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Nichts für schwache Nerven

Luftretter der Bergwacht trainierten mit der Landes-Polizeihubschrauber-Fliegerstaffel in den Berchtesgadener Alpen

In schwindelnder Höhe am dünnen Drahtseil: Ärztin Bettina Schmidt kurz vor dem Einstieg in den Hubschrauber. Dieses Foto machte Andreas Spratte mit seiner Helmkamera, der ebenfalls mit am Windenseil hing. Foto: SpratteBad Reichenhall / Bad Wildungen / Schwalmstadt. Sie helfen anderen Menschen in medizinischen Notfallsituationen, oder retten gar ihr Leben. Für Andreas Spratte, Fachkrankenpfleger für Anästhesie in der Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen und Bettina Schmidt, Assistenzärztin Innere Medizin im Asklepios Klinikum Schwalmstadt, sowie für den Odershäuser Gerd Windhausen, stellvertretender Rettungsdienstleiter des DRK Bad Wildungen, bedeutet das aber nicht nur das Erledigen irgendeines Jobs. Alle drei empfinden und Leben ihre Berufe als Berufung. So verwundert es nicht, dass sie in ihrer Freizeit seit vielen Jahren als ehrenamtliche Bergwacht-Luftretter aktiv sind.

Um für außergewöhnliche Personenrettungseinsätze unter erschwerten Bedingungen im unwegsamen Gelände gerüstet zu sein, trainierten die Mitglieder der Bergwacht Bad Wildungen mit der Landes-Polizeihubschrauber-Fliegerstaffel aus Egelsbach. Komplettiert wurde das insgesamt neunköpfige Team aus Hessen von Mitgliedern der Bergwachten aus Darmstadt-Dieburg, Hanau-Erlensee, Schotten, Neuenstein und vom großen Feldberg. Übungsgebiet waren diesmal die Berchtesgadener Alpen. „Es ging im knapp 2300 Meter hoch gelegenen Tafelgebirge der Reiter-Alm im deutsch-österreichischen Grenzgebiet zur Sache“, berichtet Andreas Spratte aus Waldeck.

Höchste Konzentration und Fingerspitzengefühl
Vor dem Abflug im Übungsgebiet der Berchtesgadener Alpen: An Bord eines Eurocopter Typ 145 der Hessischen Polizeihubschrauber-Fliegerstaffel aus Egelsbach, trainierten die Mitglieder der Bergwacht das Absetzen und Aufnehmen von Personen sowie das sogenannte Anlanden im unwegsamen Gelände. Foto: SpratteDas Absetzen und Aufnehmen von Personen mit einer seitlich an einem Hubschrauber vom Typ EC 145 (Eurocopter) montierten Seilwinde und das sogenannte Anlanden bildeten die Schwerpunkte des dreitägigen Luftrettungstrainings. Um was es beim Anlanden geht, erklärt Bettina Schmidt: „Bei dieser Trainingseinheit setzt der Hubschrauberpilot die Maschine mit nur einer der beiden Kufen an einem Gelände mit starker Neigung, also hohem Steilheitsgrad auf. Über die Kufe mit leichtem Bodenkontakt sind wir dann mehrere Male ausgestiegen.“

Das Anlanden erfordert vom Piloten und der Hubschrauberbesatzung höchste Konzentration und Fingerspitzengefühl. Aber auch beim Ablassen und Hochhieven von Personen mit der Winde ist Teamarbeit, präzises Fliegen und gegenseitiges Vertrauen angesagt. „Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man am dünnen Stahlseil unter dem Hubschrauber hängt, keinen festen Boden unter den Füßen spürt und sich steil abfallende Felswände und tiefe Schluchten beim Blick nach unten auftun. Diese Arbeit ist sicher nichts für schwache Nerven. Unser Ziel ist es aber, in notgeratene oder verletzte Menschen zu retten“, erklärt Andreas Spratte. Dabei gelte es ungewöhnliche Situationen einzuschätzen und Risiken zu beurteilen, ohne dabei selbst in Lebensgefahr zugeraten. Spratte: „Dafür trainieren wir sechs- bis siebenmal im Jahr unter wechselnden Bedingungen und verschiedenen Voraussetzungen mit der Landes- oder Bundespolizei.“

Jedes Mal ein heikler Moment
Blick in die Tiefe: Andreas Spratte konzentriert sich kurz vor dem Helikopterausstieg auf das anschließende Abseilen. Foto: SchmidtBesonderen Respekt haben die Luftretter vor der Aufnahme mit der Seilwinde, wenn sie sich zuvor im absturzgefährdeten Gelände mit Karabinern sichern mussten. Sommerrettungs-Ausbilderanwärterin und Ärztin Bettina Schmidt aus Braunau erläutert: „Dann gerät der Hubschrauber beim Einklinken in den Windenhaken in eine sogenannte Gefesselt-Situation. Für das gesamte Team ist das ein sehr heikler Moment. Darum gilt es dieses Manöver so kurz wie möglich zu halten. Gibt es ein Problem beim freien Abflug des Helikopters, kann diese gefährliche Phase nur noch durch ein notfallmäßiges Absprengen des Windenseils entschärft werden.“

Bei der Rettung aus der Luft kommt es auf ein perfekt abgestimmtes Zusammenwirken von Mensch und Technik an. „Wir bilden eine eingespielte Mannschaft, wo jeder dem anderen zu 100 Prozent vertraut. Sei es der Pilot, der Mann an der Winde, oder wir am Seil. Auch diesmal hat wieder alles hervorragend, vor allem aber ohne Probleme oder brenzlige Situationen geklappt“, blickt Gerd Windhausen, technischer Leiter der Bergwacht Hessen, zufrieden zurück.

Vom Elbehochwasser bedrohte Menschen gerettet
Seit dem Elbehochwasser 2013 wurden die Trainingsintervalle der Luftretter intensiviert. „Damals waren wir mit der Bundespolizei-Fliegerstaffel aus Fuldatal im sächsischen Grimma und in Pirna im Einsatz. Dort haben wir zahlreiche vom Wasser eingeschlossene Personen gerettet“, erinnert sich Andreas Spratte. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Hilfe aus der Luft immer öfter benötigt und angefordert wird. Dies betrifft nicht nur Naturkatastrophen wie beispielsweise die Hochwasser entlang der Elbe.

Bedingt durch ein verändertes Freizeitverhalten begeben sich immer mehr Menschen bewusst oder unbewusst in Lebensgefahr. Oft sind es dann die Folgen gesteigerter Abenteuerlust und die Suche nach dem besonderen Kick, die unterschiedliche Rettungsorganisationen auf den Plan rufen. „Die Zahl unserer Einsätze und der Bereitstellungen ist deutlich gestiegen. Wir sitzen nun häufiger auf gepackten Koffern, um binnen kürzester Zeit gemeinsam mit den Hubschrauber-Fliegerstaffeln der Bundes- oder Landespolizei an x-beliebigen Orten in ganz Deutschland eingesetzt zu werden“, berichtet Andreas Spratte.

Keine Freistellung von der Arbeit
Beim Anflug in das Trainingsareal: Ärztin Bettina Schmidt aus Braunau (links) und der Odershäuser Gerd Windhausen, technischer Leiter der Bergwacht Hessen. Foto: SpratteDie Mitglieder der hessischen Bergwacht erledigen ihren Job ehrenamtlich und unentgeltlich. Sie opfern für Rettungseinsätze, Bereitschaftsdienste oder Lehrgänge sogar Freie- beziehungsweise Urlaubstage. Aktive der Freiwilligen Feuerwehren haben es dagegen sehr viel besser. In Hessen wird den Brandschützern per Landesgesetz die Freistellung für Einsätze jedweder Art, für Übungen oder Ausbildungslehrgänge während der Arbeitszeit erlaubt. Außerdem erhalten sie Erstattungen ausgefallener Löhne, Beiträge zur Sozialversicherung und zur Bundesagentur für Arbeit sowie zur betrieblichen Altersversorgung.

„Das ist sehr gut und lobenswert. Auf diese Weise wird das ehrenamtliche Engagement gewürdigt, anerkannt und nachhaltig unterstützt. Aber leider gilt diese Regelung nicht für uns. Von der Bergwacht ist in dem Gesetz des Innenministeriums keine Rede.“ Angesichts dieses Umstandes sind Andreas Spratte, Bettina Schmidt und Gerd Windhausen ihren Arbeitskollegen dankbar: „Sie übernehmen bereitwillig unsere Dienste, auch wenn das manchmal schwierig ist.“ Das Verständnis dieser Frauen und Männer ermöglicht den Luftrettern die Teilnahme an Bereitschaften und Trainingseinheiten, oder wenn sie irgendwo im Land unterwegs sind um das Leben von Menschen zu retten. (red)



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