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Hessen – Pionierland der Reformation

Staatsministerin Lucia Puttrich: „Die Reformation ist eng mit Hessen verbunden.“ 

Zahlreiche Ehrengäste, Wissenschaftler und hessische Repräsentanten fanden sich beim „Abend der Begegnung“ anlässlich des Kirchentages in der Hessischen Landesvertretung in Berlin ein. V.l.n.r.: Rudolf Marx (Landrat a. D.), Staatsminister Prof. Dr. Helge Braun MdB (Bundeskanzleramt), Prof. Dr. Martin Hein (Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck), Ulrike Scherf (stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN), Dr. Bernadette Droste (Dienstellenleiterin Hessische Landesvertretung Berlin), Prof. Dr. Andreas Hedwig (Leiter des Hessischen Landesarchivs), Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff (Präsidentin des Evangelischen Bundes), Prof. Dr. Reinhard Neebe (Kurator), Justa Carrasco (Kuratorin) und Dekan Christian Wachter. Foto: nh

Zahlreiche Ehrengäste, Wissenschaftler und hessische Repräsentanten fanden sich beim „Abend der Begegnung“ anlässlich des Kirchentages in der Hessischen Landesvertretung in Berlin ein. V.l.n.r.: Rudolf Marx (Landrat a. D.), Staatsminister Prof. Dr. Helge Braun MdB (Bundeskanzleramt), Prof. Dr. Martin Hein (Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck), Ulrike Scherf (stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN), Dr. Bernadette Droste (Dienstellenleiterin Hessische Landesvertretung Berlin), Prof. Dr. Andreas Hedwig (Leiter des Hessischen Landesarchivs), Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff (Präsidentin des Evangelischen Bundes), Prof. Dr. Reinhard Neebe (Kurator), Justa Carrasco (Kuratorin) und Dekan Christian Wachter. Foto: nh

Berlin/Schwalm-Eder. „Hessen – Pionierland der Reformation“ lautete das Motto am „Abend der Begegnung“ in der Hessischen Landesvertretung Berlin. Zum Auftakt des 36. Evangelischen Kirchentages besuchten mehr als tausend Gäste Hessens Botschaft in der Bundeshauptstadt, um die Ausstellung „Luther und Europa – Wege der Reformation und der fürstliche Reformator Philipp von Hessen“ zu besichtigen. Die Initiative ging auf die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich, zurück.

Dazu erklärte Sie: „Die Reformation ist eng mit Hessen verbunden“. Im 500. Gedenkjahr der Reformation befassten sich zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Informationsangebote mit Kirchengeschichte, die zugleich Politikgeschichte sei. Dabei setze die Ausstellung „Luther und Europa“ als hessischer Beitrag zur Luther-Dekade einen bisher erstaunlich wenig beachteten Akzent: Denn sie frage konsequent nach den europäischen Dimensionen der Reformation, ohne die die Ausbreitung des neuen Glaubens in Europa nicht denkbar gewesen wäre.

An die Schauplätze der Reformationsgeschichte in Hessen erinnerte Dr. Bernadette Droste bei der Eröffnung der Ausstellung in der Hessischen Landesvertretung Berlin. So seien Orte wie Homberg/Efze, Ziegenhain oder Spieskappel nicht nur Symbolorte der Glaubensspaltung. Vielmehr stünden diese auch als Zeichen der Verbundenheit, weil sie daran erinnern, dass die Reformation aus einem Glauben erwuchs, „der in den wichtigsten Punkten allen Christen auch heute noch gemeinsam ist“, so Droste.

Konzipiert wurde die Bilderschau vom Hessischen Staatsarchiv Marburg. „Für die Geschichte der Reformation verfügt das Hessische Landesarchiv über eine außerordentlich reiche und spannende Überlieferung authentischer Quellen“, sagte Archivleiter Professor Andreas Hedwig zur Ausstellungseröffnung. Daher sei das Landesarchiv im Lutherjahr 2017 gut aufgestellt und biete mehrere digitale Angebote über die historische Forschung an, die insbesondere Schulen und eine geschichtsinteressierte Öffentlichkeit als Zielgruppen im Auge haben. Im Zentrum dieser Angebote stehe Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen, fürstlicher Reformator und politische Führungsfigur der protestantischen Bewegung in Europa.

Auf „den selbstbewussten Weg der Reformation in Hessen“ nahm Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff die Gäste mit und schilderte in ihrem Impulsvortrag, mit welch „atemberaubender Geschwindigkeit“ der erst 23-Jährige Landgraf Philipp von Hessen im 16. Jahrhundert eigene Reformationsmaßnahmen vorantrieb. Dabei griff die Präsidentin des Evangelischen Bundes und Professorin für Kirchen- und Dogmengeschichte drei Aspekte auf: Bildungsreform nebst Gründung der Universität Marburg, Konfirmation und flächendeckende Neustrukturierung der Armenversorgung. Letzteres, betonte die Gastrednerin, „ist ein Alleinstellungsmerkmal der Reformation in Hessen.“ Insbesondere die Umwandlung von Klöstern in landesherrliche Hospitäler, die Arme, Kranke, Waisen, Witwen und alte Menschen auf dem Land kostenlos versorgten, deute in mancher Hinsicht auf den Vorläufer des späteren sozialen Wohlfahrtsstaats in Deutschland.

Ein Höhepunkt waren drei originale Dokumente aus der Zeit von Martin Luther, die für den „Abend der Begegnung“ vom Hessischen Staatsarchiv Marburg zur Verfügung gestellt worden waren. Im Rechnungsbuch des ehemaligen Klosters Spieskappel in der Schwalm aus dem Jahr 1529 sind die Zehrungskosten für die zweimalige Übernachtung von Martin Luther auf seinem Weg zum und vom Marburger Religionsgespräch verzeichnet. Die beiden anderen Stücke zeigen die internationale Dimension der Reformation: ein Schreiben Königin Elisabeths I. von England an Philipp den Großmütigen und ein Schreiben Philipps an Kurfürst August von Sachsen über eine Reise von Johannes a Lasco nach Polen.

Im weiteren Verlauf des Abends konnten die Gäste Gespräche mit den Autoren des Begleitbuches zur Ausstellung und Vertretern der Städte Ziegenhain, Homberg/Efze und Spieskappel über das Reformationsland Hessen führen. Aus Ziegenhain angereist war der Dekan des Kirchenkreises Christian Wachter: „Vielen Besucherinnen und Besuchern war völlig neu, dass unser Ort mit der Ziegenhainer Zuchtordnung die Wiege der Konfirmation darstellt.“ Auch der ehemalige Landrat des Vogelsbergkreises und Vorsitzende des Lutherwegs 1521, Rudolf Marx, zeigte sich begeistert: „Das Interesse am neuen Lutherweg als ein zentrales Projekt im Reformationsgedenkjahr war riesengroß. Es war richtig, dass wir auch beim Kirchentag in Berlin dafür die Werbetrommel gerührt haben“.

Ausgewählte Musikstücke wurden während des Abends auf der historischen Nyckelharpa gespielt, einem Streichinstrument, das zu Luthers Lebzeiten eingesetzt wurde und heute auf der in der hessischen Rhön gelegenen Burg Fürsteneck gelehrt wird.



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