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Späte Aufholjagd bleibt unbelohnt

Michael Müller in seinem ersten Einsatz nach 66 Tagen Verletzungspause. Foto: Käsler

Michael Müller in seinem ersten Einsatz nach 66 Tagen Verletzungspause. Foto: Käsler

Lemgo. Lange auf Augenhöhe, ebenso lange hinterher gelaufen, und in den letzten zehn Minuten das Spiel fast noch umgebogen – so lässt sich das Geschehen in der Lemgoer Phoenix Contact Arena aus Sicht der MT Melsungen in wenigen Worten zusammenfassen. Die Nordhessen kämpften am 17. Spieltag der DKB Handball-Bundesliga in dezimierter Besetzung gegen den TBV Lemgo Lippe wieder einmal vorbildlich, ließen andererseits aber zu viele klare Torgelegenheiten ungenutzt. 

TBV schaukelt das Ding

Der 10:15-Halbzeitrückstand war schon ein erstes Warnzeichen im Hinblick auf den späteren Spielausgang. Als die Hausherren nach etwa 46 gespielten Minuten mit sechs Toren enteilt waren (24:18), glaubten wohl die meisten der 3.166 Zuschauer, dass der TBV „das Ding nach Hause schaukeln“ würde. Doch da hatten sie die Rechnung ohne die MT gemacht. Denn plötzlich steigerte sich die Grimm-Sieben in nahezu allen Bereichen: Im Tor vereitelte Johan Sjöstrand einen Wurf nach dem anderen und vorne trafen unter anderem Kapitän Finn Lemke, Yves Kunkel, Philipp Müller und Felix Danner. Fünf Minuten zeigte die Hallenuhr noch an, da war beim 25:25 alles wieder offen. Aber das Blatt wollte sich dennoch nicht mehr wenden. Binnen vier weiterer Minuten legte Lemgo einen 3:0-Lauf hin und bog damit auf die Siegerstraße ein. Letztendlich geht der 28:26-Erfolg der Ostwestfalen in Ordnung, da die Mannschaft die meiste Zeit des Spiels tonangebend war.

Michael Müller wieder im Spiel

Doch der Reihe nach: Die gute Nachricht im Vorfeld war, dass mit Michael Müller der erste der Langzeitverletzten den Weg zurück aufs Spielfeld fand. Genau 66 Tage nach seinem Mittelfußbruch war der Routinier wieder an Bord. Seine Einwechslung ließ nicht lange auf sich warten, schon nach 9 Minuten, beim Stand von 3:3, beorderte ihn der MT-Coach auf die Platte. Dort hatten bis dahin Yves Kunkel (LA), Finn Lemke (RL) Lasse Mikkelsen (RM), Simon Birkefeldt (RR), Tobias Reichmann (RA) und Felix Danner (Kreis) die Erstaufstellung gebildet. Im Tor stand zunächst Nebojsa Simic. Leider hatte der Rückkehrer kurz darauf mit seinem ersten Wurf noch Pech.

Das 4:3 durch Tim Hornke, Lemgos besten Torjäger, konterte in abgezockter Manier Finn Lemke. Der Käpt’n war erst zurück gesprintet, fing dort einen hohen Gegenstoßpass des TBV-Keepers ab, um postwendend nach vorn zu stürmen und den Ball zum Ausgleich einzunetzen. Wenige Minuten zuvor hatte sich der baumlange Defensivspezialist schon einmal erfolgsreich als Abfangjäger betätigt.

Doch statt den Schub zu nutzen, wurden in der Folge gleich zwei hochkarätige Chancen vergeben. Nacheinander scheiterten Felix Danner und Michael Müller freistehend von sechs Metern am reaktionsschnellen Peter Johannesson. Das baute die Lemgoer weiter auf. Mit einem 3:0-Lauf hatten sie nach knapp 17 Minuten den ersten kleinen Vorsprung herausgearbeitet. Das 8:5 war für Heiko Grimm Anlass genug, eine erste Auszeit zunehmen.

Frischer Wind mit Sidorowicz

Mit Neuzugang Roman Sidorowicz hielt frischer Wind Einzug ins Angriffspiel. Der Schweizer, kaum für Finn Lemke auf Halblinks auf dem Parkett, fackelt nicht lange und erzielte gleich in seiner ersten Aktion den Treffer zum 8:6. Und auch sein zweiter Wurfversuch, diesmal ein knallharter Hüftwurf, fand sein Ziel. Als dann Yves Kunkel wenig später einen Tempogegenstoß erfolgreich abschloss und Michael Müller den Folgetreffer des Gegners mit dem Tor zum 11:10 beantwortete (24. Min.), war die MT wieder voll im Spiel.

Etwas unerklärlich verliefen dann die letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit: Die Nordhessen leisteten sich eine Miniserie von technischen Fehlern und Fehlwürfen, die von den Hausherren jedes Mal mit einem Gegentreffer bestraft wurden. Hinzu kam die Dezimierung durch eine Hinausstellung gegen Felix Danner. So spiegelte das 15:10 zur Halbzeit nicht unbedingt die tatsächlichen Kräfteverhältnisse wider, die über 25 Minuten geherrscht hatten.

Immer wieder „der Schritt zu spät“

Im zweiten Durchgang sollte zunächst keine Besserung eintreten. Die Fünf-Tore-Führung der Lemgoer hatte bis zum 17:12 Bestand (33.).

Nach einer tollen Sjöstrand-Parade setzte Lasse Mikkelsen sehenswert einen Schlagwurf in die Lemgoer Maschen, gefolgt von Tobias Reichmanns Tor zum 17:14. Ziekers Gegentreffer wurde postwendend durch Reichmanns Strafwurftor entwertet – so kämpfte sich die MT wieder auf Drei heran (18:15, 37.). Dank eines Gegenstoßtores von Philipp Müller, nach erfolgreichem Siebenmeter durch Tim Hornke, blieb der Abstand nach gut 40 gespielten Minuten noch gewahrt. Lemgo-Coach Florian Kehrmann nahm eine Auszeit.

Die sollte sich lohnen. Denn nach Wiederaufnahme des Spiels gelangen Zieker von Linksaußen und erneut Hornke von der Strafwurflinie die nächsten beiden Tore für die Gastgeber. Das zwang auch Heiko Grimm, die Grüne Karte zu legen. Anschließend verkürzte Lasse Mikkelsen mit einem kernigen Schlagwurf zum 21:17 (44.). Aber alle Anstrengungen vorne nützen bekanntlich nicht viel, wenn man hinten zu oft den berühmten Schritt zu spät kommt und sich dann beim Gegner auch noch Können und Glück die Hand reichen. So hatte Lemgo mit dem 24:18 nach einer gespielten Dreiviertelstunde das Heft des Handelns wieder vollends in die Hand genommen. Da sollte aus Gastgebersicht doch nichts mehr anbrennen, oder?

Vollstrecker und Anspieler

Doch! Zumindest fast. Denn wie schon in den Spielen zuvor, in denen die MT in dezimierter Besetzung antreten musste, steckte sie auch diesmal nicht auf. Ohne in Hektik zu verfallen und nun auch mit etwas mehr Fortune im Abschluss wurde der Rückstand immer weiter reduziert. Die Taktik von Heiko Grimm, mit einem siebten Feldspieler zu agieren, ging auf. Kapitän Finn Lemke ging mit gutem Beispiel voran, betätigte sich einerseits als Vollstrecker (drei verschiedene Wurfvarianten, drei Tore!) andererseits als Anspieler, wovon der Kreis oder der Außen profitierte. Und hinten wurde Johan Sjöstrand immer sicherer. Der Keeper lieferte vier, teils spektakuläre Paraden in Folge (unter anderem gegen die frei vor ihm auftauchenden Ebner und Suton.

Drei entscheidende Missgeschicke

So war es nur folgerichtig, dass nach genau 55 Minuten alles wieder offen war – die Aufholjagd hatte mit dem 25:25 ihren Höhepunkt erreicht. Doch dann reichen drei Missgeschicke auf Seiten der MT, um den Gegner wieder Oberwasser gewinnen zu lassen: Mikkelsen setzt einen Ball neben das Tor, der überragende Johannesson guckt den frei vor ihm auftauchenden Lemke aus und wenig später ist beim Geschoss des Kapitäns das Lattenkreuz im Wege.

Und wie schon in vorangegangenen Phasen, nutzten die Lemgoer auch in diesen Fällen die Gelegenheit, um jeweils erfolgreich zu kontern. Das bedeutete die 28:25-Führung, bei eine Restspielzeit von 42 Sekunden. Die reichte dann gerade noch zu einem finalen Wurf von Philipp Müller zum 28:26-Endstand. Aus MT-Sicht natürlich schade, dass die Aufholjagd nicht mit zumindest mit einem Punkt belohnt wurde. Doch unterm Strich geht das Ergebnis für die Gastgeber durchaus in Ordnung. Schließlich waren sie über die meiste Zeit die tonangebende Mannschaft.

Stimmen zum Spiel

Florian Kehrmann: „Wir haben eigentlich von Anfang an das Spiel diktiert, hatten dann aber in der zweiten Halbzeit Probleme mit der Sieben-gegen-Sechs-Situation. Und das, obwohl wir uns im Training gut darauf vorbereitet hatten. Aber wir sind nicht nervös geworden, obwohl die MT kurz vor Schluss noch einmal aufkam. Da hat uns einerseits das Publikum geholfen und wir selbst haben dann mit zwei, drei guten Aktionen die Entscheidung herbeiführen können. Uns war klar, dass dies heute eine enges Spiel werden würde. Insofern sind wir natürlich besonders glücklich, es gewonnen zu haben.“

Heiko Grimm: „Das tut mir echt leid für meine Mannschaft. Sie hat wieder einmal eine große Moral bewiesen und sich eindrucksvoll nach dem deutlichen Rückstand ins Spiel zurück gekämpft. Allerdings haben wir zu viele Chancen liegen gelassen. Wir müssen uns jetzt schütteln und den Blick nach vorne richten. Nun gilt es, unsere Chance in Gummersbach zu suchen. Fakt ist, dass wir auch in dieser dezimierten Besetzung noch gute Spieler aufs Parkett schicken können. Doch die müssten dann schon eine Hundertprozentleistung über die volle Distanz bringen, wenn wir ein Spiel gewinnen wollen. Klar, wir haben jetzt mit Roman Sidorowicz und Michael Müller zwei Spieler hinzubekommen, aber das braucht ja auch wieder etwas Zeit, bis sich die Besetzung auf dem Feld dann gefunden hat.“

TBV Lemgo Lippe – MT Melsungen 28:26 (15:10)

TBV Lemgo Lippe: Johannesson (13 P. / 26 G.), Wyszomirski (n.e.), – Kogut, Ebner, van Olphen 1. Theuerkauf, Hornke 9/7, Hübscher, Carlsbogard 2, Suton 2, Bartok 5, Hangstein, Schalles, Engelhard 1, Klimek 2, Zieker 6, Baijens– Trainer Florian Kehrmann

MT Melsungen: Simic (4 Paraden / 16 Gegentore), Sjöstrand (7 P. / 12 G.) – Lemke 4, Reichmann 2/1, Ignatow, Kunkel 4, Mikkelsen 4, Danner 2, P. Müller 3, Birkefeldt 3, M. Müller 1, Sidorowicz 3, Backs, Damm – Trainer Heiko Grimm.

Schiedsrichter: Peter Behrens (Wuppertal) / Marc Fasthoff (Neuss)

Zeitstrafen: 0 Min. – 6 MIn. (2x Danner, Sidorowicz )

Strafwürfe: 7/7 – 1/1

Zuschauer: 3.166, Phoenix Contact Arena, Lemgo

Spielfilm: 2:0 (3.), 2:2 (6.), 4:4 (9.), 5:4 (12.), 7:5 (15.), 8:5 (18.), 10:7 (21.), 11:10 (24.), 13:10 (27.), 15:10 (HZ), 16:12 (33.), 18:14 (36.), 19:15 (39.), 20:16 (42.), 23:18 (45.), 24:20 (48.), 25:22 (51.), 25:24 (54.), 26:25 (57.), 28:26 (Ende).

Die nächsten Spiele:
DO, 20.12.18, 19:00 Uhr, VfL Gummersbach – MT Melsungen, Schwalbe Arena Gummersbach
DO, 27.12.18, 19:00 Uhr, MT Melsungen – HSG Wetzlar, Rothenbach-Halle Kassel

(red)



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