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Wegränder sind Lebenslinien

Artenreicher Wegrand. Foto: Andrea Imhäuser | LLH
Artenreicher Wegrand. Foto: Andrea Imhäuser | LLH

Region. Sie werden immer schmaler und seltener: Wegränder und Feldraine. Gab es früher kilometerlange, bunt blühende Wegränder, findet man heute häufig nur noch schmale, artenarme Grasränder entlang von Feldwegen und Landstraßen.

Ökologisch ungeeignete Pflege

Wesentliche Ursache des Artenrückgangs in Randstrukturen ist die zwar arbeitswirtschaftlich effektive und kostengünstige aber aus ökologischer Sicht ungeeignete Pflege dieser Strukturen durch regelmäßiges Mulchen.
Wird ein Wegrain gemäht oder gemulcht, ändern sich für die Tier- und Pflanzenarten schlagartig die Lebensbedingungen. Die Wirkung hängt jedoch ganz wesentlich vom WIE und WANN ab: beides bestimmt die langfristige Entwicklung der Randstrukturen.

Mulchen und liegenlassen

Beim Mulchen wird das Mähgut durch sehr schnell rotierende Werkzeuge maschinell stark zerkleinert, das abgeschlagene Material verbleibt auf der Fläche. Durch die sehr hohe Drehzahl der Werkzeuge und die Bodennähe haben Kleintiere und Insekten kaum eine Chance, dem Mulchgerät lebendig zu entgehen. Da das Mähgut auf den Flächen verbleibt, kommt es zu einer Anreicherung von Nährstoffen und somit in der Folge zu einer Zunahme stickstoffliebender Pflanzen – meist Gräser.

Mähen und abräumen

Bei der Mahd mit Balken- oder Kreiselmäher wird das Schnittgut nicht zerkleinert sondern lediglich abgeschnitten; Insekten und Kleintiere haben eine sehr gute Überlebenschance. In einem zweiten Arbeitsgang oder mit angehängtem Gerät wird das abgeschnittene Material abgeräumt. Durch das mit jeder Mahd wiederholte Abräumen des Schnittgutes magert der Standort allmählich aus, was blütenreiche Kräuter fördert. Die Aushagerung kann die Häufigkeit der nachfolgenden Mahden weiter reduzieren.

Bunte Säume fördern Artenvielfalt

In Zeiten immer intensiver werdender Landnutzungen stellen bunte Säume wertvolle Rückzugsräume für Insekten, Kleinlebewesen und Niederwild dar. Sie verbinden einzeln liegende Biotopflächen und bereichern deutlich sichtbar das Landschaftsbild. Ein Wegrain steht nicht für sich allein, sondern ist immer als Bestandteil eines zusammenhängenden Biotopnetzes zu sehen. Mit einer gezielten extensiven Pflege lässt sich eine hohe Vielfalt unterschiedlicher Wegrand-Situationen und damit die Grundlage für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt schaffen.

Öffentliche Flächen als Vorbild

Angesichts des drastischen Artenrückgangs in der Kulturlandschaft wird eine gezielte und sinnvolle Pflege der Wegränder und Feldraine zunehmend wichtiger. Darüber hinaus verlangt das Bundesnaturschutzgesetz eine naturschutzgerechte Pflege für öffentliche Flächen – viele der Wegränder und Raine befinden sich im Eigentum der Städte und Gemeinden, sie können hierdurch einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Besonders die am Boden brütenden Vögel wie Feldlerchen und Rebhühner profitieren von ungemähten, artenreichen Saumstrukturen, da sie hier bevorzugt ihre Nester anlegen und viele Insekten als Nahrung finden.

Rebhühner durch Ausmähen gefährdet

Durch den menschlichen Ordnungsdrang sind zurzeit ganz besonders die Rebhühner gefährdet, denn sie legen erst Ende Mai bis Anfang Juni ihre Gelege an – während die meisten Vogelarten längst fleißig ihre Küken füttern.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber obwohl sie schon im März balzen, lassen sich Rebhühner sehr lange Zeit, bis sie sich entschließen, Ihr Gelege zu beginnen. Da die Gelege der Rebhühner mit bis zu 20 Eiern sehr groß sind, dauert es entsprechend lange, bis das Gelege vollständig ist und die Henne mit dem Brüten beginnt. So sind diese Vögel zurzeit besonders vom menschlichen Ordnungsdrang gefährdet, denn sie brüten bevorzugt in den Übergangsbereichen von Saumstrukturen wie Feldwegen und Rainen.

Pflegeempfehlungen für Wegränder und Feldraine

• Mähen ist schonender als Mulchen; ideal ist das Beseitigen des Mähgutes von der Fläche.
• Ein später Mahdzeitpunkt – nicht vor Ende Juli – fördert die Bodenbrüter und lässt blühende Kräuter aussamen.
• Nicht den gesamten Weg beidseitig zur gleichen Zeit mähen, sondern besser im Wechsel nur eine der Wegseiten bearbeiten.
• Die Bearbeitungshöhe sollte 10 cm nicht unterschreiten.
• Die regelmäßige Mahd von Saumbiotopen ist unnötig!

Autorin: Andrea Imhäuser
Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), Zentrale
Karl-Josef Walmanns – Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
34117 Kassel, Kölnische Straße 48-50



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