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Volkstrauertag: Frieden ist noch lange nicht

Hans-Werner Hocke (stellv. Ortsvorsteher Mosheim), Thomas Steuber (Ortsbeirat Mosheim), Gudrun Ostheim (Pfarrerin Kirchengemeinde Sipperhausen) und Ortsvorsteherin Sindy Marx (v.l.). Foto: Reinhold Hocke

Hans-Werner Hocke (stellv. Ortsvorsteher Mosheim), Thomas Steuber (Ortsbeirat Mosheim), Gudrun Ostheim (Pfarrerin Kirchengemeinde Sipperhausen) und Ortsvorsteherin Sindy Marx (v.l.). Foto: Reinhold Hocke

Mosheim. Gedanken zum Volkstrauertag – Unsere Trauer um die Toten mahnt uns, für die Lebenden zu sorgen. Ortsvorsteherin Sindy Marx sprach in Mosheim über das Vergessen und erinnerte an die Kraft einer solidarischen Gemeinschaft. Ihre Rede steht beispielhaft für das Gedenken zum Volkstrauertag.  

„Ich möchte Sie herzlich auf der heutigen Gedenkstunde zum Volkstrauertag begrüßen. Ich danke Ihnen, dass Sie heute hierhergekommen sind, um der vielen Frauen, Männer und Kinder aus unserem Land und vielen anderen Ländern zu gedenken, die Opfer von Krieg und Gewalt geworden sind.

Viele dieser Menschen mussten viel zu jung sterben, weil Frieden und Freiheit der Boden entzogen worden war.

Wir erinnern heute an die schlimmsten Zeiten deutscher Geschichte, an die beiden Weltkriege und besonders an die Nazidiktatur.

Für die unter uns, die selbst noch Angehörige im Krieg verloren haben, ist dieser Tag besonders wichtig und besonders traurig. Sie denken an einen oder mehrere Menschen, die ihnen fehlen. Sie trauern, weil Krieg und Diktatur ihnen einen nahestehenden Menschen und damit einen Teil ihres Lebens nahmen.

Wir gedenken der gefallenen Soldaten und der getöteten Zivilisten; wir erinnern an Menschen, die in der Gefangenschaft oder auf der Flucht umkamen und wir gedenken der Männer und Frauen, die ihren Widerstand gegen die Diktatur mit ihrem Leben büßen mussten.

Uns führt heute die Trauer zusammen, verbunden mit dem Bestreben, die Opfer vor dem Vergessen zu bewahren. Denn wenn niemand mehr an sie denkt, dann sind sie endgültig tot, dann kann ihr Schicksal keinem mehr etwas sagen. Uns geht es um eine Welt, in der die Menschen in Frieden und Freiheit zusammenleben können. Uns geht es um ein Gedenken, das sich der Geschichte stellt und deshalb nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart blickt.

Doch für die jüngeren Deutschen rückt der Volkstrauertag immer ferner. Sie haben die Menschen, die durch Krieg und Gewaltherrschaft gestorben sind, nicht mehr gekannt.

Der Zweite Weltkrieg und die NS-Diktatur liegen lange zurück, aber ihre Schatten reichen bis heute. Die Zeit lindert den Schmerz, aber sie heilt nicht alle Wunden.

 Posaunenchor Kirchengemeinde Sipperhausen. Kleiner Chor unter Leitung von Isolde Ludwig (links). Foto: Reinhold Hocke

Posaunenchor Kirchengemeinde Sipperhausen. Kleiner Chor unter Leitung von Isolde Ludwig (links). Foto: Reinhold Hocke

Am heutigen Tag gedenken wir gleichfalls der Opfer aus unserem Land und in vielen anderen Ländern, die die Kämpfe und Gewaltausbrüche unserer unmittelbaren Gegenwart gefordert haben. Auch jetzt, während wir uns zu einer stillen Stunde des Innehaltens, der Trauer und des Erinnerns versammelt haben, kämpfen woanders Menschen um ihr Leben oder sind in ihrer Freiheit bedroht, ob in Syrien oder irgendwo in den Weiten Afrikas. Die Frage nach Krieg und Frieden ist aktuell geblieben und der Krieg, alle Konflikte dieser Welt, werden uns jeden Abend frei Haus mit der Tagesschau ins Wohnzimmer geliefert. Flüchtlingsströme aus aller Welt sind unterwegs und machen eines deutlich – Frieden ist noch lange nicht.

Die meisten Konflikte und Gewaltausbrüche unserer Zeit tragen sich in Ländern und Regionen zu, die weit entfernt von uns liegen. Doch gehen sie uns deshalb nichts an? Ich glaube, es ist allein ein Gebot der Mitmenschlichkeit, nicht wegzuschauen. Aber es ist auch ein Gebot der Vernunft, zu versuchen, Krisen einzudämmen, denn Konflikte greifen oft und manchmal sehr schnell über ihren Ursprungsort hinaus.

Gerade wir wissen aus unserer Geschichte sehr genau, dass Freiheit und Demokratie nicht von allein entstehen und nicht von allein erhalten bleiben. Sie brauchen vielmehr Menschen, die sie erkämpfen und bewahren, die sie schützen und stärken. Die Werte, die wir schätzen und die die Grundlage unserer Gesellschaft bilden, sie sind keine selbstverständlichen Güter.

Und wir trauern an diesem Tag nicht alleine, jeder für sich, sondern gemeinsam!

Die Tatsache, dass im letzten Jahr viele Menschen nach Deutschland gekommen sind, die vor Krieg und Terror fliehen mussten, vergegenwärtigt uns den Schmerz und das Leid, dass Krieg und Diktatur über Menschen bringen. Wir sehen, wie die einzelnen Menschen an ihrem Schicksal zu tragen haben. Wir denken an die Menschen, die auf der Flucht sterben, ob im Mittelmeer oder auf einer anderen Route. Wir denken an die Kinder, die von ihren Familien getrennt und zu Waisen wurden.

Unsere Trauer um die Toten mahnt uns, für die Lebenden zu sorgen!

Ich danke dem Posaunenchor und Frau Pfarrerin Ostheim sehr herzlich für ihr Mitwirken an dieser Gedenkfeier und bitte Sie, nun mit mir der Toten kurz zu gedenken und als Symbol für dieses Gedenken den Kranz der Gemeinde Malsfeld niederzulegen.“ (rho)



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