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Hephata: Verdacht auf Medikamententest bislang nicht erhärtet

Hephata-Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt und Peter Göbel-Braun, Ansprechperson für ehemalige Hephata-Heimkinder, suchen in alten Akten nach Hinweisen auf mögliche Medikamententests. Die bisherigen Recherchen haben den Verdacht, der zum Teil bereits als Fakt dargestellt worden ist, nicht erhärtet. Foto: nh

Hephata-Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt und Peter Göbel-Braun, Ansprechperson für ehemalige Hephata-Heimkinder, suchen in alten Akten nach Hinweisen auf mögliche Medikamententests. Die bisherigen Recherchen haben den Verdacht, der zum Teil bereits als Fakt dargestellt worden ist, nicht erhärtet. Foto: nh

Schwalmstadt. Recherchen der Hephata Diakonie im Archiv des Pharma-Unternehmens Merck und in eigenen Akten sowie Rückmeldungen möglicher Zeitzeugen haben den Verdacht auf einen Medikamententest an Heimkindern in Hephata bislang nicht erhärtet. Anlass für die Nachforschungen war die Nennung der Stichworte „Hephata, Treysa“ im Quellenverzeichnis eines wissenschaftlichen Aufsatzes der Pharmazeutin Sylvia Wagner aus Krefeld. Sie hatte in Archiven von Pharma-Herstellern und in alten Ausgaben medizinischer Fachzeitungen Hinweise auf bundesweit rund 50 Studien an Heimkindern in den 1950er bis 1970er Jahren entdeckt.

„Wir sind Sylvia Wagner dankbar für ihre Erforschung dieses weiteren dunklen Kapitels der deutschen Heimgeschichte“, erklärt Hephata-Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt. Für ihn sei es erschütternd zu lesen, wie Heimkinder in den Nachkriegsjahren für Forschungszwecke missbraucht worden sind. „Im Interesse ehemaliger Heimkinder und um für uns Klarheit zu bekommen, wollen wir weiterhin unbedingt herausfinden, ob es auch in Hephata Medikamentenversuche gegeben hat“, betont Dietrich-Gibhardt. Bislang seien allerdings weder im Archiv der Firma Merck noch in den eigenen Akten Hinweise auf eine Medikamenten-Studie an Hephata-Heimkindern entdeckt worden.

Einziger Anhaltspunkt für mögliche Medikamententests in Hephata ist damit bislang das Dokument aus dem Merck-Archiv, auf das sich der Quellenhinweis in dem Aufsatz von Sylvia Wagner bezieht. „Bei dem uns mittlerweile vorliegenden Dokument handelt es sich um einen Brief aus dem Dezember 1957. Das Schreiben ist an eine seinerzeit in Hephata tätige Ärztin gerichtet und kündigt an, dass das Medikament Decentan mit separater Post geliefert werde“, berichtet Dietrich-Gibhardt. Nicht bekannt ist bislang, ob das Medikament tatsächlich an Hephata ausgeliefert worden ist, ob es dann dort verabreicht wurde und falls ja, an wen und in welchen Dosen. Klar ist indes: „Die in dem Brief genannte Menge alleine – die Rede ist von 20 mal 20 Dragees zu 4 Milligramm und 20 mal 10 ccm Tropfen – hätte für eine umfangreiche Studie wie sie laut der Veröffentlichung von Sylvia Wagner beispielsweise in einem Essener Kinderheim dokumentiert worden ist nicht ausgereicht“, so Dietrich-Gibhardt.

Das Mittel Decentan an sich war ab dem 1. Dezember 1957 regulär im Handel, also vor der Datierung des Briefes mit der Ankündigung einer Lieferung an die Hephata-Ärztin. Der Hephata-Vorstandssprecher betont: „Wir haben keinen Beweis dafür, dass es in Hephata keine Pharma-Studie an Heimkindern gegeben hätte. Wir haben aber auch keinen Beleg für eine solche Studie. Der Verdacht, der zum Teil bereits als Fakt dargestellt worden ist, konnte bislang nicht erhärtet werden.“ Auf den Aufruf an möglicherweise Betroffene oder an Zeitzeugen hätten sich bislang acht Personen gemeldet. „Zwei von ihnen waren nicht in einem Hephata-Heim, wir haben sie weiterverwiesen an andere Träger“, erklärt Dietrich-Gibhardt. Die Kontakte mit den sechs Personen, die in Hephata gelebt haben, erbrachten keine Hinweise auf eine mögliche Pharma-Studie. Weil es dem Hephata-Vorstand weiterhin ein dringendes Anliegen bleibt, mehr Licht ins Dunkel zu bringen, erneuert Dietrich-Gibhardt seinen Aufruf: „Alle möglicherweise betroffenen Personen bitten wir weiterhin um Unterstützung bei der Aufklärung.“

Ansprechperson für die Heimerziehung in den 1950er bis 1970er Jahren in Hephata ist Peter Göbel-Braun. Seit der öffentlichen Entschuldigung des Hephata-Vorstands im Jahr 2010 stand und steht der im vorigen Jahr als langjähriger Direktor in Ruhestand getretene Peter Göbel-Braun im Kontakt mit rund 100 ehemaligen Heimkindern, die in Hephata und in anderen Einrichtungen als Heimkinder körperliches und seelisches Leiden erfahren haben. „Aus diesen Gesprächen gibt es zwar viele Hinweise auf den damals leider üblichen Einsatz von Medikamenten etwa zur Ruhigstellung. Allerdings können wir bislang auf keine Schilderungen zurückgreifen, die Anhaltspunkte für Medikamenten-Tests oder eine Pharma-Studie liefern würden“, so Dietrich-Gibhardt.

Der auf landespolitischer Ebene vorgeschlagenen Anhörung zum Thema Medikamententests im hessischen Landtag steht der Hephata-Vorstand sehr offen gegenüber. „Wir haben in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, dass auch die Pharmazeutin Sylvia Wagner eingeladen werden sollte“, so Dietrich-Gibhardt.

Kontakt für ehemalige Heimkinder: Hephata-Vorstandssekretariat, Telefon (06691) 18-1443, E-Mail: buero.dietrich-gibhardt@hephata.de. (red)



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