Hammer aus: Hoch motiviert lief er dynamisch an. Durch seinen kraftvollen und schnellen Abwurf flog der Speer weit in das Feld hinein. Als auf der Anzeigetafel 65,40 Meter angezeigt wurden, riss er die Hände in die Luft. Man merkte ihm an, das eine schwere Last von ihm damit abfiel. „Nachdem ich beim Abschlusstraining über 60 Meter geworfen hatte, wollte ich diese Weite in Sankt Wendel unbedingt wiederholen. Als ich es geschafft hatte, fiel eine Last von mir“, erklärte ein glücklich und zufriedener Henri Alter nach dem Wettkampf.

Marian Spannowski (TuS Metzingen), B-Kader-Athlet des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und mit einer Bestweite von 76,53 Meter gemeldet, hatte im ersten Durchgang 68,40 Meter erreicht und kam im zweiten Versuch auf 65,86 Meter. Am Ende hatte sich Spannowsky, der am kommenden Wochenende zusammen mit Jonas Bonewit (München) zu den Favoriten bei den deutschen U23-Meisterschaften in Wattenscheid gehört, mit 69,61 Meter zwar souverän durchgesetzt, aber der Abstand zwischen Spannowskiy und Alter war noch nie so gering wie in Sankt Wendel.

Im Finale ließ der Melsunger Speerwurf-Spezialist sein Gerät auf 63,11 und im fünften Durchgang auf 62,22 Meter fliegen. Die Weite des letzten Wurfs – an die 65m-Marke- konnte nicht gewertet werden, weil er die Abwurflinie betreten hatte. „Ich habe stabil geworfen, aber mir hat noch der Ausreißer nach oben gefehlt“, meinte der 20-Jährige und hofft nun auf den ganz großen Wurf bei den deutschen U23-Meisterschaften am Wochenende in Wattenscheid. (ajw)




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