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Arzneimitteltests an Heimkindern: Hephata unterstützt Aufarbeitung

Zeitzeugen und mögliche Betroffene gesucht

Schwalmstadt.
„Wir sind erschüttert von den Berichten über Medikamententests an Heimkindern, die durch die neuen Recherchen entdeckt worden sind. Im Interesse ehemaliger Heimkinder und um für uns Klarheit zu bekommen, wollen wir herausfinden, ob es auch in Hephata Versuche an Kindern gegeben hat“, sagt Maik Dietrich-Gibhardt, theologischer Vorstand der Hephata Diakonie. Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Heimkinder-Erziehung in den 50er bis 70er Jahren bei Hephata habe es zwar bislang keine Hinweise auf derartige Versuche gegeben. Durch die Recherchen der Pharmazeutin Sylvia Wagner im Archiv des Pharmaherstellers Merck in Darmstadt gebe es nun aber einen Anhaltspunkt dazu, dass möglicherweise auch in Hephata ein seinerzeit noch nicht zugelassenes Präparat eingesetzt worden ist.

„Konkret bezieht sich der Hinweis laut den Recherchen der Pharmazeutin Sylvia Wagner auf das Jahr 1957 und das Medikament Decentan“, erklärt Dietrich-Gibhardt. Außer dieser Jahreszahl, der Benennung des fraglichen Medikaments und des Namens einer seinerzeit bei Hephata tätigen Ärztin habe die Hephata Diakonie indes noch keine genaueren Erkenntnisse über mögliche Medikamentenversuche erlangt. Erste eigene Recherchen in Archiv-Akten Hephatas hätten bislang keine Hinweise auf mögliche Versuche zu Tage gebracht.

„Durch eine Anfrage der Frankfurter Rundschau sind wir vorigen Mittwoch auf den Fund von Frau Wagner im Merck-Archiv aufmerksam geworden“, berichtet Dietrich-Gibhardt. Er selber habe daraufhin sofort um Einsichtnahme in das dort im Unternehmensarchiv entdeckte Dokument gebeten. „Das Pharmaunternehmen hat zugesagt, dass wir so bald wie möglich die Unterlagen sichten dürfen“, sagt Dietrich-Gibhardt. Parallel zu der Anfrage an Merck hat die Hephata Diakonie Kontakt zu Sylvia Wagner aufgenommen. „Wir wollen die Pharmazeutin bei ihrer weiteren wissenschaftlichen Arbeit unbedingt unterstützen und sie auch zu uns nach Schwalmstadt einladen“, betont der Vorstandssprecher.

Für weitere Recherchen in den eigenen Dokumenten Hephatas erhofft sich Dietrich-Gibhardt nun zunächst weitere Anhaltspunkte aus der Quelle im Merck-Archiv. „Außerdem setzen wir auf mögliche Hinweise von ehemaligen Heimkindern, die im genannten Jahr 1957 in Hephata gelebt haben und von einem etwaigen Medikamententest betroffen sein könnten.“

Kontakte zu ehemaligen Heimkindern aus den 50er bis 70er Jahren, die bei Hephata Leid an Leib und Seele erfahren haben, gibt es seit Beginn der intensiven Aufarbeitung dieses Kapitels der Hephata-Geschichte vor sieben Jahren. Kurz danach hatte der Hephata-Vorstand öffentlich um Entschuldigung gebeten sowie weiterhin und vermehrt angeboten, Gespräche mit Betroffenen zu führen, beim Auffinden persönlicher Unterlagen behilflich zu sein, zur Aufklärung damaliger Verhältnisse und persönlicher Ereignisse beizutragen sowie bei der Bewältigung körperlichen und seelischen Leidens zu unterstützen. Der langjährige Hephata-Direktor Peter Göbel-Braun, der voriges Jahr in den Ruhestand gegangen ist, steht ehemaligen Heimkindern weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. „Alle möglicherweise betroffenen Personen bitten wir um Unterstützung bei der Aufklärung“, betont Dietrich-Gibhardt. Kontakt: Hephata-Vorstandssekretariat, Telefon 06691 18-1443, E-Mail buero.dietrich-gibhardt@hephata.de. (red)



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